17. März 2020 / 19:12 Uhr

Luna Bulmahn zu Corona vor Olympia 2020 in Tokio: „Es wäre den Sportlern gegenüber nicht fair"

Luna Bulmahn zu Corona vor Olympia 2020 in Tokio: „Es wäre den Sportlern gegenüber nicht fair"

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Bulmahn
Luna Bulmahn kritisiert die weiterhin geplante Austragung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio. © dpa / Michael Kappeler, Torben Flatemersch, Montage: Daniel Kultau
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Noch sind das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die japanische Regierung zuversichtlich, dass die Olympischen Spiele am 24. Juli in Tokio starten können. Die Schaumburger Leichtathletin Luna Bulmahn kann das nicht nachvollziehen.

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Noch sind das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die japanische Regierung zuversichtlich, dass die Olympischen Spiele am 24. Juli in Tokio starten können. Zumindest verbreiten sie diesen Eindruck nach außen - trotz Coronavirus. Die 400-Meter-Läuferin Luna Bulmahn aus Obernkirchen, die für den VfL Eintracht Hannover antritt, ist die Senkrechtstarterin des Jahres 2019 und hat gute Chancen auf eine Nominierung. Spätestens seitdem sich die 20-Jährige im vergangenen Jahr den Deutschen meistertiel sicherte.

Wir sprachen mit ihr über die Wettkämpfe und ihre Meinung zu den Spielen.

Frau Bulmahn, das wichtigste zum Start: Wie geht es Ihnen?
Bei mir ist alles in Ordnung, ich bin gesund.

Sie waren in der vergangenen Woche noch wegen eines Trainingslagers auf Teneriffa. Was haben Sie dort von Corona mitbekommen?
Recht wenig. Ein Hotel auf der Insel war in Quarantäne, aber als wir dort waren, war es schon wieder freigegeben. Allerdings wurden am Freitag dann die Stadien geschlossen, weil Teneriffa ja zu Spanien gehört. Wir konnten also nicht mehr trainieren und sind dann schon am Samstag, statt wie geplant am Sonntag zurückgeflogen.

Wo erwischen wir Sie denn momentan?

Aktuell bin ich in Schaumburg und nicht in meiner 1-Zimmer-Wohnung in Hannover. Auf dem Land fühl ich mich dann doch etwas sicherer.

Wie sieht Ihr Trainingsplan aktuell denn aus?

Ich trainiere in Schaumburg und fahre nur einmal in der Woche nach Hannover, um mit meiner Trainingsgruppe zu trainieren. Wir versuchen den gegenseitigen Kontakt so gering wie möglich zu halten. Es dürfen auch momentan nicht alle in Hannover trainieren. Ich habe das Glück, dazu zu gehören. Hier in Schaumburg kann ich Rope-Skipping und Mobilität trainieren. Ich kann natürlich auch auf der Aschebahn meine Runden drehen, aber das dann ohne Spikes.

Momentan finden die Olympischen Spiele in Tokio noch wie geplant statt. Wie sehen Sie dieses strenge Festhalten der japanischen Regierung und des IOC?

Ich glaube, dass die Absage der Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr der erste Schritt war, um nachzuziehen. Ich finde, dass die Spiele verschoben werden sollten. Vielleicht auf 2022.

Wie würden Sie sich als Athletin fühlen, die nach Japan reisen muss?

Überhaupt nicht gut. Natürlich ist es hier auch gerade schlimm, aber Asien ist eine Region, in die ich zur Zeit am wenigsten gerne reisen möchte. Es wäre den Sportlern gegenüber nicht fair, wenn die Spiele bei unklarer Lage stattfinden würden. Alleine im olympischen Dorf wären so viele Athleten auf einem Haufen, dass die Ansteckungsgefahr sehr hoch wäre. Das IOC kann es sich eigentlich nicht erlauben, dass sich nur ein einziger Sportler während Olympia mit Corona infiziert.

Für viele Sportler ist es ja ein Traum einmal alleine einmal bei den olympischen Spielen an den Start gehen zu dürfen. Wäre das für Sie persönlich dann nicht auch eine schlechte Nachricht?

Bei mir ist es so, dass mein Erfolg ja eigentlich ganz plötzlich kam. Viele sagen auch, dass die Wettkämpfe für mich noch ein Jahr zu früh kämen.

Also sind Sie nicht geknickt, sollten die Spiele dieses Jahr nicht stattfinden?

Ich bin ein totaler Familienmensch und bei mir haben Familie und Gesundheit Vorrang. Ich möchte nicht das Risiko eingehen erst nach Tokio zu reisen und dann meine hier Familie anzustecken. Die Gesundheit ist mir einfach mehr Wert als die Olympischen Spiele.

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