11. März 2021 / 16:43 Uhr

PK zum Rücktritt: Alle Aussagen von Bundestrainer Löw, Bierhoff und DFB-Präsident Keller im Überblick

PK zum Rücktritt: Alle Aussagen von Bundestrainer Löw, Bierhoff und DFB-Präsident Keller im Überblick

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Fritz Keller haben sich zum Abschied des Bundestrainers geäußert.
Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Fritz Keller haben sich zum Abschied des Bundestrainers geäußert. © IMAGO/Poolfoto (Montage)
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Der Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft im Sommer erschüttert Fußball-Deutschland wie ein Erdbeben. Am Donnerstag haben sich Löw, DFB-Präsident Fritz Keller und Direktor Oliver Bierhoff auf einer Pressekonferenz zum Rücktritt und zur Nachfolge geäußert. Alle Aussagen im Überblick.

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Noch-Bundestrainer Joachim Löw über…

… seinen Abgang: "Ich bin sehr dankbar für diese 15 Jahre, die wirklich eine Ewigkeit sind. Wir waren in schwierigen Situationen immer füreinander da. Ich bin stolz auf die gemeinsamen Erfolge. Ich hatte mir vorgenommen, mir im Februar oder März mal ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen: Wo stehen wir? Wo stehe ich? Was habe ich für ein Gefühl für die Zukunft? Dabei bin ich vor zwei oder drei Wochen zu der Erkenntnis gekommen, dass es ein guter Zeitpunkt ist, um den Stab an jemand anderen weiterzugeben. Ich habe dann – in erster Linie mit Oliver – gesprochen, dann mit meinem Team und mit dem Präsidenten. Es ist Zeit für eine Veränderung, eine Erneuerung, für Bewegung.“

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… die EM 2024 in Deutschland: "Dieses Turnier im eigenen Land muss wie 2006 zu einer Explosion führen. Was wir damals erlebt haben, war großartig, in der Mannschaft, in der Gesellschaft. Die Mannschaft wird dann womöglich auf dem Höhepunkt sein. Spieler wie Kimmich, Goretzka, Sané oder Gnabry sind dann vielleicht auf ihrem Zenit. Da kann man unglaublich viel bewegen, für alle Menschen in unserem Land. Aber ich sehe mich 2024 nicht mehr in dieser Position. Und wenn man von Erneuerungen und Energie spricht, dann ist es der richtige Zeitpunkt, damit der neue Trainer entsprechend Zeit hat – erst Recht bei der Nationalmannschaft. Egal welche Ideen er auch immer einbringt. Das geht nicht innerhalb von ein paar Monaten."

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… die EM 2021: "Das gute Gefühl bei der Mannschaft, mit Blick auf die EM ist absolut vorhanden. Ich bin mit aller Spannung und Vorfreude dabei, wie bei allen anderen Turnieren auch. Das liebe ich, da bin ich schon Monate vorher im Tunnel, da habe ich immer darauf hingefiebert."

…. zu einer Rückkehr von Thomas Müller, Jerome Boateng oder Mats Hummels: "Ich habe weder die Türe auf noch zugemacht. Man sollte mir auch zuhören. Ich habe gesagt unter normalen Umständen sollte man einen Umbruch nicht unterbrechen. Aber wir haben eine Pandemie und hatten Probleme in der Zusammenfindung. Mit Blick auf ein Turnier müssen wir alles noch mal hinterfragen, das haben wir immer gemacht. Das machen wir im Mai wieder: Was braucht die Mannschaft noch? Da müssen wir alles bedenken, da führen wir viele Diskussionen. Ein Trainer denkt nicht daran, was seine Entscheidungen in der Öffentlichkeit auslösen, sondern was den bestmöglichen Erfolg garantiert. Das sollten alle mittlerweile wissen. Ich mache das, wovon ich persönlich überzeugt bin.“

… die Reaktionen der Spieler: "Ich habe mit einigen Spielern unmittelbar vor der Entscheidung gesprochen. Ich konnte nicht alle anrufen, aber Kapitän, Vizekapitän, Ilkay, Kroos, Neuer, Spieler mit denen ich lange zusammen arbeite. Da war es mir wichtig, dass sie das persönlich von mir erfahren."

… Hansi Flick als möglichen Nachfolger: "Wie mein Verhältnis zu ihm ist, weiß jeder. Jeder kennt seine Qualitäten. Aber es ist nicht meine Aufgabe, über mögliche Kandidaten zu sprechen. Die Entscheidung liegt bei Oliver und dem Präsidium in guten Händen."

… seine persönliche Zukunft: "Ich kann nichts völlig ausschließen, wie meine Zukunft ganz konkret aussieht. Ich werde jetzt zunächst meine ganze Energie in diese letzten Monate setzen."

DFB-Präsident Fritz Keller über…

… die Entscheidung: "Jogi Löw leitet damit eine neue Ära ein, aus meiner Sicht zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin dankbar, weil er uns die Zeit gegeben hat, in aller Ruhe und Sorgfalt einen Nachfolger zu finden. Ich glaube, dass die Spieler sich noch mehr reinhängen werden, weil sie Dich schätzen und Dir einen wunderbaren Abschied bescheren wollen."

… eine mögliche DFB-Reform und einen unbequemen Trainer: "Es gibt keinerlei Denkverbote, alles ist möglich. Der DFB ist ohnehin aktuell im Umbruch."

… die Entscheidungsfindung: "Letztendlich wird das Präsidium entscheiden. Wir sind im offenen Austausch. Vorher wird der Präsidialausschuss darüber sprechen."

Joachim Löw: Seine Bundestrainer-Ära in Bildern

Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Seit der WM 2018 musste der 60-Jährige allerdings auch den einen oder anderen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw! Zur Galerie
Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Seit der WM 2018 musste der 60-Jährige allerdings auch den einen oder anderen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Der SPORTBUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw! ©

DFB-Direktor Oliver Bierhoff über…

... die Entscheidung und die Folgen daraus: "Die Nachricht hat mich nicht wie ein Blitz getroffen, aber wir haben ein besonderes Verhältnis, deshalb sitzt das tief. Auch, weil ich nach wie vor absolut überzeugt von ihm bin. Ich bedauere das wirklich sehr, aber wir wollen nach vorne schauen. Da ist die EM das Allerwichtigste, darauf liegt der Fokus. Um Jogi zu feiern, wird nicht ein Abend reichen, sondern da muss man sich schon was einfallen lassen – das wird passieren."

… das Trainerteam: "Marcus Sorg hat noch einen Vertrag bis 2024. Der neue Cheftrainer sollte seine engsten Vertrauten da mit einbringen. Wenn wir einen Kandidaten haben, wird man festlegen, wie er sich das Team vorstellt."

… die Trainersuche: "Es ist nicht so, dass man sich erst jetzt damit beschäftigt, sondern das habe ich immer getan, Gespräche geführt, das ist ein fließender Prozess. Ich zaubere ja nicht einen Kai aus der Kiste. Jetzt geht es natürlich etwas mehr als Eingemachte, aber wir haben alle Zeit. Es ist eine wichtige Entscheidung für Fußball-Deutschland, aber wir haben keinen Druck. Deshalb werden wir Eindrücke gewinnen und die Entscheidung gut durchdacht überlegen und diese zu Ende denken – wir haben eine WM 2022 und eine Heim-EM 2024. Wir haben gute Trainer in Deutschland, im Ausland und im DFB. Wir werden die Entscheidung nicht nach Umfragewerten treffen, sondern nach der Überzeugung. Eine zeitliche Vorgabe geben wir uns nicht. Wir haben im September wieder Spiele. Wenn Gespräche stattfinden, passiert das nur in Abstimmung mit den jeweiligen Vereinen, falls Trainer noch unter Vertrag stehen."

… die Frage, ob es auch eine Frau werden kann: "Ich würde nie etwas ausschließen, ihr dürft weiter spekulieren."

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… eine mögliche DFB-Reform und einen unbequemen Trainer wie Ralf Rangnick: "Man macht sich keine Gedanken ob derjenige bequem oder unbequem ist, ob er gut aussieht oder nicht. Das was Kandidaten sagen oder wie ich sie sehe, werde ich nicht kommentieren. Die Chancen, dass ein ausländischer Trainer kommt, halte ich eher für gering, wenn ich den Markt sehe. Wir sollten versuchen einen deutschen Trainer zu haben."

... die EM 2021: "Wir sind im ständigen Austausch mit der UEFA, ist eine Fahrt auf Sicht. Aktuell will die UEFA weiterhin mit zwölf Ländern starten, andere Informationen habe ich derzeit nicht"