23. Januar 2020 / 07:34 Uhr

Leverkusen-Torwart Lukas Hradecky über Macken, einen Busfahrer-Job und den Ballermann-Tipp von Kai Havertz

Leverkusen-Torwart Lukas Hradecky über Macken, einen Busfahrer-Job und den Ballermann-Tipp von Kai Havertz

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
„Wenn du nicht über dich selbst lachen kannst, darfst du das auch nicht über andere: Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen. 
„Wenn du nicht über dich selbst lachen kannst, darfst du das auch nicht über andere: Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen.  © Jörg Schüler/Getty Images
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Lukas Hradecky nimmt sich gern selbst auf die Schippe, er zieht Kraft aus Begegnungen mit Menschen und ist nachdenklich, wenn es um Themen wie den Klimawandel geht. Der SPORTBUZZER hat den finnischen Nationaltorwart slowakischer Herkunft im Trainingslager von seinem Klub Bayer Leverkusen zum Interview getroffen. 

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SPORTBUZZER: Herr Hradecky, es heißt, Torhüter haben eine Macke – irgendwelche Einsprüche?
Lukas Hradecky (30): Nein, das haben Sie gerade doch gesehen. (lacht)

Weil der Finne im Vorfeld warten musste, bis das Interview im Hotel La Manga Club Príncipe Felipe, wo Bundesligist Bayer Leverkusen für sein Wintertrainingslager residiert, beginnen kann, hat er sich im Nebensaal an einen Klavier-Flügel gesetzt. Er hat „My Heart Will Go On“ von Céline Dion gespielt. Als auch Mitspieler Kerem Demirbay sich fragt, woher die Musik kommt, guckt dieser nachund meint völlig perplex: „Das glaube ich jetzt nicht …“

Macke würde ich das nicht nennen.
Als ich bei Bröndby IF in Dänemark spielte, hatte ich recht vier Freizeit und habe mir deshalb ein elektrisches Piano gekauft. Die „Titanic“-Nummer habe ich bei Youtube gelernt – auch als Überraschung für die Frauen manchmal. (lacht) Aber dass Torhüter spezielle Kerle sind, stimmt natürlich.

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Wieso ist das so?
Na ja, wir schmeißen uns in jeden Ball, egal, ob der im Gesicht oder anderen empfindlichen Gegenden landet. Im Tor ist man der einzige Individualist in einem Mannschaftssport – und hat somit auch die Berechtigung, etwas anders zu sein. Verrückt bin ich aber nicht.

Was bedeutet es Ihnen, Spaß zu haben?
Wirklich viel. Ich könnte sonst auch gar nicht meine Leistung bringen, muss die Zeit im Training genießen können. Manchmal, wenn vor meinem Tor nichts los ist, zum Beispiel bei einer eigenen Ecke, gucke ich schon mal auf die Tribüne, um meine Kumpels zu suchen. (lacht)

Woher kommt Ihre humorvolle Art?
Sicherlich von meinem Papa – seine Selbstironie steckt auch in mir drin. Für mich ist das auch ein Grundstein: Wenn du nicht über dich selbst lachen kannst, darfst du das auch nicht über andere.

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Worüber können Sie selbst lachen?
Ich gucke beispielsweise gerne „Two and a Half Men“. Mir gefällt der situative Humor aus dem Alltag. Ansonsten schaue ich Talkshows aus der Slowakei und Finnland, die sind etwas lustiger als die deutschen.

Sie sind jetzt 30, hilft Ihnen diese Art, jung zu bleiben?
Danke für die Erinnerung! (lacht) Im Kopf fühle ich mich niemals 30, höchstens 25. Und so lebe ich auch. Wenn ich mit meinen beiden jüngeren Brüdern (24 und 27, d. Red.) unterwegs bin, ist das, als wäre ich unter Gleichaltrigen – sie halten mich jung.

Gegen die Bayern mussten sie in der Hinrunde eine Halbzeit mit nur einer Kontaktlinse spielen. Fanden Sie das lustig?
Ich habe mir gedacht: War ja klar, dass mir das passieren musste, und ausgerechnet gegen die Bayern, zum ersten Mal in meiner Karriere. Die Linse war verrutscht. Das hat natürlich irritiert. Aber ich habe es mehr mit einem Lachen zur Kenntnis genommen als mit Angst – oder hadernd. So bin ich nicht.

Wann sind Sie mal schlecht drauf?
Morgens, wenn ich noch keinen Kaffee hatte. Aber sonst: selten. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich zuletzt böse war.

Hradecky über den Klimaschutz: „Vielen ist die Tragweite noch nicht bewusst“

Wie ernst hingegen sehen Sie als Finne den Klimawandel – Ihr Heimatland will etwa bis 2035 klimaneutral werden.
Mir persönlich liegt das Thema am Herzen, gerade weil Finnland und ganz Europa viel auf diesem Gebiet unternehmen. Doch in Asien, wo ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt, wird beispielsweise mit der Müllproblematik noch zu fahrlässig umgegangen. Denen müssen wir die Gefahren noch besser bewusst machen. Aber auch bei uns ist vielen die Tragweite dieses Themas noch nicht bewusst. Viele leben im Hier und Jetzt, gehen viel zu sorglos mit der eigenen Umwelt um. Nach dem Motto: Klimaschutz ja, aber was kann ich persönlich schon tun …

Wie tragen Sie persönlich dazu bei?
Ich versuche einfach, auf viele Dinge zu achten. Gerade auf die vermeintlich kleinen: Wenn ich etwa sehe, dass jemand seinen Kaffeeplastikbecher in den falschen Müll wirft, sage ich etwas. Es wäre gut, wenn das alle so machen würden. Meine Freunde sind für Silvester statt zu fliegen mit dem Zug nach Prag angereist. Nur aus dem Grund. Davor ziehe ich meinen Hut.

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Was würde jemand wie Sie eigentlich machen, wenn er kein Fußballer geworden wäre?
Gute Frage, ich bin nach dem Abitur ja direkt nach Dänemark gegangen. Irgendwas mit Menschen auf jeden Fall. Ich mag den Austausch mit anderen Leuten. Busfahrer hätte ich mir gut vorstellen können.

Weil Sie gern den Kontakt zu Menschen suchen?
Eigentlich suche ich den gar nicht – aber irgendwie ziehe ich die Leute an. (lacht) In der Slowakei und Finnland passiert es mir oft, in Gespräche verwickelt zu werden, obwohl mich die Leute nicht kennen. Mir fällt es leicht, Small Talk zu halten – das geht immer.

Hradecky: „Havertz meinte, am Ballermann würde es mir gefallen“

Selten für einen Profi.
Ich habe mir bewusst gemacht, dass es mir auch als Fußballer hilft, wenn die Leute denken, dass ich normal und ehrlich bin. Man wird dann auch als Mensch mehr geschätzt. Ich bin eben einfach so, spiele ja keine Rolle. Ich mag zum Beispiel Poker, würde das aber nie online spielen, sondern will viel lieber sozial in Kontakt treten – und dabei auch mal ein leckeres Bier trinken.

Sind Sie da bei Bayer eigentlich der Einzige?
Die beiden Benders trinken auch gerne mal ein Bier – meist Weißbier. Kölsch schmeckt mir ganz gut, Düsseldorfer Alt nicht so.

Wenn Sie jetzt noch Schlager mögen, wären Sie ja vielleicht ein Kandidat für den Ballermann.
Ja, Kai Havertz meinte letztens erst, dass es mir dort bestimmt gefallen würde. Ich höre zwar eher finnischen Schlager, aber das würde schon gehen, glaube ich. (lacht)

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