21. Juli 2022 / 14:33 Uhr

Luxusprobleme und offene Personalfragen: Wie RB Leipzig zum FC Bayern aufschließen will

Luxusprobleme und offene Personalfragen: Wie RB Leipzig zum FC Bayern aufschließen will

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Domenico Tedesco (links) holte mit RB Leipzig in der vergangenen Saison den DFB-Pokal.
Domenico Tedesco (links) holte mit RB Leipzig in der vergangenen Saison den DFB-Pokal. © IMAGO/Picture Point LE (Montage)
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Der erste Titel der Vereinsgeschichte ist nach dem Coup im DFB-Pokal im Sack. Nun will RB Leipzig auch in der Bundesliga zu Branchenprimus FC Bayern München aufschließen. Trotz des Verbleibs eines Hoffnungsträgers fehlt dazu aber noch ein gutes Stück.

Seit Jahren hatten sie davon geträumt, am 21. Mai 2022 wird der Traum Wirklichkeit: Durch den Sieg im Elfmeterschießen gewinnt RB Leipzig seinen ersten Titel. Der Klub aus der sächsischen Metropole darf sich DFB-Pokalsieger nennen. "Das bleibt für immer, macht Lust auf mehr", sagt Abwehrchef Willi Orban zwei Monate später. Er gibt auch die Marschrichtung für die neue Saison vor: "Wir wollen wieder nach Berlin und – das steht über allem und ist fast schon Pflicht – uns wieder für die Champions League qualifizieren."

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In nur etwas mehr als einer Dekade von der Gründung zum ersten Titel: Was wie ein Fußballwunder wirkt, verstärkt bei vielen Fußballfans außerhalb des RB-Kosmos Unbehagen. Denn RB bleibt für Sie der Konzernklub, subventioniert mit Millionen aus der österreichischen Red-Bull-Zentrale. Titel für ein solches Konstrukt: nur eine Frage von Zeit und Geld – die Erstgenannte war nun eben reif und das Geld ist ja eh da.

Dabei geht es RB nicht anders als den meisten Konkurrenten: Wenn der FC Bayern anklopft, müssen auch die Sachsen passen. So geschehen vor und kurz nach Beginn der vergangenen Saison, als die Münchner neben Dayot Upamecano und Marcel Sabitzer auch Trainer Julian Nagelsmann abwarben. Das Resultat für RB: Nagelsmann-Nachfolger Jesse Marsch kam nicht zurecht, erst Nachfolger Domenico Tedesco stabilisierte die Mannschaft, schaffte neben dem Pokalsieg noch das Europa-League-Halbfinale und mit Platz vier in der Liga die Qualifikation für die Champions League.

Testspiel-Highlight gegen den FC Liverpool

Dennoch droht erneut Aderlass-Alarm vor dem Start der neuen Saison, die RB am Donnerstag (19.15 Uhr, Servus TV) mit einem Testkick gegen Jürgen Klopps FC Liverpool einläutet. Aktuell sollen die Bayern an RBs Mittelfeldmotor Konrad Laimer interessiert sein.

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Wird Laimer der nächste prominente Abgang beim auf Erfolg getrimmten Klub? Wie soll man die Bayern angreifen, wenn man immer die besten Spieler zu ihnen oder anderen Topklubs ziehen lassen muss? Direkte Konkurrenten um den Platz hinter dem deutschen Branchenkrösus wie Borussia Dortmund kennen dieses Dilemma seit Jahren. Insofern scheint das Konstrukt RB in der Tat in der Normalität des Profifußballs angekommen zu sein.

Hoffnung macht den Sachsen, die am ersten Bundesliga-Spieltag zum VfB Stuttgart reisen müssen, eine Vertragsverlängerung. Christopher Nkunku, bester Spieler der Vorsaison mit 32 Toren und 20 Vorlagen in 50 Pflichtspielen, hat sich gegen die Angebote der Beletage und für Leipzig entschieden. Er unterschrieb für vier weitere Jahre bis 2026 und scheint diesen Vertrag auch erfüllen zu wollen, wie er andeutete: "Ich habe ganz bewusst verlängert und habe nicht vor, den Verein kommenden Sommer zu verlassen."

Liefert Schlüsselspieler Nkunku weiter ab?

Wie stark die Gefühle zwischen Nkunku und RB sind, wird sich zeigen. Trumpft der 24 Jahre alte Offensivspieler wieder so auf wie zuletzt, dürften die Reißverschlüsse vieler Spitzenklub-Portemonnaies aufzippen. Ob Klub und Spieler dann immer noch widerstehen können?

Nkunkus Verlängerung war auch deswegen so wichtig, weil der Klub sich auf dem Transfermarkt bisher zurückgehalten hat. Realistische Startelf-Ambitionen dürfte nur Xaver Schlager besitzen, der für 12 Millionen Euro aus Wolfsburg kam und Laimer zumindest auf dessen Position eins zu eins ersetzen könnte.

Vor dieser Schlüsselstelle gibt es ein Überangebot. Und so wird aus dem Offensivtrio Dominik Szoboszlai, Emil Forsberg und Dani Olmo weiterhin immer einer auf der Bank landen. Eine Möglichkeit, alle drei Kreativen auflaufen zu lassen, wäre die Umstellung von Tedescos bevorzugtem 3-4-2-1 zu einem System mit Viererkette. Ein Platz im Mittelfeld würde frei. Nur was wird dann aus den Außenspielern Angelino oder Benjamin Henrichs? Luxusprobleme für den 36 Jahre alten Trainer. Erstes Pflichtspiel: der Supercup am 30. Juli gegen Meister Bayern. Auf wessen Seite Konrad Laimer dann wohl aufläuft?

Die Prognose des Autors: Tedesco hat RB stabilisiert. Für den logischen nächsten Schritt – den Kampf um die Meisterschaft – ist Topfavorit Bayern zu weit entfernt. So bleibt der Kampf um Platz zwei mit Konkurrenten wie Dortmund und Leverkusen.

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