11. Februar 2020 / 17:14 Uhr

Luan Candido über RB: „Leipzig war eine sehr lehrreiche Zeit“

Luan Candido über RB: „Leipzig war eine sehr lehrreiche Zeit“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Luan Candido.
Luan Candido. © gepa
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Im Winter hat der Abwehrspezialist den Schritt zurück gemacht, weil es angebracht gewesen sei, wie Candido betont. Im hochkarätig besetzten Kader der Nagelsmann-Elf konnte er sich nicht durchsetzen. In Braganca Paulista spricht er im Interview mit den RND über seine Zeit in Sachsen und sein Scheitern in der höchsten deutschen Spielklasse.

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Bragantino. Wer ihn auf dem Trainingsplatz beobachtet, entdeckt einen Spieler, der mit Eifer und Spaß bei der Sache ist. Hängende Schultern und ein gequälter Gesichtsausdruck, dies alles ist nicht bei Luan Candido zu bemerken. Obwohl der Fußballprofi nach dem letzten halben Jahr, das als vorläufiger Knick in seiner bis dato gradlinig verlaufenden Karriere zu bewerten ist, allen Grund dazu hätte, Frust zu schieben.

„Ich bereue nichts“, sagt der 19-Jährige, der nach dem verpatzten Sprung in die Bundesliga bei RB Leipzig in seine Heimat Brasilien zurückgekehrt ist und nun beim Erstliga-Aufsteiger Red Bull Bragantino wieder in die Erfolgsspur einbiegen möchte. „Es war der richtige Zeitpunkt, nach Europa zu gehen. Doch es hat leider noch nicht funktioniert.“

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Das Interview

Warum haben Sie in Leipzig nach nur der Hälfte einer Spielzeit aufgegeben, Luan Candido?

Weil es die beste Lösung war. Es gab keinen anderen Weg. Es war der einzige Ausweg für mich.

Sie sind in der Profimannschaft nie zum Einsatz gekommen, haben nur drei Spiele für die U 19 in der Youth League absolviert. Ärgert Sie, dass Sie keine Chance bekommen haben, Ihr Können zu zeigen?

Es stimmt, dass ich keine Chance erhalten habe. Doch ich sehe das realistisch und mache den Verantwortlichen, insbesondere Trainer Julian Nagelsmann, keinen Vorwurf. Das Team ist nun mal bestens besetzt. So ist es mir schwer gefallen, mich anzubieten. Insofern war es nicht gerade der beste Zeitpunkt, dass ich ausgerechnet nach Leipzig gewechselt bin. Dass ich im letzten Jahr den Sprung nach Europa gewagt habe, halte ich jedoch immer noch für richtig.

Machen Sie sich selbst Vorwürfe? Haben Sie Fehler gemacht bei Ihrem Deutschland-Abenteuer?

Nein, ich werfe mir nichts vor. Ich habe alles versucht, doch es hat nun mal nicht gereicht.

Wie bewerten Sie im Endeffekt die sechs Monate in Leipzig?

Leipzig war eine sehr lehrreiche Zeit, ich konnte viele Erfahrungen sammeln und den europäischen Fußball kennenlernen.

Was unterscheidet diesen von der Spielweise in Südamerika?

Es wird viel schneller, zudem wird viel athletischer agiert.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Gastspiel beim Neuling Red Bull Bragantino?

Ich freue mich darauf, hoffentlich wieder mehr zu spielen. Ich muss Praxis sammeln, um mich zu entwickeln. Wir besitzen ein gute Mannschaft, die den Klassenerhalt schaffen kann, wenn nicht gar noch mehr.

Bleibt Europa, speziell die Bundesliga, weiterhin Ihr Traum?

Natürlich, ich will unbedingt dorthin. Alle guten Spieler in Brasilien haben dieses Ziel vor Augen.

Muss immer wieder gepusht werden

Ruhig und besonnen spricht Candido, selbstbewusst und dabei doch bisweilen schüchtern gibt er sich. Zum Zeitpunkt des Gesprächs startet Bragantino die Vorbereitung auf die neue Saison, die erste seit 22 Jahren im Campeonato Brasileiro. Gleichzeitig spielt die Olympia-Auswahl Brasiliens, 2016 im eigenen Land Gewinner der Goldmedaille, um die Qualifikation für das nächste Turnier im Zeichen der Ringe. Auch Candido, der von der U 15 bis zur U 20 alle Nachwuchsteams der Selecao durchlaufen hat, wäre ein Aspirant gewesen, hätte er in Leipzig den Durchbruch geschafft. Mit dem Leverkusener Paulinho, dem nun für Berlin agierenden Ex-Leipziger Matheus Cunha sowie dem kürzlich für 30 Millionen Euro zu Real Madrid gewechselten Reinier (vormals Flamengo) galt er als die große Begabung in jener Jahrgangsklasse. Mit Wehmut schaut Candido zum Turnier nach Kolumbien, bei dem er fehlt und bei dem sich seine Freunde für die Spiele in Japan qualifiziert haben.

Dort will er wieder dabei sein. Seine Rückkehr in die Junioren-Ländermannschaft ist programmiert, wenn es nach der Meinung seines aktuellen Trainers geht. Felipe Conceicao, der neue Coach des Konzernklubs, gilt als versiert im Umgang mit Youngstern. An den ersten Trainingstagen hat er den Ex-Leipziger beobachtet und analysiert: „Er bringt eine ungemeine Physis mit, muss indes mental noch zulegen.“ Felipe weiß, worauf er den Fokus beim Kandidaten Candido legen muss: „Er ist ein Spieler, der immer wieder gepusht werden muss.“

Nichts leichter als das, der 40-Jährige RB-Fußballlehrer will täglich genau dies tun – zum Wohle seines Teams und zum Vorteil seines prominenten Schützlings, der so wieder auf Vordermann kommen soll.

Hans-Günter Klemm

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