14. Oktober 2020 / 09:59 Uhr

Malocher im Erzgebirge: Riese ist Aues Mann für die „Drecksarbeit“

Malocher im Erzgebirge: Riese ist Aues Mann für die „Drecksarbeit“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Philipp Riese leistet ganze Arbeit für den FC Erzgebirge Aue.
Philipp Riese leistet ganze Arbeit für den FC Erzgebirge Aue. © Thomas Eisenhuth/Getty Images
Anzeige

Philipp Riese gehört dank seiner Zweikampfstärke und Laufbereitschaft zu den Säulen beim FC Erzgebirge. Nicht nur deshalb lobt Aues Trainer Dirk Schuster den Mittelfeldmann, der am Sonntag auf seinen Ex-Verein trifft.

Anzeige

Aue. Er glänzt regelmäßig mit den besten Laufwerten im Team, ist extrem zweikampfstark und legt sich im Zweifelsfall auch mal lautstark mit den Gegenspielern an: Philipp Riese gehört zu den Profis, die die „Drecksarbeit“ beim FC Erzgebirge Aue verrichten. „Ein kleiner Terrier, der an dir dran hängt und dir keinen Zentimeter Platz lässt“, beschrieb Kapitän Martin Männel mit einem Augenzwinkern einst seinen Mitspieler. Für Dirk Schuster ist Riese aber mehr als nur ein zuverlässiger Mittelfeld-Malocher. „Wie sich Philipp durch seine Leistung und durch sein Auftreten auf und neben dem Feld positioniert, das geht schon Richtung Typ“, sagt der Cheftrainer des sächsischen Fußball-Zweitligisten über den 30-Jährigen.

Schuster hatte unlängst kritisiert, dass charakterstarke Persönlichkeiten im Profifußball kaum noch zu finden sind: „Innerhalb des Fußballs sterben die Typen immer mehr aus. Damit meine ich Leute, die sagen, was sie denken – etwas, das für Zuschauer interessanter sein kann als die Worthülsen, die man sonst oft nach einem Spiel zu hören bekommt.“ Dass Schuster auf Nachfrage, wer denn in der Auer Mannschaft „ein Typ“ sei, einzig den Namen Riese nannte, kam beim gebürtigen Neubrandenburger gut an: „Ich habe mich sehr darüber gefreut. Es ist auch ein Ergebnis der harten Arbeit, die ich jede Woche abliefere.“

Mehr zu Erzgebirge Aue

Die Bezeichnung „Musterprofi“ würde Riese für sich persönlich allerdings „nicht unbedingt unterschreiben“. Aber „ich mache auf jeden Fall viel dafür, dass ich jede Woche meine bestmöglichen Leistungen abrufen kann“. Der zentrale Mittelfeldspieler ist vor jeder Übungseinheit einer der Ersten auf dem Trainingsgelände in Aue. Ist es aus seiner Sicht notwendig, schiebt Riese hinterher noch Sonderschichten.

„Für mich ein Spiel wie jedes andere“

Im vergangenen Spieljahr bildete er noch mit Clemens Fandrich eine eingespielte und gut harmonierende „Doppelsechs“. Weil Fandrich zum Saisonstart verletzungsbedingt ausfiel, rückte Neuzugang Ognjen Gnjatic auf seine Position. „Eine gewisse Umgewöhnung war schon dabei. Ognjen ist ein anderer Spielertyp als Clemens. Man hat in den ersten beiden Spielen aber gesehen, dass es bereits ganz gut funktioniert hat“, sagt Riese, der seit 2015 das Auer Trikot trägt und seitdem 153 Pflichtspiele für die „Veilchen“ absolviert hat.

Am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gastiert mit dem 1. FC Heidenheim sein Ex-Verein in Aue. „Ich war nur ein Jahr da. Für mich ist es ein Spiel wie jedes andere“, meint der Glatzkopf, der das Team von FCH-Trainer Frank Schmidt als „unglaublich guten Gegner“ bezeichnet. „Sie leisten Jahr für Jahr hervorragende Arbeit und haben in der letzten Saison nicht umsonst Relegation gespielt. Aber wir sind zu Hause und wollen mit der Unterstützung unserer Fans, egal, wie viele es am Ende sein werden, die drei Punkte hier behalten.“

„Die Gesundheit steht über allem“

Weil der Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen deutlich überschritten wurde, ist der Erzgebirgskreis als Risikogebiet eingestuft worden. Laut einer neuen Allgemeinverfügung des Landkreises dürfen maximal 500 Zuschauer ins Stadion. „Der Umgang mit der Corona-Krise ist für die gesamte Bevölkerung sehr schwer. Wir Fußballer sind durch die regelmäßigen Testungen etwas befreiter, da wir immer wissen, woran wir sind“, betont Riese.

Erst Anfang Oktober musste das Spiel der „Veilchen“ beim Hamburger SV wegen zwei unklaren Testergebnissen im Auer Team kurzfristig abgesagt werden. Die Mannschaft, die sich schon in Hamburg befand, reiste noch in der Nacht zurück. Erst die Nachtests brachten die Gewissheit, dass sich niemand infiziert hat. So ein Ereignis lässt auch einen gestandenen Profi wie Riese nachdenklich werden: „Gerade als Familienvater ist es mir wichtig, dass die Kinder und die Frau gesund sind. Die Gesundheit steht schließlich über allem.“ dpa