Verl. Wenn der SC Verl am Mittwochnachmittag nach Leipzig reist, im Hotel Seminaris Unterkunft bezieht und sich auf das Relegationshinspiel am Donnerstag gegen den 1. FC Lok Leipzig einschwört, muss Raimund Bertels bereits für das Rückspiel am 30. Juni ackern und telefonieren. Durch den strengen Lockdown im Landkreis Gütersloh darf die Partie am kommenden Dienstag nicht in der Verler Sportclub Arena stattfinden. Die Landesregierung hat die Durchführung untersagt. Nun sucht der Präsident und sportliche Leiter des West-Viertligisten nach Lösungen.
„Wir haben einen guten Draht zu Lok, sind gemeinsam mit dem DFB und der Stadt beziehungsweise dem Land in Kontakt“, erklärt Bertels. Es gäbe zwei Optionen: in ein anderes Stadion ziehen oder das Spiel an einem anderen Termin stattfinden lassen. „Wobei ich das kritisch sehe. So oder so würde es nur um einen Tag auf den 1. Juli verschoben werden“, so Bertels gegenüber dem SPORTBUZZER. Die Probstheidaer befürworten eine Verlegung im Übrigen nicht, wollen in jedem Fall zum Ursprungstermin ran.
Leipziger Fans wollten anreisen
Für einen möglichen Drittliga-Aufstieg hat der SC die Benteler-Arena, Heimstätte des SC Paderborn, als Ausweichstadion angegeben. „Paderborn muss sagen, dass das geht“, sind dem SC-Präsidenten die Hände gebunden. „Aber die Benteler-Arena oder Bielefeld (Anm.d.R.: „SchücoArena“ von Arminia) sind Optionen, zumal dort das Hygiene-Konzept bereits umgesetzt worden ist.“
Trotz des Corona-Ausbruchs im Kreis Gütersloh hatte Lok-Trainer Wolfgang Wolf bereits einen Fan-Ansturm aus Sachsen nach Verl angekündigt. „Ich meine, dass ein paar Hundert Fans von uns mitkommen. Die lassen sich nicht aufhalten“, sagte Wolf am Mittwoch bei „Sport im Osten“ des MDR. „Das ist ein Spektakel und eine einmalige Geschichte. Wir können in die 3. Liga aufsteigen, da wollen viele dabei sein.“ Dies werde man dem DFB auch so mitteilen. Inwieweit diese Aussagen die Verantwortlichen in Paderborn und Bielefeld ermutigen, die Begegnung in ihren Stadien auszurichten, bleibt unklar.
Bertels bezeichnete Wolfs Worte als „No Go“, hatte aber auch Verständnis für den Lok-Coach. „Das gehört zum Fußball dazu. Unter normalen Umständen hätte man das zusammen mit der Polizei einfach abfangen müssen.“
Verl gehört zum Kreis Gütersloh, für den NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag wieder strenge Corona-Einschränkungen verhängt hatte. Das Vereinsgelände des SC Verl liegt rund 15 Kilometer vom Gelände der Schlachthofes des Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbruck entfernt. Dort war es zu dem Ausbruch des Coronavirus gekommen. Inzwischen wurden nach Angaben des Kreises Gütersloh nachweislich mehr als 1500 Tönnies-Beschäftigte infiziert.