27. Mai 2021 / 18:25 Uhr

LSB und NFV kritisieren niedersächsischen Stufenplan als unverhältnismäßig

LSB und NFV kritisieren niedersächsischen Stufenplan als unverhältnismäßig

Kathrin Lienig und Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Fitness in Corona-Zeiten: in Göttingen mit fantasievoller Herangehensweise bereits jetzt schon in der Gruppe möglich.
Fitness in Corona-Zeiten: in Göttingen mit fantasievoller Herangehensweise bereits jetzt schon in der Gruppe möglich. © Matthias Drobeck via www.imago-images.de
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Trotz dauerhaft niedriger Inzidenzwerte müssen sich die Sportler in der Region Göttingen mit einem überschaubaren Sportangebot begnügen – Stufenplan und Verordnung geben nicht mehr her. Mittlerweile hat der Stufenplan massive Kritik der Sportorganisationen auf sich gezogen.

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Der Inzidenzwert liegt im Landkreis Göttingen seit geraumer Zeit unter 50, trotzdem ist insbesondere Mannschaftssport qua geltender Allgemeinverfügung kaum möglich. Lediglich bei jugendlichen Fußballern unter 18 Jahre ist Kontaktsport erlaubt, die Älteren müssen sich auf Einzeltraining beschränken. Die Sportbünde empfinden die Regelungen, die der Stufenplan der niedersächsischen Landesregierung vorgibt, als unverhältnismäßig, und der Landessportbund (LSB) hat sie am Mittwoch in einem Schreiben an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisiert. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) schloss sich der Kritik daraufhin vorbehaltlos an und erinnerte an die Petition von DFB und DOSB „Draußen muss drin sein“.

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Die Regelungen sind nach Meinung des LSB „unverhältnismäßig und unverständlich“. In einem Zehn-Punkte-Plan werden „zentrale Erwartungen des niedersächsischen Sports“ aufgelistet, unter anderem, dass Übungsleiter und Sportler auch ohne Kontrolle Selbsttests vornehmen dürfen und für Geimpfte, Genesene und negativ getestete Personen „jeglicher Sport, also auch Kontaktsport“ möglich sein muss. „Es geht um die verantwortungsbewusste und vertretbare Rückkehr zum geregelten Sportbetrieb für alle Mitglieder und Sportarten“, heißt es in einer NFV-Mitteilung.

Forderungskatalog des LSB:

In einem Zehn-Punkte-Plan listen für den Landessportbund Präsident Wolf-Rüdiger Umbach und der Vorstansvorsitzende Reinhard Rawe in einem Schreiben an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) „zentrale Erwartungen des niedersächsischen Sports“ auf. Unter anderem wird im Hinblick auf die inzidenzabhängigen Öffnungsstufen (Inzidenzen unter 35, 50 und 100) gefordert: Außensport als Kontaktsport wie auch kontaktloser Sport muss für Gruppengrößen bis 50 Personen in allen drei Stufen wieder geöffnet und dabei auch Wettkampfsport zugelassen werden. Für Kontaktsport muss auf Testungen in den Stufen eins und zwei verzichtet werden. Für kontaktlosen Sport im Außenbereich sind Testungen in keiner Stufe erforderlich. Für den Innensport bedarf es in allen Stufen einer Öffnung von kommunalen, städtischen und vereinseigenen Sporthallen für kontaktfreien Sport in Gruppen von mindestens 30 Personen. Für Kontaktsport im Innenbereich muss es in den Stufen eins und zwei Öffnungen für Kinder sowie geimpfte, genesene und negativ getestete Erwachsene geben in Gruppen von mindestens 30 Personen. Freibäder (inklusive Strandbäder) müssen in allen drei Stufen mit Hygienekonzept geöffnet werden.

Mittlerweile ist angesichts von sinkenden Inzidenzien und einem Sieben-Tage-Wert im Landkreis Göttingen von 19,9 am Donnerstag Licht am Horizont zu sehen, und die ab Montag gültige neue Verordnung hält sicherlich Lockerungen bereit. Doch in der Zwischenzeit haben Vereine und Sportanbieter aus der Region Göttingen aus der Not eine Tugend gemacht und bieten gemeinsamen Sport unter Einhaltung der aktuellen Verfügung an.

GoeSF weicht auf brachliegende Sparkassen-Arena aus

Damit die Fitnesskurse stattfinden können, ist die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF) seit dem 12. April einfach auf die weitgehend brachliegende Sparkassen-Arena ausgewichen: Vier Kurse (Bauch-Beine-Po-Rücken, Hatha-Yoga, Indoor-Cycling und Jumping Fitness) wurden seitdem jeweils einmal pro Woche in der S-Arena angeboten. „Die Vereine konnten die Halle nicht nutzen, und da hatten wir die Idee, die Fitnesskurse nicht im kleinen Kursraum, sondern für jeweils zwölf Menschen in der riesigen Halle zu veranstalten“, erläutert GoeSF-Mitarbeiter Johannes Frey.

Hintergrund ist, dass sich, technisch gesehen, angesichts der großen Fläche keine Gruppe, sondern zwölf Einzelsportler in der Halle befinden. Durch die Lüftungsanlage wird die Luft jede 15 Minuten komplett ausgetauscht, „bevor die Atemluft den Nebenmann erreicht, ist sie schon wieder erneuert“, berichtet Frey. Bei Yoga und Bauch-Beine-Po-Rücken können sogar zwei Sportler aus einem Haushalt zusammensitzen, besonders gefragt sind jedoch Cycling und Jumping-Fitness. Frey: „Da geht’s richtig ab, da sind wir regelmäßig ausgebucht.“ Wenn die Halle wieder für Vereinssport zugelassen ist, sollen die Fitnessangebote in die Kursräume zurückkehren.

BSV-Gruppensport auf der Sportwiese hinter der Tennishalle

Um Gruppensport zu ermöglichen, wollte der Bovender SV nach Pfingsten mit seinen Angeboten auf der Sportwiese hinter der Tennishalle starten. „Das schlechte Wetter hat uns bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht“, berichtet Geschäftsführerin Evi Hadenfeldt von einigen Absagen. Bereits im vergangenen Sommer habe es diese Angebote gegeben, mit zwei Meter Abstand zwischen den Teilnehmern – damals allerdings ohne Testvorschrift. Die Geschäftsführerin hat festgestellt, dass einige Vereinsmitglieder davor zurückschrecken, sich ständig testen zu lassen. „Viele schaffen es auch zeitlich gar nicht, zwischen Arbeit und Sport noch in ein Testcenter zu fahren. Wir haben auch schon oft gehört, dass viele nun auch noch zwei Wochen warten und spazieren gehen könnten, bis eventuell die Testpflicht falle und der Einstieg wieder ohne Hindernisse möglich ist“, berichtet sie.

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Die Angebote aus dem Reha- und Gesundheitsbereich sowie Freizeitsport habe der BSV „nicht 1:1“ für den Freiluftsport übernehmen können. Es sei auch einiges Neues dabei. „Die Klassiker laufen gut“, hat Hadenfeldt festgestellt. Sollte es die Verordnung demnächst hergeben, dass auch in der Halle wieder Sport getrieben werden kann, „werden wir schnell reagieren“. Die BSV-Geschäftsführerin hat die Hoffnung, dass die großen Dachorganisationen wie LSB und NFV „endlich auf den Tisch hauen“. Es sei ärgerlich, dass es den Vereinen – angesichts der niedrigen Inzidenzzahlen – auf den letzten Metern noch so schwer gemacht werde.