04. Mai 2020 / 16:00 Uhr

"Nicht zu sehr auf Fußball versteifen": Luca Naue und der Traum von der Profikarriere

"Nicht zu sehr auf Fußball versteifen": Luca Naue und der Traum von der Profikarriere

Maximilian Bosse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Engelbostels Luca Naue (links, im Zweikampf mit Bemerodes Nico Niemann) hat in der Jugend bei 96 schon einmal dezent daran geschnuppert, wovon er und seine Mitspieler 2008 bei den F-Junioren des SV Velber (eingeklinkt, Zweiter von links) wohl alle geträumt haben: Fußballprofi zu werden.
Engelbostels Luca Naue (links, im Zweikampf mit Bemerodes Nico Niemann) hat in der Jugend bei 96 schon einmal dezent daran geschnuppert, wovon er und seine Mitspieler 2008 bei den F-Junioren des SV Velber (eingeklinkt, Zweiter von links) wohl alle geträumt haben: Fußballprofi zu werden. © Michael Plümer/Nicola Wehrbein
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Vom vielversprechenden Talent bis zum Durchbruch ist es ein weiter und steiniger Weg, den nur wenige erfolgreich mit der Karriere als Profifußballer krönen. Engelbostels Luca Naue konnte als Jugendlicher schon einmal hineinschnuppern, doch die Gegenwart als 21-Jähriger heißt Kreisliga.

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Welcher junge Fußballer hat nicht schon einmal davon geträumt, dass Tausende Fans im Stadion ihn mit Sprechchören feiern? Dass er Autogramme gibt und berühmt ist? Für die meisten geht dieser Wunsch nicht in Erfüllung, den Sprung zu den Profis schaffen nur die allerwenigsten.

Aus Velber über 96 zurück nach Engelbostel

Auch Luca Naue hatte diesen Traum. Er ist eines der Talente, denen schon als kleine Kicker eine große Zukunft vorhergesagt wird. Auch Naue stach heraus, auch er konnte besser dribbeln, schießen und spielen als die anderen Jungs in seinem Team. Im Alter von 13 Jahren stand der heute 21-Jährige im Kader der U14 von Hannover 96. Heute spielt er in der Kreisliga. Aber das sei völlig okay, sagt Naue.

Begonnen hat sein Fußballweg in seinem Heimatdorf Velber, wo er schon als Knirps regelmäßig mit dem Nachbarskumpel im Garten kickte. „Ich habe damals schon gemerkt, dass mir der Fußball liegt und etwas für mich ist“, sagt Naue. Mit sechs Jahren trug er zum ersten Mal das Trikot des ortsansässigen SV Velber, nur fünf Jahre später wechselte er in die U12 des MTV Engelbostel-Schulenburg.

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<b>SC Hemmingen-Westerfeld (Landesliga):</b> Der Vizemeister trennt sich von Semir Zan. Nach vier sehr erfolgreichen Jahren, dem Aufstieg von Kreisliga in die Landesliga, trennen sich Verein und Trainer. Zan wäre in der vergangenen Saison mit dem Team fast sogar in die Oberliga durchmarschiert, doch am Ende schwächelten die Hemminger. Zur Winterpause liegen sie auf Platz acht. Bis zum Saisonende übernimmt Frank Sledz, Zan heuerte im Januar bei der U19 des TSV Havelse an. Zur Galerie
SC Hemmingen-Westerfeld (Landesliga): Der Vizemeister trennt sich von Semir Zan. Nach vier sehr erfolgreichen Jahren, dem Aufstieg von Kreisliga in die Landesliga, trennen sich Verein und Trainer. Zan wäre in der vergangenen Saison mit dem Team fast sogar in die Oberliga durchmarschiert, doch am Ende schwächelten die Hemminger. Zur Winterpause liegen sie auf Platz acht. Bis zum Saisonende übernimmt Frank Sledz, Zan heuerte im Januar bei der U19 des TSV Havelse an. ©

Dort spielte Naue an der Seite seines Freundes Dominik Ernst, des Bruders des damaligen 96-Profis Sebastian Ernst. „Der Coach der U14 von Hannover 96 hatte früher schon Sebastian trainiert“, sagt Naue. „So kam er auf die Idee, mit Dominik und mir den Kader der neuen Saison zu planen. Da geht natürlich ein Traum für dich in Erfüllung, wenn ein 96-Trainer sagt, dass er dich haben will“, erzählt der Velberaner.

"Der Fußball stand nun an erster Stelle"

Danach war alles anders. „Ich hatte weniger Zeit für die Schule und meine Freunde. Der Fußball stand nun an erster Stelle“, berichtet Naue. Nachwuchsspieler eines Bundesligisten; das klingt gut und eröffnet neue Wege.

Einer führte ihn zu einem Testspiel nach München. „Wir sind mit dem 96-Mannschaftsbus aufs Trainingsgelände der Bayern gefahren und haben das Spiel sogar gewonnen. Das war das Größte für uns“, sagt Naue und ergänzt: „Da habe ich das erste Mal so richtig von einem Profivertrag geträumt.“

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Allerdings kam dann doch alles anders als erwartet. Schon im Laufe des ersten Jahres bekam er manchmal zu spüren, wie schwierig es ist, sich auf diesem Niveau im Konkurrenzkampf durchzusetzen. Im Kader für die neue Saison wurde Naue nicht mehr berücksichtigt. „Unser neuer Trainer sagte, ich wäre zu klein und könnte auf lange Sicht das Niveau nicht mehr halten. Rückblickend kann ich ihm die Entscheidung nicht verübeln. Es ist nicht leicht, sich unter zwanzig Jungs drei oder vier rauszusuchen, die es vermutlich nicht schaffen werden.“

Am Ball bleiben und hochklassig spielen wollte Naue allerdings trotzdem. „Der Traum von einer Karriere war noch lange nicht geplatzt“, sagt der Mittelfeldspieler und entschied sich für einen Wechsel zum TSV Havelse. Dort begleitete ihn Mario Pohl drei Jahre als Co- und ein Jahr als Cheftrainer der U18. „Luca war eine Bereicherung für die Mannschaft. Allerdings hat ihm häufig die letzte Konsequenz gefehlt, um richtig anzugreifen“, erinnert sich Pohl.

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Rückblickend auf die Zeit im Leistungssport gibt Naue den Talenten von heute einen Rat mit auf den Weg. „Immer positiv denken und hart trainieren, sich aber nicht zu sehr auf den Fußball versteifen. Es ist sehr schwer, sich auf längere Zeit auf solchem Niveau zu etablieren“, sagt der 21-Jährige.

Heute spielt Naue in Engelbostel in der Kreisliga. Den Traum, eines Tages doch noch mit dem Fußballspielen Geld zu verdienen, hat er noch nicht ganz aufgegeben. „Manchmal überlege ich, ob ich es nicht doch noch einmal in den oberen Ligen versuchen sollte“, sagt er. Und wenn es nicht klappen sollte, ist das auch kein Beinbruch. Egal, ob Kreis- oder Landesliga: Der Spaß am Fußball ist für Naue das Allerwichtigste.