27. Oktober 2018 / 06:00 Uhr

Lukas Podolski exklusiv: "Ich finde es gut, wenn man mal auf die Fresse kriegt"

Lukas Podolski exklusiv: "Ich finde es gut, wenn man mal auf die Fresse kriegt"

Felix Lill
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lukas Podolski spricht im Interview über seine Zeit bei Vissel Kobe und die deutsche Nationalmannschaft.
Lukas Podolski spricht im Interview über seine Zeit bei Vissel Kobe und die deutsche Nationalmannschaft. © imago/AFLOSPORT
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Weltmeister Lukas Podolski spricht im SPORTBUZZER-Interview über sein erstes Jahr beim Vissel Kobe, die Unterschiede zwischen der J-League und dem europäischen Spitzenfußball sowie das Zusammenspiel mit Barça-Legende Andrés Iniesta.

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Der Empfang vor gut einem Jahr war überwältigend: Lukas Podolski wird in Kobe von Hunderten japanischen Fans begrüßt, alle rufen seinen Namen. Er ist der neue große Star von Vissel Kobe, einem mittelmäßigen Team der japanischen Liga, das mit dem Geld von Hauptsponsor Rakuten eigentlich den Großangriff in Asien plant. Podolski, der ehemalige deutsche Nationalspieler und Weltmeister von 2014, zieht nach einem Jahr ein erstes Fazit und spricht über den Teamkollegen Andrés Iniesta.

SPORTBUZZER: Herr Podolski, als Sie letztes Jahr nach Kobe kamen, sah man Sie immer nur mit strahlendem Gesicht. Sie trugen Schuhe mit dem Design der Animeserie „Captain Tsubasa“, schwärmten vom Kobe-Rind, schossen Tore. Alles schien Spaß zu machen. Aber inzwischen lächeln Sie kaum noch. Bringt Japan keinen Spaß mehr?

Lukas Podolski: Na ja, wir haben in letzter Zeit schon viel auf den Sack bekommen. Aber wenn man nicht für Barcelona, Bayern oder ein anderes Topteam spielt, hat man eben nicht immer Grund zum Lachen. Ich finde das ehrlich gesagt gut, wenn man auch mal auf die Fresse kriegt. Das stärkt einen im Leben. Abseits des Platzes macht es weiterhin jeden Tag unglaublichen Spaß, in diesem Land zu leben. Ich habe die Leute und das ganze Drumherum in Japan sehr zu schätzen gelernt. Es ist sauber und sicher, das Essen ist toll, die Leute sind sehr respektvoll. Ich bin wirklich froh, hergekommen zu sein.

Auf dem Platz macht es also nicht mehr so viel Spaß wie am Anfang?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, die J-League ist vom Niveau her genauso geil wie die Premier League. Man kann den Ligafußball hier nicht direkt mit dem in Europa vergleichen. Man hat hier gar nicht die Duelle wie in Europa, auf Mannschafts- wie auf Spielerniveau. Das Tempo ist langsamer, es gibt weniger Zweikämpfe. Aber das kann man nicht mal eben ändern. Außerdem merke ich, dass der Körper mit 33 Jahren nicht mehr so schnell ist wie früher. Trotzdem habe ich noch Bock auf Fußball.

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Angesichts der sportlichen Krise bei Vissel Kobe ist über die letzten Wochen auch Kritik an Ihnen laut geworden. Viele denken, ein Weltmeister müsste gerade dann herausstechen, wenn es mal nicht läuft.

Klar, das wird dann schnell gesagt. Aber ich denke, es ist noch mal besonders schwierig, nach Japan zu gehen und da dann zu überzeugen. In einer Topmannschaft sieht man immer besser aus, weil man insgesamt eine höhere Qualität hat. Nur weil Podolski und jetzt auch Iniesta da sind, spielen wir noch keinen anderen Fußball.

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Ganz nach Poldis Geschmack: Der Kölner debütierte bei seinem neuen Verein Vissel Kobe. Zur Galerie
Ganz nach Poldis Geschmack: Der Kölner debütierte bei seinem neuen Verein Vissel Kobe. ©
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"Immer, wenn Iniesta und ich zusammen auf dem Platz standen, haben wir gut gespielt"

Seit Andrés Iniesta zur Mannschaft stieß, ist Vissel Kobe in der Tabelle noch um ein paar Plätze gefallen.

Ja, aber Andrés war verletzt. Immer, wenn wir zusammen auf dem Platz standen, haben wir gut gespielt. Und diese hohe Erwartung ist auch ein Reiz für erfahrenere Spieler. Als ich damals die Gespräche mit dem Verein hatte, war ich gleich überzeugt. Und nur weil es in letzter Zeit mal nicht läuft, begrabe ich mich nicht und sag’ „adios“…

Weltmeisterliches Duo: Podolski und Andrés Iniesta lassen ihre Karrieren in Japan ausklingen.
Weltmeisterliches Duo: Podolski und Andrés Iniesta lassen ihre Karrieren in Japan ausklingen. © imago/AFLOSPORT

…würde in Japan auch kaum einer verstehen. Aber wie geht es überhaupt mit dem Thema Sprache?

Das ist ehrlich gesagt manchmal schwierig. In der Türkei und in Italien sprachen mehr Spieler Englisch. Hier sind viele Spieler auch eher zurückgezogene Typen verglichen mit den Türken oder Italienern. Aber unser Trainer ist Spanier und der hat seinen Übersetzer dabei, ich habe auch einen. Bei Umstellungen im Spiel muss man dann improvisieren.

Anders als bei Ihren vorigen Klubs wirbt Vissel Kobe ständig mit dem Namen Podolski. Ein gutes Gefühl?

Klar, weil man sich hier freut, dass ich den Schritt nach Kobe gemacht habe. Ich freue mich über diese ganze Erfahrung. Wenn ich irgendwann mal aufhöre mit dem Fußball, kann ich sagen: Ich hab’ in vielen Ländern gespielt, viele Leute und Städte kennengelernt.

"Viele meiner DFB-Kollegen beneiden mich"

Ist das ein Tipp für jüngere Spieler?

Bei so was halte ich mich lieber raus. Aber es stimmt, viele meiner Nationalmannschaftskollegen beneiden mich schon. „Boah, du hast doch alles richtig gemacht“, sagen einige.

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Ihr Vertrag in Kobe läuft noch bis Ende 2019. Gibt es schon Ideen, wie es dann weitergeht?

Erst mal müssen wir diese Saison vernünftig zu Ende bringen. Vielleicht hänge ich am Ende ein weiteres Jahr dran. Direkt Trainer werden, das erst mal nicht. Da bräuchte ich zuerst etwas Abstand. Ich bin jetzt aber auch schon sechs, sieben Jahre im Ausland, und so langsam fehlt mir die Familie, der Alltag mit Freunden, die Heimat. Das lernt man zu schätzen, wenn man älter wird.


Hier abstimmen: Vermisst Ihr Podolski in der Bundesliga?

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