27. November 2019 / 11:44 Uhr

Lucien Favre unter Druck: Deshalb ist der BVB-Trainer nicht Alleinschuldiger der Dortmund-Krise

Lucien Favre unter Druck: Deshalb ist der BVB-Trainer nicht Alleinschuldiger der Dortmund-Krise

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Lucien Favre steht als Trainer von Borussia Dortmund unter Druck.
Lucien Favre steht als Trainer von Borussia Dortmund unter Druck. © imago images/Team 2
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Trainer Lucien Favre steht beim BVB mehr denn je unter Druck. In der Champions League am Mittwochabend gegen den FC Barcelona und am Samstag gegen Hertha BSC muss Borussia Dortmund um Favre nun liefern. Dennoch ist der Coach nicht der Hauptschuldige der BVB-Krise.

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Es war ein großer Moment für Lucien Favre, als der Trainer von Borussia Dortmund mit seiner Mannschaft am Dienstagabend den Platz des legendären Camp Nou zum Abschlusstraining vor der Partie beim FC Barcelona (Mittwoch, 21 Uhr, Sky) betrat. Und wer Favre kennt, weiß, dass ihm dieser Moment ganz sicher viel bedeutete. An die Heimstätte der Katalanen erinnert er sich nämlich nur aus seiner Zeit als Hospitant des großen Johan Cruyff vor 28 Jahren – spielen durfte er mit seinen Teams bei Barca noch nie. „Er hat mich inspiriert“, sagt der Schweizer stolz über seinen Lehrmeister, der ihm so vieles mit auf den Weg gab.

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In seiner Trainerkarriere hat Favre danach viele Topgegner geschlagen: Paris Saint-Germain, Tottenham Hotspur, Atlético Madrid, den SSC Neapel. Doch ausgerechnet sein größter Sieg wird in Deutschland bis heute schlicht ignoriert: Am 13. Mai 2006 entriss Favre mit der No-name-Truppe des FC Zürich dem Schweizer Dauerchampion FC Basel am letzten Spieltag den Meistertitel. In der 93. Minute traf Iulian Filipescu, Zürich sprang aufgrund der besseren Tordifferenz in allerletzter Sekunde auf Platz eins. Es war der Auslöser für die heftigsten Ausschreitungen der letzten Jahrzehnte in einem europäischen Fußballstadion. Doch weder diese sensationelle, noch die darauffolgende Meisterschaft findet hierzulande überhaupt Erwähnung. Stattdessen heißt es stumpf (und falsch): „Favre kann keine Titel gewinnen.“

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Der BVB zeigte zuletzt blamable Auftritte

Überhaupt haben sich Großteile der Medien (vor allem der klubnahen) und inzwischen auch der Dortmunder Fans auf den Mann eingeschossen, der heute und am Samstag bei Hertha BSC nur noch auf der Bank sitzen darf, weil es aktuell keine Alternative auf dem Trainermarkt gibt. Trotz seiner überragenden ersten Saison (Platz zwei), trotz ordentlichen Chancen auf die K.o.-Phase in der Champions League, trotz Erreichen des Achtelfinals im DFB-Pokal. Doch in der Liga hinkt der BVB hinterher, hat als Sechster aktuell fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mönchengladbach und zeigte beim 0:4 in München und beim 3:3 (nach 0:3) gegen Aufsteiger SC Paderborn zuletzt blamable Auftritte.

Vermutlich ist Favre zumindest ein Teil des Problems, ganz sicher aber nicht das alleinige – auch wenn sich dies viele Dortmunder Anhänger wünschen mögen. Weil dies ihre Zuversicht erhöhen würde, dass ein Trainerwechsel alles ändert. Dass sich das begnadete Talent Jadon Sancho wieder ausschließlich mit dem BVB beschäftigt, Julian Brandt wieder zielstrebig und selbstbewusst auftritt und Kapitän Marco Reus wieder zur Form der letzten Saison findet und seine Mannschaft mitreißt, statt mit ihr unterzugehen.

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Watzke räumt Fehler bei der Kaderplanung ein

Im Sommer wurde die Borussia für ihre Transferpolitik gefeiert, die Bosse gaben das Ziel Meisterschaft aus – übrigens gegen den Willen ihres wichtigsten Angestellten. Bei der Mitgliederversammlung am Wochenende räumte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nun offen Fehler bei der Kaderplanung ein. Schaut man sich die Transfers der letzten Jahre mal genauer an, passierte dies längst nicht zum ersten Mal. Es scheint, als achte man bei Verpflichtungen zu oft auf die falschen Indikatoren und nicht auf ein Passen ins Mannschaftsgefüge.

Schuld war in Dortmund zuletzt immer der Trainer. Ob dieser Favre heißt oder zuvor Bosz, Stöger oder Tuchel – wer hatte die überhaupt verpflichtet?! Nur einer hat bis heute alles richtig gemacht: Jürgen Klopp, der die Schwarzgelben 2011 und 2012 zur Meisterschaft führte und 2015 abdankte – als Siebter. In der Winterpause war der BVB damals übrigens Vorletzter, punkt- und torgleich mit Schlusslicht Freiburg. Auch das lässt man im BVB-Umfeld rückblickend gerne unter den Tisch fallen. Passt ja schließlich auch nicht so gut ins selbst gemalte Bild.

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