23. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Mainz-Boss Schröder exklusiv: "Sandro Schwarz bleibt unser Trainer"

Mainz-Boss Schröder exklusiv: "Sandro Schwarz bleibt unser Trainer"

Sönke Gorgos
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Rouven Schröder steht Rede und Antwort: Während andere Klubs aus dem Tabellenkeller zuletzt ihre Trainer wechselten, hält der Mainz-Sportvorstand an Sandro Schwarz fest.
Rouven Schröder steht Rede und Antwort: Während andere Klubs aus dem Tabellenkeller zuletzt ihre Trainer wechselten, hält der Mainz-Sportvorstand an Sandro Schwarz fest. © TF-Images/Getty Images
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Mainz 05 steckt im Abstiegskampf der Bundesliga. Der SPORTBUZZER sprach mit Sportvorstand Rouven Schröder über die wichtigen Spiele gegen Wolfsburg und den HSV sowie den Trainer-Wahnsinn im Abstiegskampf.

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SPORTBUZZER: Rouven Schröder, können Sie gut schlafen?

Rouven Schröder: Letztes Jahr hatten wir eine ähnliche Situation. Wenn man sich diesen Job aussucht, muss man mit solchen Dingen umgehen. Wenn es gut läuft, ist alles einfach, da tritt jeder gern vor die Kamera. Wenn es nicht läuft, ist das anders. Ich halte es für wichtig, dass man sich trotzdem stellt. Ich kann das gut kanalisieren und – trotz allem – gut schlafen.

Um Mainz 05 scheint der Trainer-Wahnsinn auszubrechen. Fünf Konkurrenten haben den Trainer ausgetauscht. Sie machen den Gegenentwurf und halten weiter an Sandro Schwarz fest. Warum?

Sandro Schwarz ist unser Trainer, aus vollster Überzeugung. Dazu haben wir uns im Vorfeld der Saison entschieden. Wir sind von seiner Arbeit überzeugt und denken nicht nur kurzfristig. Wir gehen gemeinsam unseren Weg, den Weg von Mainz 05. Und diesen eigenen Weg ist der FSV schon immer gegangen, wir haben uns noch nie an anderen orientiert: Nur, weil alle im Keller gewechselt haben, müssen wir das nicht auch tun. Sandro hat seinen Weg im Nachwuchsleistungszentrum absolviert, er hat die Mainzer DNA als Spieler und Trainer aufgenommen. Er ist unser Trainer. Andere Überlegungen sind überhaupt kein Thema.

Sind Sie der Tradition der Mainzer Trainerschmiede verpflichtet? Jürgen Klopp und Thomas Tuchel sind mit die klangvollsten Namen, die der deutsche Fußball zu bieten hat.

Es zeigt zumindest einen Weg, den besagten Mainzer Weg. Wir arbeiten mit Trainern, die aus dem Inneren kommen, gut und gerne zusammen, auch wenn das nicht bedeutet, dass alle Trainer hier grundsätzlich Stallgeruch haben müssen. Wir haben uns aber in diesem Fall dazu bewusst entschlossen - mit aller Konsequenz.

Gehen Überzeugung und Konsequenz so weit, dass Sie mit Sandro Schwarz in die 2. Liga gehen würden?

Sandro Schwarz ist Trainer von Mainz 05 und hat Vertrag für die erste und zweite Liga. Die Frage stellt sich also nicht.

Ist es nicht Pech, dass Wolfsburgs Trainer Martin Schmidt ausgerechnet vor dem Spiel gegen Mainz 05 hinwirft? Sie kennen Ihn aus Mainzer Zeiten perfekt.

Da wird mir zu viel reininterpretiert. Es ist schade, dass Martin als alter Bekannter nicht zurückkommt. Fakt ist: Es kommt ein neuer Trainer, aber die Spieler sind die gleichen. Sie stehen mit den gleichen Punkten da wie vorher. Ein Trainer kann kurzfristig ein, zwei Prozent mehr bringen, trotzdem sind es die gleichen Spieler.

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Tomislav Piplica: Der Pannentorwart von Energie Cottbus ist eine wahre Bundesliga-Legende. Legendär war sein Patzer im Jahr 2002 gegen Borussia Mönchengladbach, als er den Ball mit dem Kopf ins eigene Tor lenkte. ©
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Ändert sich die Vorbereitung?

Das Trainerteam wird auch Sequenzen von Bruno Labbadia in seiner letzten Amtszeit sichten. Trotz allem bleibt der Gegner der VfL Wolfsburg mit gleichem Aufgebot. Wir müssen nicht drum herumreden, dass es ein sportlich hochwertiger Kader ist. Der VfL Wolfsburg ist eine Top-Mannschaft in Deutschland, mit großer individueller Klasse. Wenn man sich die Mannschaft anguckt, ist es sicherlich der Anspruch, unter den ersten Acht zu stehen. Das ist nicht der Fall. Es kommt ein Team zu uns, das wir am Freitag schlagen wollen - aus Selbstvertrauen, Überzeugung und nach einem guten Spiel in Berlin.

Es gibt Erhebungen, die belegen, dass es keinen Effekt bei Trainerwechseln gibt. Warum erliegen viele Vereine dennoch dem Reflex?

Der öffentliche Druck spielt eine wichtige Rolle, der mittlerweile auf allen Kanälen angeschoben wird. Dem Druck irgendwann zu erliegen scheint manchen dann der einfachere Weg zu sein. Trotzdem muss man sich einige Fragen stellen: Was kommt danach? Was ist, wenn der neue Trainer seine ersten zwei, drei oder vier Spiele auch verliert? Wechselt man dann wieder, weil man von dem Mann nicht überzeugt ist? Was nimmt man für einen Trainer? Einen Retter oder einen Entwickler? Was geschieht über den Sommer hinaus? Jeder Verein muss diese Dinge entscheiden. Es kann Situationen geben, wo man spürt, dass es zwischen Mannschaft und Trainer nicht läuft. Man darf aber nie aus dem öffentlichen Druck handeln.

Wie ist die Stimmung in Mainz? Haben sich die Reibereien, die es vor dem Spiel gegen Hertha zwischen Mannschaft und Fans gab, gelegt?

Nach dem Spiel gegen Hoffenheim (2:4, d. Red.) konnten wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir haben in den Gremien und mit den Fanvertretern gesprochen. Wir sind auf die aktive Szene zugegangen. Wir müssen besser in der Kommunikation sein - auf beiden Seiten. Wir müssen als Mannschaft auf dem Platz die Vorlage geben und wurden in Berlin sehr gut unterstützt.

Nach dem Spiel gegen Wolfsburg geht es gegen den HSV. Was erwarten Sie in Hamburg für eine Atmosphäre?

Ich möchte mich da nicht zu äußern. Wichtig ist zunächst das Spiel gegen den VfL. Erst danach werden wir uns in Richtung Hamburg orientieren.

Im Winter haben Sie mit Anthony Ujah und Nigel de Jong Spieler aus China und der Türkei geholt, die entweder kaum gespielt haben oder in einer leidlich konkurrenzfähigen Liga. Waren das Panikkäufe? Was halten Sie dagegen?

Panik habe ich bei den Transfers, die ich getätigt habe, nie gespürt. Tony Ujah kommt aus China, hat aber bewiesen, dass er in der Bundesliga zweistellig treffen kann. Er hat ein gutes Alter. Dass er ein bisschen was kostet, ist normal. Ebenso, dass er noch Bedarf an der letzten Fitness hat. Er ist wichtig für den internen Konkurrenzkampf. Durch die Verpflichtung haben Yoshinori Muto, Robin Quaison und Emil Berggreen einen unglaublichen Leistungsschub erhalten. Wir wissen, was er kann und sind zu 100 Prozent überzeugt, dass er uns weiterhelfen wird. Das hat mit Panik gar nichts zu tun.

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Und Nigel de Jong?

Wir brauchten einen Spieler, der auf dem Feld Erfahrung mit sich bringt - aber auch in der Kabine. Der Dinge erkennt und der weiß, was es heißt, mit Druck umzugehen. Auch wenn er aus mannschaftstaktischen Gründen gegen Berlin nicht gespielt hat, war es gut zu sehen, wie er die Jungs angefeuert und ihnen Tipps gegeben hat. Darüber hinaus hat er in den weiteren Partien seit seiner Verpflichtung starke Leistungen erbracht. Im Grunde geht es darum, dass der Verein Spiele gewinnt.

Hätten Sie im Sommer die 17 Millionen Euro stärker reinvestieren müssen, die sie für Jhon Cordoba eingenommen haben? Einige Neuzugänge wie etwa Kenan Kodro und Alexandru Maxim haben sich nicht sofort als Verstärkungen entpuppt.

Es ist doch so: Heutzutage muss ein Transfer scheinbar sofort funktionieren. Kodro kommt aus Osasuna, wir haben 1,75 Millionen Euro für ihn bezahlt. Er muss sich an die Sprache und die deutsche Liga gewöhnen. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir diesen Spieler erst entwickeln müssen – genau wie damals Jhon Cordoba, der auch seine Zeit gebraucht hat. Dass wir ihn verliehen haben, heißt nicht, dass wir mit ihm unzufrieden sind. Wir können nicht wie finanzkräftigere Vereine acht, neun Millionen Euro für einen fertigen Topspieler ausgeben. Das würde unser Gehaltsgefüge sprengen. Den Spieler, bei dem wir schon vor der Verpflichtung definitiv wissen, dass er ein Volltreffer wird, den gibt es bei Mainz 05 nicht.

Sie sind seit fast zwei Jahren der sportlich Verantwortliche in Mainz. Christian Heidel war 25 Jahre lang Mainz 05, hat diesen Klub gelebt wie kein Zweiter. Ist das deshalb ein Job, bei dem man nur verlieren kann?

Christian Heidel ist eine Ikone. Im Vorfeld haben mir alle gesagt: Das würde ich nicht machen, da kannst du nur verlieren. Ich habe mich dieser Herausforderung gestellt, die Dinge nach bestem Gewissen vorangetrieben. Erst als Sportdirektor, seit Juli 2017 als Sportvorstand. Es war von Anfang an keine einfache Zeit. Es gab die Nebengeräusche um Harald Strutz und Johannes Kaluza – man kann sich ruhigere Szenarien vorstellen. Ich bin trotzdem vom Weg überzeugt. Dass es in Mainz mal stürmisch wird, ist nicht verwunderlich. Nach einer Strukturreform wie Mainz 05 sie jetzt durchgemacht hat, muss sich ja immer erst wieder alles neu schütteln. Und man darf nicht vergessen: Wir haben den zweitkleinsten Etat der Liga.

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Hat Mainz lange über den eigenen Verhältnissen gespielt?

Man hat es über Jahre gut gemacht, aber es gab immer auch Phasen, wo der Klub unten drin stand. In diesem Jahr haben wir mit Stuttgart und Hannover zwei nicht normale Aufsteiger. Es ist eine unglaublich ausgeglichene Liga. Wir stehen mit Traditionsklubs wie Köln, Hamburg, Werder und Wolfsburg in Konkurrenz, obwohl unser Etat geringer ist. Das ist keine Entschuldigung, sondern eine neutrale Beobachtung. Wir müssen wissen, woher wir kommen.

Sie könnten einen Antrag stellen, nur in Mainz zu spielen. Die Auswärtsform ist nicht gut.

Wir haben auswärts gute Spiele gemacht, leider aber nicht die Ergebnisse geholt. Gegen Gladbach haben wir trotz guter Leistung nur Remis gespielt, gegen Leipzig auch. Wir haben das Ding in Berlin überzeugend gedreht, insofern hoffen wir, dass es so weitergeht. Wir werden auch keinen Antrag stellen, dass wir nur in Mainz spielen. (lacht)

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