24. Februar 2021 / 17:50 Uhr

Madlung vorm Duell seiner Ex-Klubs: "Wolfsburg ist stabil, Berlin muss aufpassen!"

Madlung vorm Duell seiner Ex-Klubs: "Wolfsburg ist stabil, Berlin muss aufpassen!"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spielte für Hertha BSC und den VfL Wolfsburg: Alexander Madlung.
Spielte für Hertha BSC und den VfL Wolfsburg: Alexander Madlung.
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Erst Hertha BSC, dann VfL Wolfsburg - Alexander Madlung kennt beide Klubs bestens. Bei den Berlinern wurde er Bundesliga-Profi, mit dem VfL deutscher Meister. Vorm Aufeinandertreffen am Samstag bewertet der ehemalige Abwehrspieler die Lage bei seinen Ex-Vereinen.

Der VfL Wolfsburg empfängt am Samstag (15.30 Uhr) Hertha BSC - Alexander Madlung, gebürtiger Braunschweiger, hat für beide Vereine gespielt. 1999 war er in die U19 der Hertha gewechselt, rückte dann in die Reserve der Hauptstädter und spielte schließlich für die Berliner in der Fußball-Bundesliga. Im Sommer 2006 dann der Wechsel zum VfL Wolfsburg, mit dem der ehemalige Innenverteidiger 2009 deutscher Meister wurde. Fast 200 Pflichtspiele bestritt der heute 38-Jährige für den VfL, ehe sein im Sommer 2013 auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde. Vor dem Duell seiner beiden Ex-Klubs spricht der Ex-Profi, der nun ein berufliches Standbein abseits des Fußballs hat, im SPORTBUZZER-Interview über den VfL-Höhenflug, den Hertha-Absturz und den Meistertitel 2009.

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Wolfsburg gegen Hertha – am Samstag treffen zwei Ihrer Ex-Vereine aufeinander: Wie genau verfolgen Sie das, was beim VfL und bei der Hertha passiert?

Ich behalte meine ehemaligen Vereine grundsätzlich im Blick. Nach Berlin habe ich noch eine enge Bindung, weil ich da sieben Jahre gelebt habe. Der VfL interessiert mich genauso – das sind die beiden Vereine, für die ich am längsten aktiv war.

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194 Pflichtspiele haben Sie für den VfL gemacht, 97 waren es für die Erstvertretung der Hertha, dazu noch mal 78 Spiele für die Reserve der Berliner…

...ja, das war schon jeweils eine intensive Zeit, die ich da miterleben durfte – mit den Höhen und Tiefen, die du in diesem Geschäft halt so mitmachst.

Was für ein Spiel erwarten Sie am Samstag – besteht die Gefahr, dass die tolle VfL-Serie reißt?


Nein, wenn man eine intakte Mannschaft hat – und die haben sie in Wolfsburg –, wird das nicht passieren. Es gibt doch nichts Schöneres für eine Mannschaft, als um die internationalen Plätze zu spielen. Der VfL kann befreit aufspielen, leider haben sie keine Fans im Rücken. Aber wenn es für sie weiterhin so gut läuft, spielen sie um die Champions-League-Plätze mit. Zum Vergleich: Bei der Hertha ist die Anspannung eine ganz andere jetzt. Sie müssen aufpassen, dass sie nicht noch tiefer da unten rein rutschen.

Sind Sie überrascht darüber, dass der VfL in diesem Jahr so erfolgreich ist?

Nein. Der VfL hat eine Truppe auf dem Platz, die sich schon etwas länger kennt, die Automatismen greifen – und wenn das so ist, profitiert man als Mannschaft davon.

Wer ragt für Sie beim VfL heraus?

Vorn haben sie einen super Vollstrecker, Weghorst hat internationales Format. Und hinten sind sie mit Brooks und Lacroix gut aufgestellt, dazu haben sie mit Casteels noch einen super Torwart, den ich richtig gut finde. Man sieht ganz schnell: Beim VfL passt es.

Sie selbst sind mit dem VfL 2009 deutscher Meister geworden – kann dieser Klub nach dem Titel 2009 und dem Pokalsieg 2015 in naher Zukunft erneut einen Titel gewinnen?

Ja, natürlich. Die Bayern sind in diesem Jahr nicht gerade super stabil und die Dortmunder haben eine extreme Schwächephase. Wenn das in einer Saison mal so ist, musst du selbst stabil sein, um an solchen Teams in der Endphase einer Saison noch vorbeiziehen zu können. Und der VfL ist stabil, sie spielen bisher eine gute Saison, und ich denke, das wird auch so bleiben.

Deutscher Meister: Mehr geht nicht!

Wie oft denken Sie noch den Titel von 2009 zurück?

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Für einen persönlich war und ist das schon etwas Besonderes. Ich sage immer: Mehr geht nicht, von daher war das schon eine große Nummer.

Wie gut ist der Kontakt noch zu Ihren ehemaligen Mitspielern?

Ich habe zu jedem Verein, bei dem ich gespielt habe, noch Kontakte. Mit Marcel Schäfer schreibe ich ab und an, ich kenne noch die Physios Michele Putaro und Manfred Kroß sowie Zeugwart Heribert Rüttger. Zudem gibt es in der Geschäftsstelle noch ein paar Menschen, zu denen ich Kontakt habe. Das möchte ich auch so beibehalten.

Hätten Sie ihrem ehemaligen Mitspieler Schäfer diesen Sprung ins Manager-Geschäft zugetraut?

Ja, total. Man hat ihm schon zu seiner Zeit als Spieler angemerkt, dass es bei ihm in diese Richtung gehen kann. Er hat sich in der Kabine immer um das große Ganze gekümmert, daher hat mich sein Schritt nicht überrascht. Ich dachte jedoch, dass er sich nach seiner aktiven Karriere noch eine Auszeit von ein, zwei Jahren nimmt, bevor er diesen Schritt macht, aber am Ende ist er gleich in dieses Geschäft reingesprungen.

Und wie gut sind die Drähte noch zur Hertha?

Mit Teamleiter Nello di Martino etwa, der schon eine Ewigkeit da ist, tausche ich mich aus. Ab und an schreibe ich mit Zecke Neuendorf.

Der VfL mischt oben mit, die Hertha wiederum wollte es auch, steckt jetzt aber unten drin...

...und gerade nach diesen hohen Investitionen war nicht damit zu rechnen, dass das so kommt. Aber ich denke: Wenn Sie diese schlechte Phase jetzt überstehen, werden die Berliner im neuen Jahr wieder angreifen. Es sind ja gute Spieler, die da auf dem Platz stehen, aber die müssen sich erst noch als Mannschaft finden – und so etwas kann schon mal ein, zwei Jahre dauern.

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Schafft Hertha den Klassenerhalt?

Ja, sie werden drin bleiben. Es gibt Mannschaften, die schlechter sind. Zudem haben sie mit Pal Dardai jetzt einen Trainer, der richtig dazwischenhaut, wenn einer der Spieler denkt, dass er larifari machen kann. Ich finde, sie haben sich für diese Phase jetzt genau den richtigen Trainer ausgesucht.

Sie haben im Sommer 2017 Ihre Karriere im Alter von 34 Jahren beendet und sind ins Immobiliengeschäft eingestiegen – war für Sie immer klar, dass Sie nach dem Fußball nichts mehr im Fußball machen werden?

Ich hatte längerfristig darüber nachgedacht, in welcher Art und Weise man zurückkehren könnte. Als Spielerberater wäre es vielleicht etwas einfacher geworden, weil du da nicht direkt mit dem Geschehen auf dem Platz etwas zu tun hast. Den Trainerschein zu machen und dann einer von 100.000 zu sein, die glauben, man wird Bundesliga-Trainer, war auch nicht so mein Ding. Fußball wird immer der Mittelpunkt meines Lebens bleiben, aber mittlerweile habe ich ein bisschen Abstand gewonnen. Genauso wollte ich das auch haben.