06. April 2020 / 15:55 Uhr

Mädchen für alles im Männersport: Das ist Empeldes Ken Uplegger 

Mädchen für alles im Männersport: Das ist Empeldes Ken Uplegger 

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Emepeldes Ken Uplegger (links) mit hohem Stock gegen Danny Kerstholt.
Emepeldes Ken Uplegger (links) mit hohem Stock gegen Danny Kerstholt. © deisterpics/Stefan Zwing
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Er ist jemand, der Verantwortung übernimmt. Ken Uplegger geht nicht nur als Spieler der TuS Empelde Maddogs voran. Der meinungsstarke Inline-Skaterhockeyspieler engagiert sich seit Jahren auch in der Vereinsarbeit - auch wenn er sich um manche Posten nicht gerissen hat...

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Homeoffice während der Coronakrise? Für einen Zimmerer wie Ken Uplegger stellt sich diese Frage nicht. Handwerkliches Geschick zeigt er zusätzlich mit dem Schläger in der Hand. Bei den TuS Empelde Maddogs ist Uplegger weit mehr als nur ein Inline-Skaterhockeyspieler, bei den Wunstorf Lions jagte er dem Puck auf der Eisfläche hinterher. Anpacken ist sein Credo – die Zeit, um sich einzubringen, kann ihm keiner nehmen.

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„Man muss dranbleiben und mit dem arbeiten, was vorhanden ist“, sagt der 31-Jährige – das gilt für ihn beruflich als auch sportlich. Der gebürtige Langenhagener, der als Meister seines Fachs in einem kleinen Unternehmen in Godshorn heimatverbunden geblieben ist, begann als Elfjähriger mit Inline-Skaterhockey bei den Langenhagen Devils. Als sich sein Verein 2006 auflöste, war ein Wechsel zum Nachbarn Engelbostel Devils ausgeschlossen. „Diese Option gab es nicht, man geht nicht zum Rivalen“, sagt er. Und da Bissendorf nicht infrage kam, führte ihn sein Weg zwangsläufig nach Empelde, wo Uplegger die Sparte maßgeblich prägen sollte.

Uplegger macht Schluss mit Eishockey

Sich im Winter als Eishockeyspieler zu beweisen, ist für viele der Cracks auf vier Rollen normal. Uplegger hatte nach einigen Saisons in der Hobbyliga bei den Celler Oilers angeheuert. Von dort ging es mit vielen Teamkollegen zu den Wunstorf Lions, für die er in den vergangenen drei Jahren auf dem Eis stand. Doch damit ist nun Schluss. „Ich habe dort vorsorglich gekündigt“, sagt das Multitalent. Die späten Trainingszeiten seien für die Motivation nicht mehr förderlich gewesen, dazu kommen die weiten Wege in der Landesliga. „Sonntagabend um 19 Uhr in Rostock spielen, danach noch nach Hause fahren – das ist eher was für Berufsstudenten“, sagt Uplegger mit einem Augenzwinkern.

„Mein Herz hängt an den Rollen“

„Mein Herz hängt einfach an den Rollen“, betont er, das Schlittschuhlaufen sei vergleichsweise nicht wirklich sein Metier gewesen. Bei den Maddogs war er 2008 Mitbegründer des Fördervereins, „weil dieser Sport einfach so teuer ist“. Die umfangreiche Ausrüstung, Anfahrten zu den Begegnungen und viele andere Aspekte der Infrastruktur haben ihren Preis.

Einer, der Verantwortung übernimmt

Die Ämter von Ken Uplegger in Empelde seit seinem Eintritt 2006 sind einer Aufzählung würdig: Stellvertretender Vorsitzender und seit 2018 Vorsitzender des Fördervereins, seit 2013 Verantwortlicher der Geschäftsstelle, seit 2014 Spartenleiter im TuS Empelde. Dazu Nachwuchstrainer, Pressesprecher, Organisator des alljährlichen „New Year’s Cups“ und ganz nebenbei noch Kapitän der Regionalligamannschaft. Um einige der Posten habe er sich beileibe nicht gerissen, sagt er. „Aber ich hasse es, einer Sitzung beizuwohnen, in der sich niemand meldet, wenn etwas übernommen werden soll.“ So war es oft er, der die Verantwortung übernahm.

"Tut gut, wenn frischer Wind reingebracht wird"

Es gab Zeiten, in denen es ihm ein bisschen zu viel wurde, das berühmte Mädchen für alles in einem Sport für harte Männer zu sein. Mittlerweile habe sich diese Situation entspannt. „Ich kann jetzt auch mal was delegieren“, sagt der 31-Jährige. Hugo Waschkeit sei im Förderverein hervorzuheben, Mario Dunz habe die Nachwuchsarbeit optimiert. Quasi aus dem Nichts brachte Letztgenannter 35 Kinder zu den Maddogs, die sich in einer Spielgemeinschaft mit den Hannover Hurricanez entwickeln. „Bald werden wir auf keine Spielgemeinschaft mehr angewiesen sein“, sagt Uplegger. „Das tut gut, wenn frischer Wind reingebracht wird.“

Mehr Sport in der Region

Sport liegt bei den Upleggers in der Familie

Kens Bruder Konstantin sitzt mit im Vorstand der Abteilung. „Wir ergänzen uns gut. Konstantin bringt rationelles Denken ein, während ich viel aus dem Bauch entscheide“, sagt der ältere Spross, der die Ehrlichkeit schätzt. Daher hat er auch kein Problem damit zuzugeben, dass er trotz seines großen Engagements auch mal schnell genervt ist, wenn eine Sache nicht läuft. „Die sachliche Betrachtungsweise meines Bruders hilft dann weiter“, sagt der Maddogs-Kapitän.

Der Sport liegt ohnehin in der Familie. Vater Kay Uplegger ist Mitgesellschafter der Hannover Scorpions gewesen. „Er war schon immer sportbegeistert und hat alles gerne unterstützt, was ihm selbst auch gut gefiel – nicht nur Eishockey, auch Fußball“, sagt der Filius.

Und Unterstützung kann selbst ein Ken Uplegger mal gebrauchen. Die Arbeit mit dem Dachverein TuS Empelde ist nicht immer einfach, doch die engagierte Vorsitzende Christiane Weißenborn mache einen klasse Job. „Es tut gut, nicht immer alle überreden zu müssen“, lobt er. Auch das Wirken des nationalen Verbandes Inline-Skaterhockey Deutschland (ISHD) sieht Uplegger kritisch. „Die Saisonplanung ist generell kontraproduktiv, sie nimmt viele Eishockeyspieler raus“, sagt er. Die Spielzeit müsse möglichst spät beginnen und früh beendet sein, dann gebe es keine Überschneidungen mit dem verwandten Sport auf dem Eis, was er oft genug am eigenen Leibe erlebt hat.

Ehrenamt? "Eine Frage der Produktivität"

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ruht der Spielbetrieb im Inline-Skaterhockey vorerst, für die Empelder soll die Saison am 9. Mai gegen die Miners Oberhausen II beginnen. Doch wie lange will Uplegger in der sehr körperbetonten Sportart noch aktiv die Knochen hinhalten? „Solange es geht“, sagt er. „Ich bin ja Verteidiger, und laut einigen Teamkollegen langsam. Also kann ich noch mithalten“, sagt der Routinier lachend.

Neben dem Spielfeld geht es für ihn ohnehin immer weiter. Dass Uplegger als umtriebiger Ehrenamtler zu einer aussterbenden Gattung gehört, weiß er selbst. „Es ist doch nur eine Frage der Produktivität“, sagt er. „Wer an einem Abend eine komplette Serie auf Netflix schafft, der kann auch mal 30 Minuten Zeit zum Beantworten von Mails investieren“, schickt er Grüße an die Jugend. Ken Uplegger nimmt sich die Zeit, geschadet hat es ihm nicht – ganz im Gegenteil.