13. März 2020 / 18:46 Uhr

LSB-Chef Brandenburg über die Corona-Krise: "Die Athleten sind verunsichert"

LSB-Chef Brandenburg über die Corona-Krise: "Die Athleten sind verunsichert"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender der Geschäftsführung des Landessportbunds Brandenburg (LSB).
Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender der Geschäftsführung des Landessportbunds Brandenburg (LSB). © Peter Geisler
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Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender der Geschäftsführung des Landessportbunds Brandenburg (LSB), spricht im Interview über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Brandenburger Olympiakandidaten.

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Ein Großteil der Brandenburger Sportverbände hat inzwischen den Spielbetrieb eingestellt – oder zumindest unterbrochen. Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender der Geschäftsführung des Landessportbunds Brandenburg (LSB), spricht im SPORTBUZZER-Interview über eine mögliche Olympia-Absage, die Stimmung bei den Athleten und die Wertung der abgebrochenen Spielzeiten.

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Haben Sie schon einmal eine vergleichbare Situation miterlebt? Andreas Gerlach: Nein, in der Form habe ich das noch nicht erlebt. Vor den Olympischen Spielen in Rio 2016 gab es die Diskussion um das Zika-Virus, da gab es auch viele Vorsichtsmaßnahmen und die haben auch gut funktioniert. Aber die aktuelle Situation ist damit nicht zu vergleichen.

Denken Sie, die Olympischen Spiele müssen abgesagt werden? Zu diesem Zeitpunkt kann ich dazu keine Prognose geben. Sicher ist: Es muss eine Entscheidung im Sinne der Athletinnen und Athleten geben. Wir müssen beobachten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Womöglich gibt es bis dahin Arzneimittel, aber das ist alles Spekulation. Das Wichtigste ist, dass die Menschen geschützt werden.

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Brandenburgs Sportler des Jahres seit 1998. ©

Wie ist die Stimmung unter den Olympia-Kandidaten? Zumindest sind sie verunsichert, das muss man klar sagen. Es geht dabei gar nicht unbedingt darum, ob die Spiele stattfinden oder nicht. Bei vielen wurden die Qualifikationswettkämpfe abgesagt, so dass auch eine Unsicherheit herrscht, unter welchen Bedingungen man sich überhaupt für die Olympischen Spiele qualifiziert. Viele Athleten bereiten sich viele, viele Jahre auf so einen Höhepunkt vor, deshalb wäre das besonders tragisch, wenn sie nicht stattfinden sollten.


Wie ist die Stimmung unter den Brandenburger Sportverbänden? Erst einmal bringt das Coronavirus grundsätzlich die Gesellschaft komplett durcheinander. Man muss sich jetzt auf bestimmte Dinge einstellen, auch der Sport muss das tun. Wichtig ist es, die Menschen zu schützen. Schade ist es, dass es keine komplett gleichlautenden Richtlinien gibt, sondern überall unterschiedliche. Da würde ich mir klare Aussagen wünschen.

Wie kann der LSB helfen? Wir sind keine Experten für Virologie. Generell empfehlen wir den Verbänden und Sportlern, die Hygiene-Vorschriften streng umzusetzen und so einen Teil dazu beizutragen, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet. Ich erlebe sehr viel Verständnis und hohe Eigenverantwortung, beispielsweise wenn es darum geht, ob man Wettkämpfe oder Trainingslager durchführt.

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Was empfehlen Sie den, wie mit den abgebrochenen Spielzeiten sportlich umgegangen werden soll? Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich möchte natürlich Sport machen und sehen können. Aber auf dern anderen Seite gibt es die gesellschaftliche Notwendigkeit, dass sich der Virus nicht weiter verbreitet. Die Verbände haben eine Autonomie bei der Bewertung, gerade weil die Vielfalt der Wertungen so groß ist, dass jede Sportart das für sich selbst entscheiden muss. Wenn jemand eine Hilfeleistung braucht, dann stehen wir mit einem Rat oder einer Meinung gerne zur Verfügung. Aber das ist an der Stelle zweitrangig. Wenn die Gesellschaft gerade ganz andere Probleme hat, dann ist es zweitrangig, ob man im Barnim auf Platz vier oder fünf steht. Ich glaube, dafür gibt es viel Verständnis.