01. Mai 2018 / 15:32 Uhr

Magdeburg-Geschäftsführer Mario Kallnik: „Das ist kein Glücksfall, der Plan ist aufgegangen“

Magdeburg-Geschäftsführer Mario Kallnik: „Das ist kein Glücksfall, der Plan ist aufgegangen“

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg, feiert den Aufstieg mit den Fans im Stadion.
Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg, feiert den Aufstieg mit den Fans im Stadion. © imago/foto2press
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3. Liga: Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga spricht Mario Kallnik im Interview über den neuen Etat, mögliche Zugänge und Trainer Jens Härtel.

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Mario Kallnik zählt mittlerweile zu den Urgesteinen beim 1. FC Magdeburg. Der 43-Jährige spielte von 2001 bis 2008 für die Elbestädter und führte den Club als Geschäftsführer zum vorzeitigen Aufstieg in die 2. Bundesliga.

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Sie sind in Spremberg (Spree-Neiße) geboren. Haben Sie noch eine Beziehung zur Lausitz?
Mario Kallnik: Klar. Meine Eltern und Verwandte leben noch in der Region.

Sie haben sieben Jahre für Magdeburg gespielt, blieben nach der Insolvenz 2002 als einziger Spieler dem Verein treu. Wie kam das?
Ich wollte nicht wechseln. Ich habe in Magdeburg die Chance gesehen, mir etwas aufzubauen.

Treue hat bei Fans einen hohen Stellenwert. Haben Sie heute als Geschäftsführer deshalb einen Bonus?
Nein, man wird an Ergebnissen gemessen. Aber es hilft mir, den Verein zu verstehen, ich kenne die Strömungen und Begehrlichkeiten.

Trainer Jens Härtel hat das Team von der Regionalliga in die 2. Bundesliga geführt. Ist er ein Glücksfall für Magdeburg?
Glücksfall würde ich das nicht nennen. Es ist eher ein Plan, der aufgegangen ist. Jens hatte unser Anforderungsprofil erfüllt.

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Heinz Krügel: Nachdem Krügel bereits den SC Empor Rostock, die DDR-Nationalmannschaft und den SC Chemie Halle betreut hatte, übernahm er mit der Saison 1966/67 das Traineramt in Magdeburg. An der Börde begann Krügels erfolgreichste Zeit. Mit dem 1. FCM gewann Krügel 1974 den Europapokal der Pokalsieger, drei Mal die DDR-Meisterschaft sowie zwei Mal den FDGB-Pokal. 1967 wurde er vom DDR-Fußballverband auf Lebenszeit gesperrt. Die Begründung: Er habe die Leistungsentwicklung des FCM-Olympiakaders ungenügend gefördert. Tatsächlich hatte Krügel eine Beeinflussung seiner Arbeit durch die SED-Bezirksleitung wiederholt abgelehnt. Er wurde 1996 durch den DFB rehabilitiert. Zur Galerie
Heinz Krügel: Nachdem Krügel bereits den SC Empor Rostock, die DDR-Nationalmannschaft und den SC Chemie Halle betreut hatte, übernahm er mit der Saison 1966/67 das Traineramt in Magdeburg. An der Börde begann Krügels erfolgreichste Zeit. Mit dem 1. FCM gewann Krügel 1974 den Europapokal der Pokalsieger, drei Mal die DDR-Meisterschaft sowie zwei Mal den FDGB-Pokal. 1967 wurde er vom DDR-Fußballverband auf Lebenszeit gesperrt. Die Begründung: Er habe die Leistungsentwicklung des FCM-Olympiakaders ungenügend gefördert. Tatsächlich hatte Krügel eine Beeinflussung seiner Arbeit durch die SED-Bezirksleitung wiederholt abgelehnt. Er wurde 1996 durch den DFB rehabilitiert. ©

Zum Anfang …
… war es schwer. Das hatte ich aber erwartet, seine Ideen mussten erst greifen. Deshalb war es völlig klar, dass wir zu ihm halten, als es am Anfang noch nicht so lief.

Kocht die Aufstiegseuphorie in Magdeburg immer noch über?
Zwei Tage nach dem Aufstieg waren wir schon wieder im Arbeitsstress. Wir haben unser Ziel drei Wochen vor dem Saisonende geschafft. Diesen Zeitvorsprung müssen wir nutzen, um uns auf die 2. Bundesliga vorzubereiten.

Wann wird offiziell der Aufstieg gefeiert?
Am 6. Mai hat die Stadt auf den Rathausbalkon eingeladen. Wir als Verein feiern erst nach dem letzten Saisonspiel am 12. Mai.

Es heißt immer, Magdeburg besteche durch Kontinuität. Was heißt das?
Wir haben keinen Mäzen und keine Großsponsoren, sondern viele kleinere. Diese Sponsorenunterstützung ist immer breiter geworden. Das war eine Entwicklung in kleinen Schritten. Dann folgte die sportliche Entwicklung. Wir geben nur das aus, was wir haben.

Wir planen mit 16,5 Millionen Euro Etat.

Mit welchem Etat planen Sie für die 2. Bundesliga?
Mit rund 16,5 Millionen Euro für die Profi-Abteilung.

Das ist im Verhältnis zur Konkurrenz wenig.
Klar, wir haben ganz andere Voraussetzungen als die meisten Zweitligisten. Für uns geht es nur um den Klassenerhalt.

Sind Verstärkungen möglich?
Wir werden uns punktuell verstärken, aber es wird keine prominenten Einkäufe geben. Das geht nicht in Magdeburg.

Sie haben gesagt, die 2. Bundesliga muss nicht das Ende der Entwicklung sein. Was heißt das?
Man soll sich nie in seinen Zielen begrenzen, aber man muss realistisch bleiben. Für uns geht es erstmal nur um den Klassenerhalt. Dann könnten wir vielleicht im nächsten Jahr die Transferphase anders nutzen.

Aus statischen Gründen besteht im Stadion ein Hüpfverbot. Wie groß sind in der neuen Saison die Einschränkungen durch die Bauarbeiten?
Es wird in mehreren Phasen gebaut. Die Kapazität wird also nicht zu sehr beeinträchtigt.

Magdeburg hat 27 Jahre auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga gewartet. War die große Historie mit dem Europapokalsieg 1974 ein Ballast?
Das war vielleicht lange Zeit der Fall, die Erwartung war immer sehr hoch. Aber es bringt nichts, sich immer mit der Vergangenheit zu vergleichen. Die Fans haben mit der Zeit gelernt, damit umzugehen. Sie hatten Vertrauen in unseren Weg.

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Zur Person: Mario Kallnik spielte in der Jugend für die BSG Aktivist Schwarze Pumpe. Mit 13 wechselte er zum BFC Dynamo. 1992 schloss sich Kallnik für zwei Jahre dem VfB Stuttgart II an. Von 1994 bis 2001 lief er wieder für den BFC Dynamo auf. Von 2001 bis 2008 trug der Defensivspieler das Trikot des 1. FC Magdeburg. Nach dem Karriereende arbeitete er bei der AOK und kehrte 2012 zum FCM zurück.