22. Oktober 2021 / 17:29 Uhr

Mama, Magath und Co.: Wer für Wolfsburgs Arnold auf dem Weg zum Rekord wichtig war

Mama, Magath und Co.: Wer für Wolfsburgs Arnold auf dem Weg zum Rekord wichtig war

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Stationen - von oben im Uhrzeigersinn: Maximilian Arnold in der Dresdner U13, mit Marcel Schäfer nach dem Pokalsieg, sein Jugendcoach René Schäfer, seine Ehefrau Jenny, sein erster VfL-Trainer Manfred Mattes und Felix Magath, der Arnold erstmals in der Bundesliga einsetzte.
Stationen - von oben im Uhrzeigersinn: Maximilian Arnold in der Dresdner U13, mit Marcel Schäfer nach dem Pokalsieg, sein Jugendcoach René Schäfer, seine Ehefrau Jenny, sein erster VfL-Trainer Manfred Mattes und Felix Magath, der Arnold erstmals in der Bundesliga einsetzte. © imago images / privat / hermstein / dynamo-dresden.de
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Beim Spiel gegen den SC Freiburg wird Maximilian Arnold zum alleinigen Bundesliga-Rekordspieler des VfL Wolfsburg. Im SPORTBUZZER erzählt der Mittelfeld-Mann, wer für ihn auf dem Weg zu diesem Rekord besonders wichtig war.

Im Duell mit Union Berlin hat Maximilian Arnold den langjährigen VfL-Kapitän Diego Benaglio als Rekordspieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten eingeholt, am Samstag im Duell mit dem SC Freiburg zieht das Klub-Eigengewächs am ehemaligen Top-Torhüter vorbei. Arnold wird dann sein 260. Erstligaspiel für die Niedersachsen machen. Zuvor spricht er im SPORTBUZZER über besonders wichtige Personen auf seinem Weg zum Rekordspieler des Klubs.

Seine Jugendtrainer

Mit sechs Jahren beginnt Arnold beim SV Strehla mit dem Fußballspielen. Drei Jahre kickte er da, dann ging es zum SC Riesa. 2009 der Wechsel zu Dynamo Dresden. „Es gab Probleme mit meinem damaligen Verein SC Riesa. Die waren nicht so begeistert davon, dass ich ausgerechnet zum großen Rivalen wechsle“, erinnert sich Arnold. Aber: „René Schäfer, der damals U12-Trainer von Dynamo war, hat sich zusammen mit dem DFB-Stützpunkttrainer Rudolf Reiter dafür eingesetzt, dass der Wechsel zustande kommt und ich auf die Sportschule in Dresden gehen konnte.“ In fast jeder Sommerpause besucht Arnold das Jugendteam von Schäfer. „Ich sieze ihn immer noch, wir schreiben uns regelmäßig. Er hat mich in meiner fußballerischen Entwicklung entscheidend weitergebracht. Er hat gesagt: ,Du musst mehr mit deinem rechten Fuß machen.‘ Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich den heutzutage ganz gut einsetzen kann“, sagt der Mittelfeldspieler.

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Seine Eltern

Mit 15 wechselte Arnold von Dynamo Dresden zum VfL ins Internat. Seine Mama Heike und sein Stiefvater Frank spielten oft Taxi. Arnold: „Ich habe ja noch drei weitere Geschwister, zwei Stiefgeschwister, alle hatten damals ihre Hobbys, aber der Fußball stand bei uns fast immer im Vordergrund. Das war mir gar nicht so bewusst. Aber jetzt ist mir schon klar, auf wie viel meine Geschwister verzichten mussten.“ Nie vergessen wird er den Sommer 2009, die Tage vor seinem Wechsel nach Wolfsburg. Die Familie machte Urlaub in Ungarn am Plattensee. Arnold: „Meine Mama ist während des Urlaubs mit mir mit dem Zug von Budapest nach Dresden gereist, zehneinhalb Stunden. Dann sind wir noch kurz nach Hause und haben Sachen gepackt und sind am nächsten Tag nach Wolfsburg gefahren. Nach dem Nachmittags-Training ist sie dann nach Hause gefahren, bevor sie am Tag danach wieder zehneinhalb Stunden mit dem Zug zurück zur Familie nach Ungarn gefahren ist. Wahnsinn.“

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Sein erster Coach in Wolfsburg

Arnold war Ex-Profi Silvio Meißner (kickte unter anderem beim VfB Stuttgart) bei einem U14-Sichtungslehrgang aufgefallen. Meißner empfahl dem damaligen VfL-Nachwuchskoordinator Bernhard Janssen, mal Arnold zu beobachten. „Janssen hat das Ding hier eingetütet“, erzählt Arnold und fügte schmunzelnd hinzu: „Ich hatte einen riesen Vertrag, habe gleich richtig Kohle verdient...“ Wie viel es genau war, mag Arnold nicht verraten: „Dreistellig, aber sehr, sehr niedrig.“ Manfred Mattes war sein erster Coach beim VfL. „Der war schon geil. Obwohl ich anfangs hier ein bisschen Probleme hatte, war er für mich da. Das erste Mal richtig weit weg von zu Hause und dann erstmals richtig Konkurrenz – das kannte ich so nicht. In Dresden hatte ich immer gespielt“, erinnert sich der heute 27-Jährige. Mattes half ihm, in Wolfsburg Fuß zu fassen. „Manni hat nie etwas auf seine Spieler kommen lassen.“ Auch heute haben beide noch einen Draht zueinander, „nicht mehr regelmäßig, aber wenn man sich sieht, quatschen wir natürlich“.

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Seine „Internats-Mama“

Arnold kannte das Leben in einem Internat aus Dresden, aber da waren es nur 70 Kilometer bis nach Hause, an den Wochenenden fuhr er regelmäßig zur Familie. Nach dem Wechsel nach Wolfsburg waren es plötzlich „knapp 300 Kilometer“. Hier und da kam Heimweh auf. Wenn Arnold mental am Boden lag, half ihm Christine Grunert, eine Mitarbeiterin im VfL-Internat, wieder auf die Beine. „Sie hat mich dann auch mal in den Arm genommen“, erzählt Arnold. Der Kontakt ist nie abgerissen. Auch Arnolds Kinder kennen Grunert. Der VfL-Profi: „Für sie ist sie so etwas wie die Wob-Oma.“

Seine wichtigste Bezugsperson bei den Profis

„Das war ganz klar Schäfi“, betont Arnold und meint damit Marcel Schäfer, den heutigen Sportdirektor des Klubs, mit dem er lange Jahre zusammengespielt hatte. „Er hat mich an die Hand genommen, ich konnte ihn alles fragen.“ Schäfer war auch neben dem Platz für ihn da. „Ich hatte damals ja noch keinen Führerschein, aber Schäfi hat mich abgeholt und zum Training mitgenommen und er hat mich auch wieder nach Hause gebracht“, erzählt Arnold und fügt hinzu: „Er ist in vielerlei Hinsicht mein Vorbild. Im Fußball ist ja viel Geld im Spiel, Menschen kann das verändern. Aber bei Marcel ist das nicht so.“ Heute ist Schäfer Arnolds Vorgesetzter. Beide kriegen die Trennung zwischen Beruflichem und Privatem bestens hin. Arnold: „Ich habe im Fußball nicht viele Freunde gefunden, aber Marcel ist einer, ganz klar.“


Sein wichtigster Trainer im Profibereich

„Ich habe von allen etwas mitgenommen“, so Arnold. Wolfsburgs Meistertrainer Felix Magath hatte die Tür für ihn zum Profi-Fußball aufgemacht, er ließ ihn mit 17 Jahren als bis heute jüngsten Wolfsburger sein Bundesliga-Debüt feiern - vier Minuten hatte Arnold Ende November 2011 beim FC Augsburg ran gedurft. Bei Dieter Hecking kam er regelmäßig zu Einsätzen. „Bei ihm bin ich Profi geworden“, sagt Arnold. „Aber den größten Schritt in meiner Karriere habe ich unter Oliver Glasner gemacht.“ Der ehemalige VfL-Coach (jetzt Eintracht Frankfurt) hatte den Klub in der vergangenen Saison in die Champions League geführt – unter ihm stieg Arnold zum VfL-Mittelfeldchef auf. „Ich kann nichts Negatives über ihn sagen – unser Verhältnis war immer offen und ehrlich.“ Das gelte aber auch für das zu Mark van Bommel, den Nachfolger von Glasner in Wolfsburg. Arnold über den ehemaligen Top-Spieler: „Als wir das erste Mal miteinander telefoniert hatten, dachte ich so: ,Puh, was sagst du dem jetzt?‘ Das Gespräch war krass und ich war ein bisschen überrascht davon, was er für eine menschliche Seite hat.“ Van Bommel war als Spieler für seine rigorose Art auf dem Platz bekannt.

Seine Frau Jenny

2008 sahen sie sich zum ersten Mal, seit Januar 2011 begleitet sie ihn regelmäßig, im Sommer 2018 wurde geheiratet, die Söhne (2 und fast ein Jahr alt) besuchen den Papa öfter beim Training oder sind bei den Spielen in der Arena mit dabei. „Meine Frau kennt dieses Leben, was wir Fußballer haben, schon lange. Sie weiß, was für Vor- und welche Nachteile es haben kann“, schildert Arnold und erzählt, dass er mit seiner Frau auch mal über Fußball spricht. „Sie haut schon mal einen raus. Sie hat schon Ahnung“, erzählt der Wolfsburger. Aber seine größte Kritikerin sei sie nicht. Arnold grinsend: „Meistens weiß ich das selbst, dafür brauche ich meine Frau nicht...“