09. März 2019 / 09:13 Uhr

Wirbel um Löw, Heidel & Co: Fußball-Deutschland ist ein einziges Pulverfass

Wirbel um Löw, Heidel & Co: Fußball-Deutschland ist ein einziges Pulverfass

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Vier Figuren, die für den Wirbel im deutschen Fußball stehen (v.l.): Wolfsburg-Trainer Bruno Labbadia, Hannover-Boss Martin Kind, Bundestrainer Jogi Löw und Ex-Schalke-Sportvorstand Christian Heidel.
Vier Figuren, die für den Wirbel im deutschen Fußball stehen (v.l.): Wolfsburg-Trainer Bruno Labbadia, Hannover-Boss Martin Kind, Bundestrainer Jogi Löw und Ex-Schalke-Sportvorstand Christian Heidel. © imago/DeFodi
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Turbulente Tage quer durch die Republik. An der Spitze der Diskussion: Bundestrainer Jogi Löw, der die drei Weltmeister Boateng, Hummels und Müller aus dem DFB-Team aussortiert hat. In allen Fällen geht es um Macht, Eitelkeiten und Zerreißproben. Eine Bestandsaufnahme des deutschen Fußballs.

Eine turbulente Woche liegt hinter dem deutschen Fußball – und das ist noch sehr vorsichtig formuliert. Man könnte auch sagen: In Fußball-Deutschland brennt mächtig der Baum! Entlassungen, Rücktritte, Machtkämpfe, Ausbootungen, Zerreißproben, öffentliche Schlammschlachten – die vergangenen Tage boten ausreichend Stoff für diverse Schlagzeilen.

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Die größte Bombe des Jahres platzte am Dienstag, als Bundestrainer Joachim Löw drei Weltmeister von Bayern München ausbootete und Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels informierte, dass er keine Verwendung mehr für sie im Nationalteam sieht. Was folgte, war ein mediales Erdbeben, welches bis zum Auftakt des aktuellen Bundesliga-Spieltags nachwirkte. Doch nicht nur der DFB sorgte wieder mal für Wirbel, quer durch die Republik knirscht und kracht es im fußballerischen Gebälk.

Internationale Pressestimmen: Der FC Bayern schießt Mönchengladbach ab

Joshua Kimmich kann jubeln: Der FC Bayern ist nach der Machtdemonstration gegen Borussia Mönchengladbach punktgleich mit Tabellenführer BVB. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf den 5:1-Sieg reagiert. Zur Galerie
Joshua Kimmich kann jubeln: Der FC Bayern ist nach der Machtdemonstration gegen Borussia Mönchengladbach punktgleich mit Tabellenführer BVB. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf den 5:1-Sieg reagiert. ©

Es herrscht kaum Ruhe in der Bundesliga

Ob erste oder zweite Liga, ob in Gelsenkirchen oder Wolfsburg, ob in Stuttgart oder Nürnberg, in Köln oder Hannover – man wird das Gefühl nicht los, dass es kaum einen Klub gibt, bei dem mal über einen längeren Zeitraum Ruhe herrscht. Was dabei am meisten verwundert – und dies darf durchaus als neues Phänomen gewertet werden – ist, dass es selbst bei Vereinen, in denen es sportlich läuft, ordentlich knallt.

Beste Beispiele dafür sind der 1. FC Köln und der VfL Wolfsburg. Beim Zweitligatabellenführer aus der Domstadt wurde in der Karnevalswoche nicht nur geschunkelt, sondern vor allem intrigiert. Dass es am Geißbockheim brannte, hatte weniger damit zu tun, dass ein Grillnachmittag zu Ehren von Torhüter Timo Horn am Aschermittwoch auf dem Klubgelände einen Feuerwehreinsatz auslöste. Viel mehr war hinter den Kulissen ein Machtkampf entflammt, an dessen Ende der Rücktritt von Präsident Werner Spinner stand. Den „irreparablen Vertrauensverlust“ zwischen ihm und Armin Veh hatte der Manager an die Öffentlichkeit getragen und frei nach dem Motto „Einer muss gehen – er oder ich“ gehandelt.

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Heidel verlässt Schalke, Labbadia vor Abgang

Genau darauf wird es auch zwischen Jörg Schmadtke und Bruno Labbadia in Wolfsburg hinauslaufen. Obwohl der VfL nach zwei Relegationsteilnahmen nicht nur die beste Saison seit Jahren spielt, sondern sich als Siebter sogar berechtigte Hoffnungen aufs europäische Geschäft, ja sogar die Champions League machen darf, ist das Klima zwischen Trainer und Sportchef derart vergiftet, dass eine Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus nahezu ausgeschlossen ist.

Schmadtke macht daraus kein Geheimnis und sagte öffentlich über die angespannte Situation der beiden Alphatiere: „Wir haben kein freundschaftliches Verhältnis.“ Sein Kollege Christian Heidel hat beim FC Schalke 04 bereits die Brocken hingeworfen, dessen Nachfolger Jochen Schneider trat in dieser Woche seinen Job an und dürfte vermutlich auch schon bald seinen Trainer Domenico Tedesco entlassen - auch wenn der nach dem 2:4 zunächst Rückendeckung vom neuen Boss bekam.


50 ehemalige Spieler des FC Schalke 04 und was aus ihnen wurde

Einst waren sie für den FC Schalke 04 aktiv. Aber was machen Raúl, Christoph Metzelder, Ivan Rakitic und Emile Mpenza heute? Der <b>SPORT</b>BUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. Zur Galerie
Einst waren sie für den FC Schalke 04 aktiv. Aber was machen Raúl, Christoph Metzelder, Ivan Rakitic und Emile Mpenza heute? Der SPORTBUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. ©

Beim VfB Stuttgart, dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 ist dies im Saisonverlauf bereits passiert – geändert hat sich allerdings wenig. Alle drei Klubs kämpfen sportlich weiterhin gegen den Abstieg, die Zukunft der Übungsleiter ist offen, die Bosse stehen heftig in der Kritik und schlagen um sich.

Kind als unkontrollierbarer Patriarch

Den Höhepunkt dieser Woche lieferte dabei wieder mal Hannovers unkontrollierbarer Patriarch Martin Kind, der nicht nur seinen kompletten Verein zerlegte, sondern sich offenbar bereits mit dem Gang in die Zweitklassigkeit abgefunden hat – nach dem 24. Spieltag! Kinds Worte waren eine schallende Ohrfeige für alle leitenden Angestellten: „Die aktuelle Mannschaft ist kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert“, tobte der 74-Jährige. „Ich habe mich entschieden, dass wir erneut den direkten Wiederaufstieg erreichen wollen.“

Am 23. März steht die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung von 96 an – dort könnte auch das rote Pulverfass dann endgültig explodieren.