26. März 2020 / 13:58 Uhr

Macherns Trainer Teichmann rechnet nicht mit Fortsetzung der Saison

Macherns Trainer Teichmann rechnet nicht mit Fortsetzung der Saison

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Tresenwald Machern - Partheland
Im vorraussichtlich letzten Ligaspiel dieser Saison gewann der SV Tresenwald Machern gegen den SC Partheland mit 2:1. © Bettina Finke
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Trainer des Kreisligisten SV Tresenwald Machern Steffen Teichmann hat Verständnis dafür das seine Spieler durch die Corona-Pandemie aktuell keinen Nerv für den Fußball haben.

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Einer wie Steffen Teichmann kann sich nach jahrzehntelanger Erfahrung im Fußballgeschäft ein Urteil durchaus erlauben, obwohl auch er in diesen Tagen und Wochen vor etlichen Fragen steht. Und beantworten kann der Trainer des Kreisoberligisten SV Tresenwald Machern viele davon lediglich im Konjunktiv. Die aktuelle Krise rund um das Corona-Virus hat den in Wurzen wohnhaften Coach - welcher zuvor unter anderem in Burkartshain sowie in seiner Heimatstadt für die zweite Frisch Auf-Garnitur tätig war - wie alle seiner mit dem Sport verbundenen Mitmenschen kalt erwischt.

Dem Motto „Zusammen stark sein“ kommt eine noch deutlich größere Bedeutung zu als in „normalen“ Zeiten. Dass das runde Leder vorübergehend in den Hintergrund gerückt ist, hat Teichmann längst akzeptiert. Schließlich gibt es momentan weitaus wichtigere Probleme zu lösen. Dennoch hält es der überzeugte Muldentaler für wichtig, die schönste Nebensache der Welt nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Immerhin spendet die Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung von sportlichen Aktivitäten in der Gemeinschaft Kraft bei der Überwindung der derzeitigen gravierenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

„Zeit zu knapp, um alles nachzuholen"

Was die laufende Saison im Fußball-Amateurbereich und speziell in der hiesigen Kreisoberliga betrifft, gibt sich Teichmann realistisch: „Ich gehe nicht davon aus, das wir den Spielbetrieb in naher Zukunft wieder aufnehmen können. Und irgendwann wird die Zeit zu knapp, um alles nachzuholen. Die Spieler sind dann schließlich noch mehr im Beruf gefordert, weil die Firmen liegen gebliebenes abarbeiten müssen. An Werktagen zu spielen, dürfte deshalb kaum machbar sein. Aber das war ja schon vor Corona äußerst schwierig. Und die aktuell gesperrten Sportstätten müssen schließlich auch erst wieder frei gegeben werden. Wahrscheinlich ist es besser, die Serie zu beenden und wieder von vorn anzufangen.“

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Natürlich ist dem Tresenwalder Übungsleiter durchaus bewusst, dass ein Abbruch für gewisse Teams ein echter Wettbewerbsnachteil wäre. Daher hält er es beispielsweise für angemessen, Aufstiegs willigen Teams den Sprung nach oben zu ermöglichen und gegebenenfalls Staffeln aufzustocken. „Warum sollte die Landesklasse nicht eine Saison lang mit 18 Mannschaften spielen. Das dürfte nun wirklich keine großen Schwierigkeiten bereiten.“ Die Prioritäten liegen seiner Meinung nach in nächster Zeit ohnehin ganz woanders: „Hauptsache, die Vereine überstehen das ganze Drama einigermaßen unbeschadet. Nämlich ohne finanzielle und personelle Verluste. Gerade bei ersterem Problem wird sich zeigen, ob die so häufig beschworene Solidarität der Proficlubs mehr als ein Lippenbekenntnis ist. Man darf gespannt sein, wie der Schulterschluss gelingt.“

Die im Moment fehlenden Trainingseinheiten mit seiner Truppe bereiten Teichmann weitaus weniger Kopfzerbrechen: „Die Jungs werden sich schon irgendwie fit halten. Wobei ich auf jeden Fall Verständnis dafür habe, dass der eine oder andere aktuell keinen Nerv für Fußball hat. Familie und Job gehen halt erst einmal vor.“ Der Macherner Coach sieht den SV Tresenwald diesbezüglich ohnehin etwas weniger in der Pflicht als Vereine mit einem starken Nachwuchs-Unterbau: „Bei denen herrscht eine völlig andere Philosophie, wir dagegen machen die Übungseinheiten eher aus Lust und Laune. Manchmal sogar notgedrungen. Früher war da manches leistungsorientierter. Aber der Trend der jungen Leute geht heutzutage in Richtung Großstadt, Leipzig ist der Magnet. Beruflich, privat und logischerweise auch sportlich. Hier bei uns auf dem Lande müssen wir aufpassen, damit nicht noch mehr Vereine wegbrechen. Die Anzahl der Mannschaften ist sowieso bereits deutlich zurück gegangen.“

„Bündelung der Kräfte wäre mit Sicherheit produktiver"

Teichmanns Sorgenfalten sind nicht unbegründet. Die Tresenwalder haben schon lange kein Reserveteam mehr, sogar im eigenen Ort gibt es mit dem FSV Machern direkte Konkurrenz: „Was eine absolute Ausnahmesituation für eine Kleinstadt in unseren Breiten darstellt. Da spielen alte Sturheiten eine Rolle. Die sind allerdings nicht so leicht zu durchbrechen. Eine Bündelung der Kräfte wäre mit Sicherheit produktiver. Und im Sportzentrum am Tresenwald sind wir eben nur Mieter, was nicht so günstig ist. Zumal sich auch Inter Leipzig hier einquartiert hat und wir keinen Einfluss auf deren Trainingszeiten haben.“

Unterdessen versucht der Trainer der Grün-Gelben die Sache ohne Krampf so gut wie möglich am Laufen und die Truppe zusammen zu halten. Gemeinsam mit Roy Pfüller als seinem Assistenten und verlängerten Arm. Wie alle Fußballenthusiasten drückt das Duo fest die Daumen, dass sich die negativen Auswirkungen der Viruserkrankung auch im Sport in Grenzen halten und nicht allzu große Spuren hinterlassen. Völlig zu übersehen sein werden sie definitiv nicht, da muss man sich nichts vorgaukeln.

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