03. Februar 2021 / 10:37 Uhr

Luppaer Trainer Natzke über freiwillige Helfer: „Nur so ist Vereinsleben möglich“

Luppaer Trainer Natzke über freiwillige Helfer: „Nur so ist Vereinsleben möglich“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robert Natzke (Mitte)  mit seiner jungen Mannschaft, links Kapitän und Torwart Robyn Staude.
Robert Natzke (Mitte) mit seiner jungen Mannschaft, links Kapitän und Torwart Robyn Staude. © René Wegner
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Robert Natzke ist Trainer der SpG Wermsdorf II/Luppa. Der 41-Jährige spricht im Interview über die Zusammenarbeit mit den Wermsdorfern, den Einfluss der Pandemie und was sich für die kommenden Monate gewünscht wird.

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Luppa. Die Spielgemeinschaft Wermsdorf II/Luppa hält in dieser Saison als einziges Team der Collm-Region die Fahnen in der Fußball-Kreisliga hoch. Trainer Robert Natzke spricht im Interview über die Corona-Krise, seine junge Truppe und die Zusammenarbeit mit der Wermsdorfer Nordsachsenliga-Mannschaft. Der 41-Jährige spielt noch selbst beim FSV Luppa in der Alten Herren und arbeitet als Angestellter der Deutschen Bahn derzeit weitgehend im Homeoffice.

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Herr Natzke, die sozialen Kontakte sind durch die Pandemie stark eingeschränkt, im Lokalsport läuft nichts mehr. Wie geht es Ihnen?

Es ist keine einfache Situation. Beruflich habe ich im Homeoffice gut zu tun und versuche mich durch regelmäßige Ausdauerläufe fit zu halten.

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Sie sind 2. Vorsitzender des FSV Luppa und Trainer, investieren viel Zeit in den Sport, besonders an den Wochenenden. Warum?

Ich denke, dass sich jeder in irgendeiner Form sozial engagieren sollte. Nur so ist ein Vereinsleben möglich und all die Feste und Veranstaltungen, die wir lieben. Ohne freiwillige Helfer wäre nichts los und alle würden nur zu Hause hocken. Normalerweise bin ich an drei Tagen in der Woche für einige Stunden in irgendeiner Funktion für den Fußball tätig. Aber was ist schon normal in diesen Zeiten? Wir versuchen die Krise zu überstehen und hoffen darauf, im Frühjahr alles wieder hochfahren zu können.

Der FSV Luppa wollte Ende 2020 sein 30-jähriges Bestehen feiern...

Wir haben allen Grund zum Feiern. Mit großem ehrenamtlichen Engagement wurden ab 1990 auf der grünen Wiese der Fußballplatz und unser Vereinsheim errichtet. Positiv „Fußballverrückte“ bauten den Spielbetrieb im Frauen-, Männer- und Nachwuchsbereich langsam auf. Aus 15 Gründungsmitgliedern sind mittlerweile 120 geworden. Der Verein ist aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken.

Seit wann mischen Sie beim FSV mit?

Ich bin Seiteneinsteiger. Bis zum Abitur war nur gelegentlicher Bolzplatzfußball angesagt. Mein Bruder Martin kickte schon länger im Verein. Der damalige Luppaer Männertrainer Claus Theile hat mich 1998 überredet einzusteigen. Nach 15 Jahren als Spieler übernahm ich 2013 das Traineramt in Luppa, seit 2015 trage ich die Verantwortung für die neu gegründete Spielgemeinschaft Wermsdorf II/Luppa.

Richtige Entscheidung

Was waren die Gründe für das Zusammengehen mit den Wermsdorfern?

Wir hatten als Absteiger aus der Kreisliga keinen ausreichenden Kader mehr und der zweiten Wermsdorfer Mannschaft war 2015 der Aufstieg in die Kreisliga gelungen. Beide Vereine arbeiteten im Nachwuchsbereich bereits sehr gut zusammen und die Wermsdorfer Vereinsphilosophie ähnelte unserer in vielen Punkten.

Knirschte es in der neuen Gemeinschaft auch mal?

Wir sind menschlich schnell zusammengewachsen, das Miteinander passte. Die Vorstände haben diesen Weg von Anfang an unterstützt. Im Rückblick war es die richtige Entscheidung. Beide Vereine sind in der Gemeinde Wermsdorf verwurzelt.

Wie läuft das Training und die Abstimmung mit den Partnern?

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Wir trainieren gemeinsam mit der ersten Männermannschaft. Es gibt keine Abgrenzung, weder bei den Spielern noch bei den Trainern Dierk Kupfer und Mike Rische. Das ist sehr angenehm.

Büchner beweist Organisationsküste

Welche Rolle spielt der Wermsdorfer Mannschaftsleiter Jörg Büchner?

Jörg ist für uns eine riesengroße Unterstützung. Er hält uns vor allem im organisatorischen Bereich den Rücken frei. Und das mit viel Aufwand. Zum Beispiel managt er vor den Punktspielen in Abstimmung mit den Trainern immer die Zusammenstellung der Kader für beide Männerteams. Im Amateurbereich können wir nicht davon ausgehen, dass immer alle Spieler zur Verfügung stehen. Berufliche und private Verpflichtungen sowie Verletzungen dünnen den auf dem Papier großen Kader gelegentlich aus. Ohne Jörgs Organisationskünste wären wir nicht so gut aufgestellt. Außerdem kennt er sich in sportrechtlichen Belangen bestens aus. So können wir Trainer uns auf das Sportliche konzentrieren. Jörg ist auch bei allen Kreisliga-Spielen dabei und unterstützt mich an der Seitenlinie.

Wer spielt in welcher Mannschaft?

Natürlich hat die Erste Priorität, aber wir fühlen uns nicht untergeordnet. Die Grenzen sind durchlässig, junge Spieler bekommen ihre Chance in der ersten Männermannschaft und gestandene Akteure von dort kicken bei uns mit. Die Kreisliga, in der wir die dritte Saison spielen, ist sportlich attraktiv.

Frauenmannschaft gilt als Aushängeschild

In dieser Saison gab es bis zum Abbruch noch keine Punkte für Ihr Team – wo sehen Sie die Ursachen für die Rote Laterne?

Wir haben schon in der vergangenen Saison Nachwuchsspieler aufnehmen können und sind sehr froh darüber. In diesem Spieljahr kamen noch mal fast zehn Akteure dazu, die teilweise erst volljährig geworden sind oder mit Sondergenehmigung kicken. Gegen die oft mit vielen gestandenen Leuten besetzten, erfahrenen Kreisligateams ist es schwer, aber damit haben wir gerechnet.

Wer führt die junge Truppe?

Die alten Hasen Michael Paitz und Erik Niemann, aber auch die Mittzwanziger Tim Körner und Benjamin Lochert übernehmen Führungsaufgaben. Allerdings ist der Wechsel von den A-Junioren zu den robust spielenden Männern nicht einfach. Es fehlt oft noch Erfahrung und Körperlichkeit, um in der Kreisliga bestehen zu können. Aber das ist nichts, was man nicht durch hohe Trainingsbereitschaft verbessern kann, denn in der jungen Truppe steckt viel Potenzial. Es braucht Zeit und Durchhaltevermögen, um sich zu entwickeln.

Das Aushängeschild des FSV Luppa ist die Frauenmannschaft.

Zweifelsohne und das schon über viele Jahre super erfolgreich auf dem Kleinfeld. Ich ziehe den Hut, dass unsere Frauen in dieser Saison den Schritt vom Kleinfeld auf das Großfeld gewagt haben und in der Landesklasse Nord ordentlich mithalten.

Folgen der Pandemie gemeinsam überwinden

Der regionale Fußball findet nicht statt, die Profis dürfen weiterspielen. Welchem Team drücken Sie die Daumen?

Dem FC Bayern. Mir sind Profisportler vereinsunabhängig sympathisch, die trotz des sportlichen Erfolgs nicht abheben und sich sozial engagieren.

Ihr Wunsch für die kommenden Monate?

Ich hoffe, dass es im Frühjahr langsam wieder losgeht und wir die Hinrunde bis zum Sommer ausspielen können. Aber bei aller Liebe zum Fußball ist es wichtig, dass unsere Gesellschaft zusammensteht und wir die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gemeinsam überwinden können.

André Kamm