28. August 2020 / 15:34 Uhr

Lyon-Killerin Müller: "Mein VfL hat die größere Gier!"

Lyon-Killerin Müller: "Mein VfL hat die größere Gier!"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bildnummer: 13660507  Datum: 23.05.2013  Copyright: imago/Annegret Hilse
Jubel nach dem Elfmetertor zum 1-0: Nadine KESSLER, Conny POHLERS, Torschützin Martina MÜLLER, Lena GÖSSLING, Alexandra POPP, Zsanett JAKABFI (vl/alleVfL) Fussball UEFA Championsleague Finale der Frauen Saison 2012/2013: VfL Wolfsburg - Olympique Lyon in London, Grossbritanniennegret Hilse cheering After the Elfmet
Das Tor zum Triple 2013: Martina Müller (vorne links) hat das entscheidende 1:0 gegen Lyon erzielt. Seitdem war der VfL viermal gegen Lyon unterlegen. Am Sonntag traut Müller dem VfL aber den Sieg zu. © Imago Images / Annegret Hilse
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Viermal in Folge sind die Bundesliga-Fußballerinnen des VfL Wolfsburg auf dem Weg zum dritten Champions-League-Titel an Olympique Lyon gescheitert. Am Sonntag (20 Uhr, live auf Sport 1, auch im Stream) soll der dritte Titel her. VfL-Ikone Martina Müller, 2013 Sieg-Torschützin im Finale gegen Lyon, ist sich sicher: "Diesmal klappt es, mein VfL hat die größere Gier!"

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Nach ihrer VfL-Karriere hatte Müller ein Angebot von den tieferklassigen Fußballerinnen Eintracht Braunschweigs. Das schlug sie aus. "Das geht einfach nicht, mein Herz ist grün, da kann ich kein Löwe werden." Martina Müller, ihr Herz ist Grün, sie schoss Tore am Fließband, spielte für den VfL, als der im Bundesliga-Konzert noch eine kleine Nummer war. Und sie schoss ihn mit an die Liga-Spitze. Und sie schoss ihn zum vielleicht bis heute größten Triumph. Zum ersten Champions-League-Sieg. Gegen Lyon. 2013. An der Stamford Bridge, Heimat von Chelsea London.

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Eiskalt verwandelte sie den Elfmeter im Finale. So sah es zumindest aus. "Wie es in mir aussah, wusste ja keiner." Kapitänin Nadine Kessler hatte Fußprobleme und Müller gefragt, ob sie einen Elfer übernehmen würde, wenn es denn einen gäbe. "Und ich habe einfach mal ja gesagt", erinnert sich Müller. "Und dann bekamen wir ihn."

Allerdings: Vor des Gegners Tor war die Stürmerin, für die in 210 Einsätzen für den VfL 138 Tore gezählt wurden, nie eine, die sich vor Verantwortung versteckte. Ein Elfer im Champions-League-Finale, der das 1:0 bringen würde, war dann aber doch etwas anderes - selbst wenn man, wie sie, 37 Treffer in 101 Länderspielen erzielt hatte. Dennoch: Sie lief an, schoss, lief durch zum Jubel. Als wäre nichts einfacher als das. Klar ist: Typen wie sie braucht es am Sonntag. Und sie ist überzeugt: "Die hat der VfL."

Mit Nationalmannschaftskapitänin Alexandra Popp, die auch zum Kapitäninnen-Trio beim VfL gehört, hat sie noch hin und wieder Kontakt. "Ich habe ihr jetzt geschrieben: "Holt den Pott nach Hause, bringt ihn dahin, wo er hingehört", sagt Müller.

Müller hatte sich Ausschnitte vom VfL-Spiel gegen Glasgow angeschaut, aber auch Lyons Auftritt gegen die Bayern und Paris genauso wie den des VfL gegen Barcelona. Sie fiebert immer noch mit, "manchmal schieße ich auch mit", sagt sie schmunzelnd. Und glaubt: "Der VfL hat in diesem Jahr eine große Chance. Lyon hat Probleme in der Defensive, vielleicht nehmen es einige auch schon als selbstverständlich, weil sie zuletzt immer gewonnen haben."

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Beim VfL war ihr zwar auch nicht verborgen geblieben, "dass es gegen Barcelona ein wenig glücklich war. Die haben sich selbst geschlagen, weil sie so gute Chancen ausgelassen haben. Aber am Ende gewinnt der, der ein Tor mehr schießt. So ist das." Und wer sollte das besser wissen als die Torjägerin. Beim VfL sieht sie eine Mischung aus erfahrenen Spielerinnen, die die Trophäe schon ein- oder zweimal geholt haben. "Aber das ist lange her. Die wollen ihn bestimmt noch einmal." Und aus Spielerinnen, die den Pott noch nie holten, aber unbedingt haben möchten, "Pernille Harder hat das sogar formuliert". Müller: "Ich glaube, mein VfL hat die größere Gier auf den Titel."

"Bayern-Triple ist ein gutes Omen"

Sportlich ist der VfL aus ihrer Sicht stark genug für den Titel, außerdem glaubt Müller, dass das Triple der Bayern bei den Männern "ein gutes Omen ist", denn die hatten es 2013 auch geholt. "Und dann kamen wir mit dem VfL und holten das Triple 2013 bei den Frauen." Sie selbst wird das Spiel wahrscheinlich per Stream als Beifahrerin im Auto verfolgen. Denn sie ist tagsüber bei der Konfirmation ihres Patenkindes Luis in Kassel. Vielleicht auch ein gutes Omen, dass sie am Final-Tag mit ihm zusammen ist, "denn 2013 saß er mit auf der Tribüne an der Stamford Bridge".