14. Oktober 2021 / 16:47 Uhr

Profi des FC Bayern drohen sechs Monate Haft: Der Fall Lucas Hernández und die Folgen

Profi des FC Bayern drohen sechs Monate Haft: Der Fall Lucas Hernández und die Folgen

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lucas Hernández spielt seit 2019 bei FC Bayern München
Lucas Hernández spielt seit 2019 bei FC Bayern München © IMAGO / Sven Simon (Montage)
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Lucas Hernández vom FC Bayern München droht in Spanien der Gang ins Gefängnis, weil er 2017 ein Kontaktverbot gegen seine heutige Ehefrau bei einem gemeinsamen Urlaub missachtete. Eine Zusammenfassung der Ereignisse.

UPDATE: Mittlerweile hat sich FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer zum Fall geäußert:

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Noch am vergangenen Sonntag feierten die Brüder Theo (24) und Lucas Hernández (25) gemeinsam den 2:1-Erfolg mit der französischen Nationalmannschaft über Spanien im Nations-League-Finale. Am Tag danach geriet ihre Welt aus den Fugen. Theo vom AC Mailand wurde positiv auf das Coronavirus getestet, steht seinem Verein AC Mailand vorerst nicht zur Verfügung. Bei mildem Verlauf der Krankheit eine Lappalie gegenüber dem, was seit Anfang der Woche über seinen Bruder Lucas hereinbrach. Ihm droht der Gang ins Gefängnis.

Das 32. Madrider Strafgericht hat gegen den Abwehrspieler des FC Bayern München am Mittwoch eine sechsmonatige Haft angeordnet wegen eines Verstoßes gegen ein Annäherungs- und Kontaktverbot aus dem Jahr 2017 gegenüber seiner damaligen Freundin Amelia de la Osa Lorente. Ursächlich ist ein Streit im Februar 2017, bei dem es auch zu Handgreiflichkeiten seitens des angetrunkenen Hernández gekommen war.

Gemeinsamer Urlaub verstieß gegen Kontaktverbot

Für das Paar längst Schnee von gestern. Man versöhnte sich, heiratete in Las Vegas, flog zusammen in die Flitterwochen auf die Bahamas – damit verstieß Lucas, damals in Diensten von Atlético Madrid, gegen das gegen ihn verhängte, einjährige Annäherungs- und Kontaktverbot. Bei der Rückkehr aus dem Urlaub wurde Hernández am 13. Juni 2017 noch am Flughafen der spanischen Hauptstadt festgenommen, nach einer Nacht jedoch wieder entlassen. Und nun?

Fest steht: Nächsten Dienstag, 11 Uhr in Madrid, muss der mit 80 Millionen Euro Ablöse teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte persönlich vor der 32. Strafkammer erscheinen. Das Problem für ihn und den FC Bayern: An diesem Tag reist der Tross der Münchner zum dritten Champions-League-Spieltag der Gruppenphase nach Lissabon, um tags darauf bei Benfica anzutreten. Ohne Hernández?

Hernández-Einsatz gegen Benfica unwahrscheinlich

Seine Anwälte wollen erneut Einspruch einlegen, um die drohende Haft so lange wie möglich aufzuschieben und die nächsthöhere Instanz, das Landgericht Madrid, anrufen. Andernfalls müsse der Weltmeister mit Frankreich (2018) laut Gerichtsspruch innerhalb von zehn Tagen seine 2019 verhängte sechsmonatige Haftstrafe in einem Gefängnis seiner Wahl antreten. Und wenn er nicht vor Gericht erscheint? Keine gute Idee. Wie ein Justizsprecher der "SZ" bestätigte, würde Hernández dann international zur Fahndung ausgeschrieben.


Hernández mit Familie am Rande seiner Vorstellung in München im Juli 2019
Hernández mit Familie am Rande seiner Vorstellung in München im Juli 2019 © IMAGO / Sven Simon

Das Ehepaar Hernández soll laut Insidern die Welt nicht mehr verstehen, schließlich habe er damals die aufgebrummten 30 Sozialstunden geleistet und seine Geldstrafe gezahlt. Lucas und Amelia (33), die gemeinsam den dreijährigen Sohn Martin haben, scheinen in München eine glückliche Ehe zu führen. In seinem dritten Jahr beim FC Bayern ist Hernández, der in der Kabine wegen seiner Offenheit sowie seines Humors sehr beliebt ist und von allen mit dem bayerischen Spitznamen "Lukki" gerufen wird, nach vielen Verletzungen endgültig zum Stammspieler aufgestiegen.

Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, wollte der FC Bayern dazu nicht Stellung beziehen. Man gehe allerdings nicht von einer Haftstrafe aus. Dennoch: Am Dienstag muss Hernández nach Madrid, um vor Gericht zu erscheinen. Unwahrscheinlich, dass er selbst im wahrscheinlichen Fall des Haftaufschubs am Tag danach den Kopf frei hat für ein Fußballspiel. Die Saison des Innenverteidigers dürfte erheblich beeinträchtigt werden, da das Landgericht Madrid für eine letztinstanzliche Entscheidung Wochen oder gar Monate brauchen wird. Die Telefondrähte werden glühen zwischen den Anwälten, aber auch zwischen Lucas und Theo, die nicht nur Brüder, sondern auch beste Freunde sind.