21. Oktober 2021 / 18:10 Uhr

Luca Netz vor Spiel bei Hertha BSC: "Glaube, da werden mich einige ausbuhen"

Luca Netz vor Spiel bei Hertha BSC: "Glaube, da werden mich einige ausbuhen"

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
 16.10.2021, Fussball, Saison 2021/2022, 1. Bundesliga, 8. Spieltag, Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart, Luca Netz Borussia Mönchengladbach Foto: Tim Rehbein/RHR-FOTO Mönchengladbach Boussia Park Deutschland xRHR-FOTO/TRx *** 16 10 2021, football, 2021 2022 season, 1 Bundesliga, matchday 8, Borussia Mönchengladbach VfB Stuttgart, Luca Netz Borussia Mönchengladbach photo Tim Rehbein RHR FOTO Mönchengladbach Boussia Park Germany xRHR FOTO TRx
Elf Jahre trug Luca Netz das Trikot von Hertha BSC. Im Sommer wechselte er zu Borussia Mönchengladbach. Am Wochenende kommt es zur Rückkehr nach Berlin. © imago images/RHR-Foto
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Elf Jahre spielte Luca Netz bei Hertha BSC. Kurz nach seinem Durchbruch bei den Profis zog das Talent im Sommer weiter nach Gladbach. In Berlin wurden Fragen über das "Warum" laut. Netz aber eilt von einem Meilenstein zum nächsten.

Wilde Mähne, aggressiver Blick – das fällt ins Auge, wenn Luca Netz auf dem Trainingsplatz steht. Nicht im Gesicht, sondern auf der linken Wade des Jungen aus Wandlitz (Barnim). Denn dort prangt ein dunkles Löwen-Tattoo und bildet einen auffälligen Gegensatz zu den weichen Gesichtszügen des 18-Jährigen. Netz gilt als eines der größten Talente des deutschen Fußballs und hat sich in den vergangenen Wochen einen Stammplatz bei Borussia Mönchengladbach erarbeitet. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) kommt der in Berlin geborene Linksverteidiger mit seinem neuen Klub zum ersten Mal zurück an die alte Wirkungsstätte. Es geht im Olympiastadion gegen Hertha BSC, dem Verein, der Netz elf Jahre lang ausbildete, ihn zum Bundesligaspieler machte und sich im Sommer dennoch die Zähne an ihm ausbiss.

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Netz legte in den vergangenen zehn Monaten einen rasanten Aufstieg hin. Erst im Januar diesen Jahres feierte der damals 17-Jährige, der einst beim FSV Bernau seine ersten fußballerischen Schritte machte, sein Bundesligadebüt für die Hertha. Mitten im Abstiegskampf entwickelte er sich zu einer der wenigen positiven Erscheinungen im Kader der Berliner. „Er hat eine gute Dynamik, ein tolles Dribbling und einen starken linken Fuß. Durch seinen kompakten Körper ist er auch sehr durchsetzungsstark“, sagte Michael Hartmann zum SPORTBUZZER.

Der ehemalige Nationalspieler und heutige U19-Trainer der Hertha hatte Netz trainiert, konnte sich über Jahre aus nächster Nähe von den Qualitäten ein Bild machen. „Er ist ein sehr, sehr guter Spieler“, sagt der 47-Jährige und fügt an: „Manchmal habe ich das Gefühl, er weiß gar nicht, wie gut er wirklich ist.“ Ähnlich klingen auch die Worte, die Netz’ neuer Trainer Adi Hütter vor dem Spiel gegen Hertha wählte. „Luca Netz ist ein großes Talent im deutschen Fußball“, lobte der Gladbach-Coach, um jedoch im selben Atemzug anzumerken, dass sein Schützling noch lange nicht dort stehe, wo er stehen könnte.

Dennoch spielte sich Netz schneller als von vielen Experten erwartet in die erste Elf der Borussia. In sechs von acht Bundesliga-Partien kam er zum Einsatz. Arrivierte Kräfte wie Florian Neuhaus oder Hannes Wolf mussten sich dafür zuletzt hinten anstellen. „Mich freut es für die jungen Spieler“, sagte Hütter. „Sie spielen, weil sie es verdient haben und für Konkurrenzkampf sorgen. Ich habe keinen Jugendwahn, es geht immer um die Leistung“, so der Österreicher.

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Eine Rückkehr mit gemischten Gefühlen

Und die stimmt bei Netz. Anfang Oktober wurde der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Bronze 2020 dafür auch mit seiner ersten Nominierung für die U21-Nationalmannschaft belohnt. Ob er deshalb gegen die alten Kollegen aus Berlin aber auch spielen darf, ist aktuell noch unklar. In Ramy Bensebaini ist mittlerweile eine weitere Option für die Linksverteidiger-Position der Gladbacher zurückgekehrt. „Ich habe mich jetzt noch nicht entschieden, wer in der Startelf steht.“, so Hütter. Für Netz wird es so oder so eine Rückkehr mit gemischten Gefühlen. Denn der Abschied im Sommer verlief nicht gänzlich ohne Nebengeräusche.

Nur zu gerne hätte Hertha mit Netz verlängert, um Druck auf Marvin Plattenhardt und Maximilian Mittelstädt aufzubauen. „Er hätte hier Spielzeit bekommen, wie er sie bisher auch schon bekam. Wir arbeiten sehr gerne mit unseren Talenten zusammen“, sagte Trainer Pal Dardai damals. Doch Netz entschied sich zum Wechsel nach nur elf Bundesligapartien im Dress der Hertha. Es ging nicht zu Manchester City oder Bayern München, die dem Vernehmen nach ebenfalls Interesse signalisierten, sondern zum Europapokal-Anwärter vom Niederrhein.

13.02.2021, Baden-Württemberg, Stuttgart: Fußball: Bundesliga, VfB Stuttgart - Hertha BSC, 21. Spieltag in der Mercedes-Benz-Arena. Berlins Luca Netz (l) nach seinem Tor zum 1:1. WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. Foto: Tom Weller/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Gegen den VfB Stuttgart erzielte Luca Netz (l.) sein einziges Bundesliga-Tor im Trikot der Hertha. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Herthas Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic sagte anschließend, man habe alles versucht, ihm einen neuen Vertrag zu geben. Als Grund für den Abgang, der immerhin zwei Millionen Euro plus Boni in die Berliner Kassen spülte, sah er keine sportlichen Gründe. Der Vorwurf, Netz habe sich letztlich vom Geld locken lassen, stand im Raum.

In Gladbach sahen sie das ganz anders. Die sportliche Perspektive habe das Talent zur Borussia getrieben. Für den Schritt des Linksfußes sprechen die bisherige Spielzeit und der Fakt, dass mit Gladbach internationaler Fußball deutlich realistischer ist als mit der Hertha. In der Tabelle trennen beide Teams nach acht Spielen aber nur zwei Pünktchen. „Ich freue mich schon auf das Spiel, aber ich glaube, da werden mich einige ausbuhen“, sagte Netz diese Woche der Rheinischen Post. Man kann für die Hertha nur hoffen, dass dadurch nicht der Löwe in ihm geweckt wird.

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