24. November 2021 / 22:51 Uhr

Magischer Abend in Brügge: RB Leipzigs Traum von Europa lebt dank 5:0-Gala

Magischer Abend in Brügge: RB Leipzigs Traum von Europa lebt dank 5:0-Gala

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Christopher Nkunku jubelt nach seinem Tor zum 0:1.
Leipzigs Christopher Nkunku jubelt nach seinem Tor zum 0:1. © dpa
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Vier Tore und ein nahezu fehlerloser Auftritt in der ersten Halbzeit, ganz viel Leidenschaft und Herz bescheren RB Leipzig den benötigten Erfolg in der Champions League. 5:0 (4:0) gewinnen die ohne zehn Profis angereisten Sachsen beim FC Brügge. Leipzigs Traum vom Überwintern im europäischen Wettbewerb lebt.

Brügge. Sachen gibt‘s, die gibt‘s eigentlich nicht - bzw. nur im Fußball. Da spielen sich die Roten Bullen beim 0:2 in Hoffenheim einen zurecht, lassen bein Peinlich-Auftritt Zweifel am großen Ganzen wachsen und trumpfen vier Tage später im Stil eines Champions auf. In der Champions League. Beim angeblich heimstarken FC Brügge. Unglaublich und wahr: Die Corona-gebeutelten Männer um Kapitän Kevin Kampl gewinnen das Beinahe-Endspiel um Europa 5:0 (4:0) und stehen nach einer ersten Halbzeit vom andern Stern mit eineinhalb Beinen in der K.o-Runde der Europa League. Am 7. Dezember werden sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die restlichen 0,5 Beine nachziehen. Dass diese Belgier beim finalen Gruppenspiel in Paris etwas holen, erscheint mindestens unmöglich.

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Tore im 1975 gebauten, altehrwürdigen Jan-Breydel-Stadion: Christopher Nkunku (12., 90.), Emil Forsberg (17./Foulelfmeter und 45 + 1), André Silva (27.). Nächster Halt: Red-Bull-Arena. Am Sonntag, 17.30 Uhr, wird die Bundesliga-Partie gegen Leverkusen angepfiffen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

DURCHKLICKEN: Einige Bilder zum Spiel

Das war ganz stark RB Leipzig: Die Rumpfelf von Trainer Achim Beierlorzer ließ dem Club Brügge KV nicht den Hauch einer Chance und gewann hochverdient mit 5:0.. Zur Galerie
Das war ganz stark RB Leipzig: Die Rumpfelf von Trainer Achim Beierlorzer ließ dem Club Brügge KV nicht den Hauch einer Chance und gewann hochverdient mit 5:0.. ©

Bei RB sind alle durchgeimpft. Corona-technisch lustwandeln die Roten Bullen dennoch nicht auf einer Insel der Glückseligen. Jesse Marsch, Teammanager Babacar N'Diaye und Keeper Peter Gulacsi fehlen. Willi Orban kränkelt in der Nacht auf Mittwoch, wird am Spieltag negativ getestet und trotzdem in ein Auto gen Leipzig gesetzt. Das RB-Lazarett ist mit zehn (!) Fußballern prall wie nie zuvor gefüllt.

Aushilfscheftrainer Achim Beierlorzer lässt in Absprache mit Marsch rotieren und, ja, eine Vierer-Abwehrkette ran. Für Gulacsi steht Josep Martinez in seinem dritten Pflichtspieleinsatz für RB seinen Mann. Konrad Laimer spielt für den gesperrten Tyler Adams. Emil Forsberg läuft für den angeschlagenen Dominik Szoboszlai auf. Und: Sprinter Brian Brobbey, im Sommer geräuschvoll aus Amsterdam gekommen, stürmt erstmals von Beginn an. Und wie! Der verletzte Rekordspieler Yussuf Poulsen trägt Trainer-Klamotten und hilft mit beim Warm-up. Man muss ihn einfach lieben, diesen Dänen.

Rein ins Match mit der bekannten RB-Ausgangslage: Siegen oder fliegen. RB mit der ersten Annäherung, Angeliños Strahl geht nach Brobbey-Vorlage neben das Tor (4.). Kurz später fliegt Simon Mignolet erfolgreich einem Mukiele-Schuss hinterher. RB legt eine flotte Sohle aufs Parkett und wird in der zwölften Minute belohnt. Silva scheitert nach Mukieles Steilpass an Mignolet, Christopher Nkunku (wer sonst?) staubt zum 1:0 ab. Auch Brobbey hat zuvor Körper und Bein im Spiel. Apropos: Der Stürmer wird nach Foul von Kamal Sowah zum fliegenden Holländer. Forsberg verwandelt den Elfmeter zum 2:0 (17.). Die Fans des FC Brügge sind eingedenk der Kräftverhältniss entsetzt, pfeifen, brüllen. Manche schweigen. In der 26. Minute kreuzt Brügge erstmals vor Martinez auf, der Spanier rettet vor Bas Dost.

RB bleibt Herr der Lage und trifft schon wieder. Flanke Angeliño, Bogenspannung in Silvas Körper, Kopfball, 3:0 (27.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte geht Forsberg ab wie Schmidts Katze, zieht ab - 4:0. Halbzeit. Was geht denn hier ab?


Wiederbeginn. Forsberg, Held der Arbeit, klärt im eigenen Strafraum. Im Gegenzug hat Nkunku das 5:0 auf dem Fuß. Die Spannung ist raus aus der Nummer. Brügge versucht sich am Anschluss, Leipzig mit vier neuen Spielern (Benny Henrichs, Ilaix Moriba, Hugo Novoa, Solomon Bonnah) am kraftsparendem Erhalt der Führung. RB muss das fünfte Tor machen (Silva), kassiert im Gegenzug fast das 4:1. Keeper Martinez taucht gegen Noa Lang kurz ab. Ein unschöne Rudelbildung und Christopher Nkunkus 5:0 noch, dann ist es vorbei. Sachen gibt‘s...

Die Statistik zum Spiel:

Brügge: Mignolet - Van Der Brempt (60. Mechele), Hendry, Nsoki (46. Ricca), Clinton - Balanta, Vanaken, Lang, De Ketelaere (82. Wesley), Sowah (82. Izquierdo) - Dost (46. Rits).

Leipzig: Martinez - Mukiele, Klostermann (62. Henrichs), Gvardiol (79. Bonnah), Angelino - Laimer (62. Moriba), Kampl, Nkunku, Forsberg - Brobbey (66. Novoa), Silva.

Tore: 0:1 Nkunku (12.); 0:2 Forsberg (17./FE); 0:3 Silva (27.); 0:4 Forsberg (45.+1); 5:0 Nkunku (90.+3).