17. Juli 2020 / 09:52 Uhr

Mainz-Aufsichtsratsboss attackiert RB Leipzig, Hertha und Co.: "Wer seine Seele verkauft, kommt in die Hölle"

Mainz-Aufsichtsratsboss attackiert RB Leipzig, Hertha und Co.: "Wer seine Seele verkauft, kommt in die Hölle"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mainz-Aufsichtsratsboss Detlef Höhne ledert gegen Investoren in der Bundesliga und Klubs mit externen Geldgebern.
Mainz-Aufsichtsratsboss Detlef Höhne ledert gegen Investoren in der Bundesliga und Klubs mit externen Geldgebern. © imago images/Bernd König (Montage)
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Aufsichtsratsboss Detlef Höhne vom FSV Mainz 05 startet einen Frontal-Angriff. Der Funktionär schießt gegen Investoren und Bundesliga-Klubs, die von einem Geldgeber unterstützt werden. Dabei nimmt er vor allem RB Leipzig ins Visier - und verteilt einen Seitenhieb an Hertha BSC sowie die Werksklubs.

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Mit überraschender Klarheit hat Detlef Höhne, der Aufsichtsratsboss des FSV Mainz 05, einen Angriff auf Investoren und Bundesliga-Klubs mit externen Geldgebern gestartet. Im Bild-Interview ledert der 68-Jährige gegen die aus seiner Sicht nicht mehr wirksame 50+1-Regel, die exklusiv in Deutschland vorherrscht und den Einfluss von Investoren begrenzen soll. "Die Corona-Krise zeigt deutlich, dass es keine Wettbewerbsgleichheit in der Liga mehr gibt! Von der Form her sind Freiburg, Schalke und wir die letzten echten Vereine", sagte Höhne.

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Abgesehen von den drei oben genannten Bundesligisten gibt es ausschließlich ausgegliederte Profi-Abteilungen - als AG wie beim FC Bayern und Borussia Dortmund oder als GmbH wie beispielsweise im Fall von Borussia Mönchengladbach sowie dem 1. FC Köln. Besonders ins Visier nimmt Mainz-Boss Höhne die Werksklubs VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen. "Als Mainz haben wir uns früh Gedanken gemacht, wie wir uns über die Krise retten können. Wir müssen mit dem, was wir selber erwirtschaften, durchkommen", betont er. "Bei anderen Klubs ist das egal. Wolfsburg und Leverkusen – da wird ein Minus am Ende einfach vom Konzern ausgeglichen."

Mainz-Boss Höhne: RB Leipzig ist "virtueller Verein"

Auch die Struktur von RB Leipzig stößt beim Aufsichtsratschef der 05er auf Unverständnis. Den sächsischen Bundesligisten nennt er einen "virtuellen Verein" und meint: "Bei RB Leipzig kann die Führung deutlich entspannter arbeiten, wenn man weiß, dass im Hintergrund einer ist, der einem 100 Millionen Schulden erlässt, man keinem Aufsichtsrat Rechenschaft ablegen und lediglich 19 Mitgliedern Rede und Antwort stehen muss, darunter sich selbst."

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Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim, Red Bull bei RB Leipzig und Lars Windhorst bei Hertha BSC - drei Beispiele für Investoren im deutschen Profifußball. Der SPORTBUZZER zeigt in der Galerie noch weitere Geldgeber von der Bundesliga bis zur 3. Liga. ©

Als weiteres aus seiner Sicht warnendes Beispiel nennt Höhne Hertha BSC. "Bei der Hertha in Berlin kauft ein reicher Immobilienunternehmer (Lars Windhorst, d. Red.) 60 Prozent der Profiabteilung. Das will der DFB genehmigen, weil der Investor sagt, dass er dafür nur 49 Prozent Stimmrechte haben will." Genau dies ist Inhalt der 50+1-Regel, nach der ein Investor zwar die Mehrheit des Kapitals der ausgegliederten Profiabteilung eines Klubs, nicht aber die Stimmenmehrheit am Stammverein - und damit die Entscheidungshoheit - halten darf. Für den Erhalt dieser Regelung spricht sich Höhne aus.

Rummenigge contra Fans: Fußball "gehört ihnen nicht"

Der Funktionär des rheinland-pfälzischen Bundesligisten schließt daher auch aus, dass man in Mainz über externe Geldgeber nachdenken wird. "Wir fahren nicht nach Kiew, Moskau oder Dubai auf der Suche nach einem Sack voll Geld", macht Höhne klar - und wird noch deutlicher: "Wer seine Seele verkauft, der kommt in die Hölle! Der Fußball gehört den Fans und nicht einer Handvoll Superreichen, die sich in die Klubs einkaufen." Damit macht er sich bei den Anhängern sicher beliebt, die zuletzt noch von Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge angegangen wurden. "Die Fans sind Teil des Fußballs, aber er gehört ihnen nicht", sagte der 64-Jährige - und erhielt dafür umgehend eine Antwort vom Fan-Bündnis "Unser Fußball", das Rummenigge direkt angesprochen hatte.