06. November 2019 / 14:33 Uhr

Lucas Lessio: Der Neue der Grizzlys Wolfsburg hat italienische Wurzeln und schnelle Hände

Lucas Lessio: Der Neue der Grizzlys Wolfsburg hat italienische Wurzeln und schnelle Hände

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Erstes Training mit den Grizzlys Wolfsburg: Ex-NHL-Eishockey-Profi Lucas Lessio. © Roland Hermstein
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Er möchte sich gerne mal wieder heimisch fühlen - das könnte klappen für Lucas Lessio (26), den neuen Angreifer von DEL-Klub Grizzlys Wolfsburg. Nicht nur, weil er italienische Wurzeln hat. Am Mittwoch übte der Ex-NHL-Profi erstmals auf Wolfsburgs Eis.

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Football-Fan und Vorfreude auf Europa-League-Fußball

Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt Wolfsburg und des Volkswagen-Konzerns ist eng mit den italienischen Gastarbeitern verbunden, die in großer Zahl in den 60er Jahren nach Wolfsburg kamen. Mit Lupo/Martini spielt ein Fußball-Klub in der Oberliga, der von Italienern damals gegründet wurde. Mit Fußball übrigens kann Lessio auch etwas anfangen, hofft, "dass ich am Donnerstag das Spiel der Wolfsburger gegen das belgische Team sehen kann". In Kanada gebe es zwar auch Teams der nordamerikanischen Profi-Liga MLS, doch die habe sicher nicht das deutsche Niveau, glaubt er. Nebenbei ist er ein großer Football-Fan und Anhänger der Buffalo Bills, doch "meine Leidenschaft ist Eishockey", sagt er. "Ich will mich jeden Tag verbessern, meinem Team helfen."

"Gehe nirgendwo hin, um mich zu erholen"

Vergangene Woche kam der Kontakt aus Wolfsburg, weil die Grizzlys Mike Sislo ziehen ließen. Lessio wusste nichts über Wolfsburg, "aber ich habe mich bei Jungs erkundigt, die hier mal gespielt haben, bei "Wrenner" (Anm. der Red.: William Wrenn, vergangene Saison bei den Grizzlys), mit dem ich zusammen in Riga war, bei Cole Cassels, der ja hier war und auch bei anderen die ich kenne und die mir was über Wolfsburg sagen konnten. Und Tyler Haskins hat mich auch angerufen. Ich kenne viele, die ihn kennen." Haskins war langjähriger Kapitän der Grizzlys, ist inzwischen Scout. Lessio: "Ich habe nur Positives über Wolfsburg gehört, dass sich der Klub um seine Spieler kümmert. Das motiviert einen, zu so einem Klub zu gehen." Er möchte "nicht wie ein Stück Fleisch behandelt werden", wie eine Ware, ein Klub, der sich auch um das Neben-dem-Eis kümmere, behage ihm mehr. Mit seinen gerade 26 Jahren möchte er jetzt Fuß fassen. Der Traum von der NHL ist nach 41 Einsätzen dort für die Phoenix Coyotes und die Montreal Canadiens ausgeträumt. In der KHL, in Schweden und Finnland hatte es immer irgendwie "nicht gepasst", so kam es zu sechs Vereinen in drei Spielzeiten. "Riga etwa tradete mich nach China." Sein Credo: "Ich suche nach einem Klub, wo ich zeigen kann, was ich kann, ich gehe nirgendwo hin, um mich dort zu erholen."

Powerforward hat ein wenig abgenommen

Lessio gilt als guter Skater, mit guten Händen und einem schnellen Schuss. Das ließ er am Mittwoch beim Üben mit Marius Möchel und Ryan Button durchaus erkennen. Er hat die kräftige, große Statur eines typischen Powerforwards, wobei er wie er sagt, sein Kampfgewicht bei 1,85 Metern Größe inzwischen unter 95 Kilo auf etwa 90 Kilo geschraubt hat. "Das könnte mich agiler machen", meint er.

Lucas Lessio im Training bei den Grizzlys

"Ich bin im Herzen Italiener"

Die Eingewöhnung in die Stadt fällt ihm nicht schwer, "ich war ja schon öfter in Europa, ein Kulturschock, das war eher China." Dass Wolfsburg auch starke italienische Prägung habe, war ihm neu. Seine Großeltern stammen aus Italien, "sie sprechen alle kein Englisch". Italienisch spricht er selbst nur "bruchstückhaft, verstehen kann ich ein wenig. Die Küche mag ich. Ich bin im Herzen Italiener."

Lucas Lessio, Zugang der Grizzlys Wolfsburg. Zur Galerie
Lucas Lessio, Zugang der Grizzlys Wolfsburg. © Roland Hermstein
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"Auf dem Eis kenne ich keine Freunde"

Lessio wirkt vor allem auf Action-Bildern ziemlich finster. Ist er aber nicht. Er lächelt er viel, ist locker - und sieht gar nicht finster aus. er gibt aber zu: "Auf dem Eis kenne ich keine Freunde im anderen Team. Ich bin ein Wettkämpfer, neben dem Eis bin ich anders. Allerdings nach Niederlagen schlecht gelaunt." Er war in seiner Karriere kein Strafbankkönig, manchmal aber kamen schon ein paar mehr Minuten zusammen als beim Durchschnitt. Der Linksschütze sagt: "Ich bin einer, der sich als einer der ersten vor die Mitspieler stellt." Einem Fight ging er früher nicht aus dem Weg. Dmitri Shulenin vertat sich da mal in einem KHL-Aufeinandertreffen, war, ehe er sich versah, schon am Boden. Lessio schmunzelnd: "Er hatte vorher einen Mitspieler genervt, der Trainer hatte mir gesagt, ich soll mal mit ihm reden. Der Russe sagte was wie ,Fight, Fight' und dann ergab eins das andere." Worauf er sich mehr freut ist das spielen. "Ich kann es kaum abwarten, ich fühle mich fit, war zwei Wochen im Camp mit dem AHL-Team Charlotte Checkers, war fünf- bis sechsmal die Woche auf dem Eis, war im Fitnessstudio, Beine und Lungen müssten bereit sein, fehlt nur die Spielpraxis."

Neben Lessio übten am Mittwoch auch die Rekonvaleszenten Marius Möchel (Fußverletzung) und Ryan Button (Kieferbruch), machten dabei einen guten Eindruck. Gut möglich, dass sie nächste Woche wieder spielen können. Am Samstag nimmt der komplette Kader das Training für die Partie am 14. November (19.30 Uhr) gegen die Düsseldorfer EG wieder auf - bis auf die Nationalspieler.

Her mit dem Tor

Verteidiger Dominik Bittner steht im DEB-Aufgebot für den Deutschland-Cup in Krefeld, trifft dabei mit der Nationalmannschaft auf Russland (Donnerstag, 19.45 Uhr), die Schweiz (Samstag, 13 Uhr) und die Slowakei (Sonntag, 14.30 Uhr). Alle Spiele gibt es live auf Sport1 zu sehen. Toto Rech spielt mit Frankreich in Lettland (am Donnerstag gegen Weißrussland, am Freitag gegen die Gastgeber und am Samstag gegen Slowenien), Mathis Olimb tritt mit Norwegen in Oslo gegen Österreich (Donnerstag) und Dänemark (Samstag) an.

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