23. Oktober 2020 / 06:17 Uhr

Neuer Machtkampf beim DFB: Stellt Keller die Vertrauensfrage? Bayern-Boss Rummenigge mahnt zur Ruhe

Neuer Machtkampf beim DFB: Stellt Keller die Vertrauensfrage? Bayern-Boss Rummenigge mahnt zur Ruhe

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Präsident Fritz Keller (vorne), Friedrich Curtius (l.) und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.
DFB-Präsident Fritz Keller (vorne), Friedrich Curtius (l.) und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. © Getty Images/dpa
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Vor der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag könnte die Stimmung angespannter kaum sein. DFB-Präsident Fritz Keller ist enttäuscht von einigen seiner engsten Mitarbeitern. Sogar Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge mischt sich ein und warnt vor weiteren Querelen innerhalb des Verbands.

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Die Szene, die sich vor zwei Wochen am Rande des Fußball-Länderspiels gegen die Türkei (3:3) abspielte, war bezeichnend. DFB-Präsident Fritz Keller verzichtete kurzfristig auf den Besuch der Freundschaftspartie – mit der Begründung, dass er sich nicht öffentlich mit Verdächtigen zeigen oder gar fotografieren lassen wolle. Ein Schlag ins Gesicht für die im Rahmen der Steueraffäre Beschuldigten, namentlich Generalsekretär Friedrich Curtius, Schatzmeister Stephan Osnabrügge und Vizepräsident Rainer Koch, die allesamt ihre Unschuld beteuerten. Curtius und Osnabrügge sollen inzwischen entlastet worden sein. So steht es zumindest in einem Zwischenbericht der externen Steuerprüfer.

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An diesem Freitag treffen sich alle Beteiligten wieder – zur obligatorischen Präsidiumssitzung. Die Stimmung könnte angespannter kaum sein. Und das will etwas heißen beim DFB, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder knallte, es häufig vor allem um Macht und Eitelkeiten ging. Auch aktuell könnte die Situation eskalieren, denn nach SPORTBUZZER-Informationen sind die Fronten komplett verhärtet. Offenbar so heftig, dass der Präsident sogar die Vertrauensfrage stellen könnte.

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Keller, erst seit einem Jahr im Amt und bis 2022 gewählt, ist enttäuscht von seinen engsten Mitarbeitern – vor allem von Curtius, der nach einem Leitersturz beide Arme in Gips trägt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird Curtius nicht an der Präsidiumssitzung teilnehmen. Demnach folge er damit dem „Wunsch eines Präsidiumsmitglieds“. Der DFB teilte darauf mit, „die personellen Spekulationen in den Medien“ nicht zu kommentieren.

Keller ärgert, dass Curtius nicht verhindern konnte (oder wollte), dass sich DFL-Boss Christian Seifert im September aus dem wichtigen DFB-Präsidialausschuss verabschiedete. Die offizielle Begründung, er habe wichtigere Aufgaben, klang nach einer Ausrede. Hinter den Kulissen wird erzählt, dass Seifert mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden war und mitunter Respekt und Vertrauen vermisste. Beim DFB dagegen war man verärgert, weil das erfolgreiche Corona-Hygienekonzept, welches gemeinsam entwickelt wurde, stets nur der DFL zugeschrieben wurde und deren Protagonisten sich gern dafür öffentlich feiern ließen.

So läuft es auf einen neuen Machtkampf zwischen Keller und den „Altgedienten“, angeführt von Curtius (seit 2016 als Generalsekretär im DFB-Präsidium), Osnabrügge (seit 2016) und Koch (seit 2007), hinaus – Ausgang ungewiss.

Bayern-Boss Rummenigge: "Wichtig, dass in den DFB Ruhe einkehrt"

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge warnte sicherheitshalber schon mal vor weiteren Querelen: „Es ist wichtig, dass in den DFB endlich mal wieder Ruhe einkehrt. Dass sie vorbild- und beispielhaft vorangehen“, sagte er am Rande des Spiels gegen Atlético Madrid (4:0). „Die Spitze des Verbands muss intern zu Harmonie und Loyalität zurückfinden.“

Rummenigge hatte zuletzt vermehrt vor allem Keller in die Pflicht genommen, der seine gut einjährige Amtszeit selbst sehr selbstkritisch bewertete. „Ich bin unzufrieden mit dem, was ich von meinen Zielen beim DFB bisher erreicht habe“, sagte der DFB-Chef im Focus. Bei der Aufklärung der Sommermärchenaffäre um die WM 2006 und die verschwundenen 6,7 Millionen Euro habe der Verband zwar Fortschritte gemacht, „wir müssen aber bei den Reformen insgesamt in der Geschwindigkeit zunehmen“, forderte der 63-Jährige und sagte, dass man auch mal den „unbequemen Weg“ gehen müsse.

Keller hat sich nicht nur Freunde beim DFB gemacht

Intern hat er dies bereits getan und sich dabei nicht nur Freunde gemacht. Deshalb ist sein Vorgehen auch ein Ritt auf der Rasierklinge. Schließlich will Keller nicht als der fünfte DFB-Präsident hintereinander in die Geschichte eingehen, der seinen Posten vorzeitig räumen musste.