23. August 2022 / 15:05 Uhr

Luftschutzbunker im Stadion, Geisterspiele und Co.: Wie die ukrainische Liga in die Saison gestartet ist

Luftschutzbunker im Stadion, Geisterspiele und Co.: Wie die ukrainische Liga in die Saison gestartet ist

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Olympiastadion in Kiew finden einige Spiele der ukrainischen Liga statt.
Im Olympiastadion in Kiew finden einige Spiele der ukrainischen Liga statt. © IMAGO/Vitalii Kliuiev (Montage)
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Einen Tag vor dem Nationalfeiertag ist die ukrainische Fußball-Liga in die neue Saison gestartet. Und es ist alles anders als in den vergangenen Jahrzehnten. Der Verband wagt ein halbes Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs den Neustart mit Geisterspielen, besonderen Maßnahmen gegen Raketenangriffe und Partien ausschließlich in Kiew sowie im Westen des Landes.

Ein halbes Jahr nach dem Eintritt des Abwehrkampfs gegen die russische Invasion kehrte der Fußball in den ukrainischen Alltag zurück. Die Premjer-Liha startete nach dem Saison-Aus im Februar den Neuanfang in schwierigen Zeiten. Mit der Wiederaufnahme soll den Menschen ein Gefühl von Normalität gegeben werden. "Wir müssen zeigen, dass das Leben weitergeht. Fußball gibt den Menschen Hoffnung und Ablenkung", sagt Anton Ivanov, Funktionär von Metalist 1925.

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Sein Klub hat an diesem Dienstag das erste Saisonspiel gegen Topklub Schachtjor Donezk bestritten – es endete mit einem torlosen Unentschieden. Doch das Match fand natürlich nicht in den umkämpften Städten Donezk und Charkiw statt. Der Verband setzt die Partien ausschließlich in Kiew und im Westen der Ukraine an. So werden beispielsweise am ersten Spieltag insgesamt zwei Spiele in der Hauptstadt sowie jeweils eine Partie in Uschhorod an der slowakischen Grenze, in Lwiw an der polnischen Grenze und im Dorf Kowaliwka im Südwesten von Kiew ausgetragen.

"Es wird ein einzigartiger Wettbewerb. Er findet mitten im Krieg, während militärischer Aggression und Bombardements statt", sagte der ukrainische Fußballboss Andrij Pawelko. Die Maßnahmen gegen mögliche Raketenangriffe sind weitreichend. Der Verband legte fest, dass in den Stadien oder direkt in der Nähe ein Luftschutzbunker vorhanden sein muss. Sollte während eines Spiels der Luftalarm ertönen, müssten alle Personen direkt einen Luftschutzkeller aufsuchen. Nach spätestens 60 Minuten kann die Partie in Absprache mit dem Schiedsrichter verlegt werden. Sollten die Sirenen zwei Stunden später immer noch heulen, geht's mit dem Spiel definitiv erst am Folgetag weiter.

Fans dürfen gar nicht erst ins Stadion kommen. Zu groß ist die Gefahr von Luftangriffen, besonders in der Woche rund um den Tag der Unabhängigkeit am 24. August. Die Überzeugung, dass die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Premjer-Liha richtig ist, ist aber groß. "Ukrainischer Sport und der Wille, an allen Fronten zu gewinnen, kann nicht aufgehalten werden", schrieb der ukrainische Sportminister Wadym Gutzeit vor wenigen Tagen via Facebook.

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Topstars verlassen die Premjer-Liha

Es wird aber alles längst nicht mehr so sein wie noch vor etwas mehr als einem halben Jahr. Viele Topspieler haben das Land nach Kriegsbeginn direkt verlassen und kicken inzwischen für andere Klubs. Die Brasilianer Dodo und David Neres von Schachtjor Donezk spielen beispielsweise inzwischen in Florenz und Lissabon, andere Spieler wurden zunächst verliehen. Insgesamt erzielte Donezk in diesem Sommer Einnahmen in Höhe von fast 50 Millionen Euro – ein kleiner Trost in Kriegszeiten.

Wie auch Dauerkontrahent Dynamo Kiew setzt Donezk fast ausschließlich auf ukrainische Spieler. "Lange Zeit gab es ein brasilianisches Schachtjor, eine Topmannschaft. Aber nun müssen wir das vergessen und dieses neue Team so schnell wie möglich bereit machen", sagte Schachtjor-Coach Igor Jovicevic. Die Verantwortlichen und die Spieler stehen weiter vor einer unruhigen Zeit. Die Angst vor plötzlichen Raketenangriffen spielt immer mit.

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