16. Oktober 2021 / 10:03 Uhr

Der Mainzer Weg: Wie Sportchef Christian Heidel einen Top-Trainer nach dem nächsten findet

Der Mainzer Weg: Wie Sportchef Christian Heidel einen Top-Trainer nach dem nächsten findet

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mainz 05 darf sich Trainerschmiede loben.
Mainz 05 darf sich Trainerschmiede loben. © Getty Images (Montage)
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Mit Bo Svensson hat Mainz 05 nach Jürgen Klopp und Thomas Tuchel ein weiteres Trainer-Talent hervorgebracht. Es sind die Früchte einer klaren Linie. Sportvorstand Christian Heidel erklärt die Philosophie.

Bundesligist Mainz 05 steht für die wohl beste Trainerausbildung in Deutschland. Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Marco Rose – die Liste der heutigen Toptrainer mit einer Vergangenheit am Bruchweg ist lang. Mit Bo Svensson schmiedet der Klub schon den nächsten Spitzencoach aus den eigenen Reihen. Manager Christian Heidel sei Dank. "Er hat vom ersten Tag an wirklich überzeugt mit seiner Art auf dem Trainingsplatz und dem Umgang mit den Jungs. Das ist eine angeborene Autorität und eine Symbiose aus den Trainern, mit denen er hier in Mainz zusammengearbeitet hat", sagt Heidel vor dem Mainzer Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (15.30 Uhr, Sky) im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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Der Sportvorstand holte den früheren Verteidiger im Sommer 2007 von Borussia Mönchengladbach nach Mainz. 100 Spiele bestritt Svensson unter Tuchel, zehn unter Klopp. Kurz vor seinem Karriereende im Jahr 2014 saß er oft auf der Auswechselbank. Direkt neben Heidel. "Er hat als Ersatzspieler mal reingerufen, sich mit dem Trainer ausgetauscht. Das habe ich mir ein Jahr angehört und intern gesagt: Den nächsten Trainer haben wir schon", erinnert sich der Manager.

Svensson war Bedingung für Heidel-Rückkehr

Svensson unterstützte ab 2015 zunächst Martin Schmidt als Assistent in 13 Partien, dann ging es weiter in die U17 und U19. Als Heidel bei Schalke 04 unter Vertrag stand (2016 bis 2019), verschwand Svensson nach Österreich zum FC Liefering. Und jetzt sind beide seit Januar zurück. "Im Dezember vergangenen Jahres war mir klar, dass ich es nur mache, wenn ich diesen Trainer für Mainz 05 bekomme", sagt der 58-jährige Funktionär. Svensson führte die ­05er mit der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte zum Klassenerhalt.


Als Heidel im April 1992 Manager wurde, kickte Klopp noch selbst für den damaligen Zweitligisten Mainz. "Wir sind wieder mal auf einem Abstiegsplatz angekommen und hatten auch mit den Trainern wenig Glück. Dann entstand die Idee, dass wir uns quasi selbst trainieren, da unsere Mannschaft durch die Zeit mit Wolfgang Frank taktisch besser war als die neuen Trainer", sagt Heidel. Es folgte ein Anruf beim heutigen Liverpool-Trainer Klopp. Der damals 33-Jährige übernahm das Kommando.

"Wenn wir die Jahre mit Klopp nicht gehabt hätten, wären wir heute vermutlich nicht da, wo wir sind. Er hat die Basis für unseren langfristigen Erfolg mitgelegt", sagt Heidel. Nach dem Klopp-Aus im Juni 2008 übernahm Jörn Andersen, der trotz des Aufstiegs 2009 durch Tuchel ersetzt wurde. "Ich habe für ihn den Aufstiegstrainer beurlaubt. So etwas macht man ja sonst nicht. Aber ich war mir einfach zu einhundert Prozent sicher", sagte Heidel, der den heutigen Chelsea-Coach aus der eigenen U19 befördert hatte.

Tuchel schrieb wie auch Klopp ein erfolgreiches Kapitel in Mainz. Der FSV verfolgte anfangs sogar die Idee, Marco Rose als Co-Trainer neben Tuchel zu installieren. "Doch Tuchel wollte einen ausgebildeten Coach als Co-Trainer haben", erklärte Heidel. Rose ging als Assistent in die FSV-Reserve und kehrte über die Umwege Lok Leipzig und RB Salzburg in die Bundesliga zurück. "Schon irgendwie verrückt, dass in Dortmund immer ehemalige 05er landen", lacht der Manager. Nach Klopp und Tuchel ist eben Rose jetzt der nächste auf der Bank des heutigen Mainzer Gegners.

Svensson vor dem Absprung? Heidel: "Jetzt zu früh"

Vielleicht ist Svensson in ein paar Jahren der nächste Ex-Mainzer im Revier. "Ein guter Trainer weiß, dass er es irgendwann schaffen wird – mit dem nötigen Rüstzeug und der nötigen Erfahrung. Für Bo käme dieser Schritt jetzt zu früh. Er sammelt jetzt die Erfahrung, die er braucht. Und dafür gibt es viel schlechtere Stationen als Mainz 05. Bei uns kann ein Trainer ruhig und unaufgeregt arbeiten", sagt Heidel. Wenn am Bruchweg mal irgendwo ein Trainerposten frei ist, "rennen sie uns hier die Bude ein". Klopp, Rose, Tuchel, Meikel Schönweitz (DFB-Cheftrainer der U-Nationalmannschaften), Kasper Hjulmand (Dänemark), Schmidt (Sportdirektor Mainz 05), Sandro Schwarz (Dinamo Moskau) und Svensson können das bestens verstehen.

Die gesamten Aussagen von Christian Heidel über die Mainzer Trainerschmiede findet ihr hier.