05. Februar 2021 / 16:33 Uhr

Neuruppiner Malte Karbstein: Dauerbrenner am Bieberger Berg

Neuruppiner Malte Karbstein: Dauerbrenner am Bieberger Berg

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Malte Karbstein spielt mit den Offenbacher Kickers um den Drittliga-Aufstieg. Der Linksfuß ist eine absolute Stammkraft.
Malte Karbstein spielt mit den Offenbacher Kickers um den Drittliga-Aufstieg. Der Linksfuß ist eine absolute Stammkraft. © imago images/Jan Huebner
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Der 23-Jährige hat beim Südwest-Regionalligisten Kickers Offenbach noch keine Spielminute verpasst – und träumt vom Aufstieg in die 3. Fußball-Liga.

Mit einem Pünktchen musste sich Malte Karbstein an seinem 23. Geburtstag am vergangenen Samstag zufrieden geben. Das 1:1 bei der Reserve des FSV Mainz 05 war für die ambitionierten Offenbacher Kickers, für die der gebürtige Neuruppiner seit letztem Sommer in der Fußball-Regionalliga Südwest spielt, im Kampf um den Aufstieg in die 3. Liga ärgerlich. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter TSV Steinbach Haiger, verloren ist laut Karbstein noch lange nichts. „Wir haben erst 19 von 42 Partien absolviert. Das wird bis zum Saisonende spannend bleiben, wir werden da auch ein Wörtchen mitreden“, ist sich der Linksfuß sicher.

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Vor dieser Spielzeit schloss sich Malte Karbstein dem OFC an, nachdem sein Vertrag bei Werder Bremen II auslief. An der Weser trainierte er hin und wieder unter Cheftrainer Florian Kohfeldt mit der Bundesliga-Mannschaft und absolvierte sogar Testspiele an der Seite von Max Kruse, Davy Klaasen oder Nuri Sahin. Der große Durchbruch blieb ihm jedoch verwehrt. Zuvor kickte Karbstein, der beim MSV Neuruppin das Fußball-Abc erlernte, viele Jahre beim FC Energie Cottbus – erst in der Jugend-Bundesliga, im Männerbereich dann in der 3. Liga und der Regionalliga Nordost. Dass er mit den Kickers derzeit Woche für Woche seiner Leidenschaft nachgehen kann, bezeichnet er selbst als „großes Glück“.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Energie Cottbus – und was aus ihnen wurde.

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Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. ©

Denn die vierte Liga, bundesweit in fünf Staffeln organisiert (Südwest, West, Nord, Nordost und Bayern), bewegt sich seit Jahren im Grenzbereich zwischen Breitensport und Vollprofitum. Wie vage das Geschehen in der Regionalliga ist, wird inmitten der Corona-Pandemie noch deutlicher. Während im Norden und Nordosten sowie in Bayern der Spielbetrieb ruht, wird im Westen und Südwesten gespielt. „Ich bin sehr froh, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Saison fortzusetzen. Die Entwicklung vieler junger Spieler in den anderen Staffeln stagniert momentan, das ist extrem schade, man wird ja auch nicht jünger“, weiß Karbstein.


In seiner neuen Heimat am Main ist er längst angekommen, fühlt sich sowohl privat als auch sportlich pudelwohl. „Ich hatte mich recht früh für Offenbach entschieden, weil viele Punkte für die Kickers gesprochen hatten“, verrät der Innenverteidiger, der voll des Lobes ist: „Der OFC ist ein traditioneller Klub, wie ich es auch aus Cottbus kannte. Wir haben hier ein tolles Stadion, tolle Rahmenbedingungen und normalerweise auch viele Fans.“ Bislang kam Malte Karbstein noch nicht in den Genuss, am Bieberer Berg vor Zuschauern zu spielen. Doch auch ohne die lautstarke Unterstützung spielte sich der schlaksige 1,90-Meter-Mann ins Rampenlicht.

"Als Sportler immer nach Höherem streben"

Keine einzige Minute verpasste der Dauerbrenner bislang – auch, weil er sich mit der Spielidee identifizieren kann: „Wir suchen fußballerische Lösungen, spielen einen flachen Ball und kreieren so unsere Chancen.“ Neben seinen Defensivaufgaben – Karbstein ist kopfballstark und eröffnet das Spiel mit gutem Auge von hinten heraus – überzeugt er auch im Angriff: zwei Tore und ein Assist belegen dies. Und dennoch sind die Kickers aktuell nur Sechster. „Vor der Saison gab es einige Neuzugänge, uns fehlt noch ab und zu die Konstanz, zuletzt gab es drei Unentschieden in Serie. Wir haben viel Qualität in unseren Reihen, sind ambitioniert und wollen so lange es geht um den Aufstieg mitspielen“, betont Karbstein.

Die Drittklassigkeit ist auch sein persönliches Ziel – wenn nicht sogar noch mehr: „Man sollte als Sportler immer nach Höherem streben, muss aber auch Glück haben und verletzungsfrei bleiben. Am liebsten würde ich mir mit den Kickers diese Wünsche erfüllen.“ Einfach wird dies aber nicht, weiß der Mann mit der Nummer 15: „Ich kann ja vergleichen und der Südwesten ist stärker. Die Leistungsdichte ist hoch, es gibt mit Elversberg, Steinbach, SSV Ulm oder dem FSV Frankfurt gleich mehrere Topvereine.“

Heute reisen die Kickers zum Bahlinger SC, die in den letzten sechs Partien nur ein Gegentor hinnehmen mussten. „Es wäre wichtig, als Sieger vom Platz gehen“, gibt der Neuruppiner, der über die Weihnachtsfeiertage bei seinen Eltern in Dabergotz war und heute wieder die nächsten Minuten sammeln will, die Marschroute vor.