04. Juni 2020 / 15:50 Uhr

Manager Fliegauf von der Grizzlys Wolfsburg verrät: DEL plant internes Vorbereitungsturnier 

Manager Fliegauf von der Grizzlys Wolfsburg verrät: DEL plant internes Vorbereitungsturnier 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Fliegauf
Grizzlys-Manager Charly Fliegauf: Er hat die neue Saison im Blick und hofft, dass es bald Grundlagen-Infos für die Hallennnutzung gibt. © Archiv
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Kann eine neue Eishockey-Saison überhaupt gespielt werden? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? In der DEL machen sich die Klubs viele Gedanken, Manager Charly Fliegauf von den Grizzlys Wolfsburg ist eine der Fürungsfiguren unter den Sportlichen Leitern im Oberhaus. Im SPORTBUZZER-Interview berichtet er von den nächsten Schritten und verrät, dass es ein liga-internes Vorbereitungsturnier geben könnte. 

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Im Eishockey-Oberhaus hoffen die Klubs, dass sie die kommende Saison einigermaßen regulär spielen können, damit sie überleben können. Die Grizzlys Wolfsburg haben ihre Lizenzierungsunterlagen komplett. Noch sind nicht alle Klubs soweit. Die Corona-Epidemie setzt allen zu, dennoch planen sie natürlich die neue Saison. Wie das in Wolfsburg läuft, darüber spricht Grizzlys-Manager Charly Fliegauf, seines Zeichens auch Sprecher der DEL-Sportkommission (Zusammenschluss der Sportlichen Leiter der DEL) im SPORTBUZZER-Interview und verrät, dass es ein DEL-internes Vorbereitungsturnier geben könnte.

Eishockey: Grizzlys Wolfsburg - RB München

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Eishockey: Grizzlys Wolfsburg - RB München © Boris Baschin

Herr Fliegauf, wie geht es Ihnen und wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag, zuletzt schien Ihr Kalender unter anderem mit der Erarbeitung der Lizenzunterlagen und den Gesprächen mit den Profis über den Gehaltsverzicht ziemlich prall gefüllt…

Mir geht es gut. Das Arbeitspensum lässt ein bisschen nach, es ist ein wenig ruhiger geworden, Gottseidank. Aber es gibt weiterhin jede Menge zu tun.

Die großen Profi-Sportverbände (Handball, Eishockey, Basketball) sind jetzt in der Politik vorstellig geworden, man sucht finanzielle Unterstützung...

Das sehe ich grundsätzlich positiv, wir Profi-Klubs sind auch Wirtschaftsunternehmen, finanzielle Hilfen würde ich sehr begrüßen. Man muss abwarten, aber es ist gut, dass wir von der Politik mit einbezogen werden. Sport ist in unserer Gesellschaft ein großer, wichtiger Faktor, deshalb ist es wichtig, dass man sich auch auf dieser Ebene um den Sport kümmert.

Unter anderem mit dem Gehaltsverzicht haben sich die Klubs ein Sparkonzept auferlegt. Wär ein kleinerer Kader, bei möglicherweise verkürzter Saison, nicht auch eine Überlegung wert?

Ich glaube nach wie vor, dass es – wenn wir spielen, und davon gehe ich nach wie vor fest aus – nur Sinn macht mit mindestens einer kompletten Hauptrunde. Und wenn es vielleicht später losgeht, wird es relativ komprimiert mit engem Spielplan. Deshalb glaube ich nicht, dass man da große Chancen hat mit einer kurzen Bank. Zumal wir, Stand jetzt und so ist es ja auch in dem Kooperationsvertrag zwischen DEL und DEL 2 verankert, erstmals wieder Auf- und Abstieg haben. Da sollte man sich auf so ein Vanbanque-Spiel mit kurzer Bank nicht einlassen.

Ob gespielt werden kann, ist offen. Dennoch, so hat es auch ihr Kapitän Sebastian Furchner jüngst gesagt, sollte man sich zeitig über das Wie Gedanken machen. Wie kann man spielen? Läuft da in Wolfsburg schon was?

Wir haben bei der Stadt, der ja die Arena gehört, die Anfrage nach der Hallennutzung gestellt. Da wir ja nur Mieter der Halle sind wollen wir wissen und brauchen dringend Informationen, wie wir die Halle nutzen dürfen. Es gibt jetzt einen Termin. In diesem Monat, nach dem 18. Juni, soll mit der Stadt besprochen werden, wie es möglich wäre, mit entsprechenden Konzepten die Halle zu nutzen. Das wird dann auch ein Parameter sein für eine Entscheidung, ob man den Spielbetrieb, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, aufnehmen kann.

Läuft das ligaweit so?

Ja, die DEL hat schon entsprechende Anfragen an uns gestellt. Jeder Standort muss für sich die Entscheidung treffen, ob es, falls es im September immer noch Nutzungsbeschränkungen gibt, Sinn macht oder nicht. Jeder Standort hat seine eigenen Voraussetzungen, was seinen Hallenbetreiber angeht, seine Kapazität, wie viele Zuschauer er in seinem Haushalt kalkuliert hat, zum Beispiel. Nur spielen, aber ohne Zuschauer, das muss man klar sehen, das wird in der DEL nichts. Dann fressen die Kosten uns auf, dann spielen wir nicht.

Haben Sie es schon mal durchgerechnet?

Wenn ich es mal nach dem Abstand kalkuliere, der momentan vorgegeben ist, dann werden es womöglich bei uns keine 800 sein. Ich würde schon gern in den nächsten zwei, drei Wochen Genaueres wissen, wie unsere Halle nutzbar sein könnte. In den nächsten Wochen wollen und müssen wir wissen, wenn wir spielen dürfen, mit wie vielen Besuchern. Das kann uns nur die Stadt sagen. Letztlich dürfte es auch bei den anderen Standorten an den Kommunen liegen.

Treibt die DEL derlei Planungen auch voran?

Sie wird sicher den Klubs aufgeben, in diese Richtung die Hausaufgaben zu machen. Zugleich arbeitet auch die DEL an Hygienekonzepten, auch für das Spiel. Viele Dinge laufen parallel. Aber wir brauchen eine Entscheidungsgrundlage.

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Spielplan für ein mögliches Vorbereitungsturnier schon in Arbeit

Die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise, wie sieht es bei den Grizzlys mit den Sponsoren aus?

Da kann ich sagen, da ist ein sehr positiver Trend. Wir haben niemanden verloren, der wegen der aktuellen Situation nicht mehr kann oder will. Es gibt keine Anzeichen, dass wir hier einen Einbruch befürchten müssen. Möglicherweise muss man sich ein wenig arrangieren, was Zahlungsziele betrifft, schließlich können wir den Sponsoren ja auch noch nicht sagen, ob und wann wir spielen. Auch deshalb versuchen wir jetzt, möglichst wenig Geld auszugeben. Die Kosten sollen uns nicht auffressen.

Für den langjährigen Grizzlys-Caterer Nafi Öztan, der auch den VIP-Raum gastronomisch versorgt, ist es eine sehr schwierige Lage, oder?

Für ihn ist es super schwierig. Die Saison wurde vor den Play-Offs abgebrochen, sein Sommergeschäft mit Veranstaltungen konnte er wegen Corona auch nicht machen, wir können ihm im Moment noch nicht helfen, ihm auch nicht sagen, wie es weitergeht. Es heißt wie für uns, durchhalten

Mal zum Sportlichen – im Kader gibt es noch ein paar Lücken...

Am Mittwoch habe ich länger mit unseren Trainern gesprochen, wir sind unseren Kader noch mal durchgegangen, haben die Planungen weiter verfeinert. Wenn wir das Go haben, was unsere Lizenz betrifft, sind wir schnell wieder am Markt und können unsere Positionen schnell besetzen. Aber das ist auch so ein Punkt, wo vieles zusammenfließt. Da spielt auch wieder rein, wann wir spielen können, denn dem Spieler kann ich das ja nicht konkret sagen. Ich bereite mit den Agenten alles vor, um dann, wenn Klarheit da ist, den Vertrag final fix zu machen.

Wie könnte denn die Testspiel-Phase unter Corona-Bedingungen laufen?

Im Gespräch ist ein Vorbereitungsturnier, das von der Liga an gesetzt wird, vielleicht einen Telekom-Cup oder wie man immer das dann auch nennt, wo man dann vier oder sechs Spiele hat, die fest terminiert sind. Oder Turniere an mehreren festen Standorten unter regionalem Aspekt, wo dann beteiligte Teams hinreisen.

Das klingt schon recht konkret…

Wenn es keinen Start am vorgesehenen Termin 18. September gibt, dann wird es eine Vorbereitung geben, die für alle gleich ist – ein kleiner Spielplan, der schon in Arbeit ist. Vier bis sechs Spiele als Vorbereitung für jeden. Den schiebt man dann noch vorne oder nach hinten, je nachdem, wann es in der DEL losgehen kann. Wir müssen ja auch etwas tun für unseren Fernsehpartner, der ja wegen der ausgefallenen Play-Offs quasi keine Leistung von den Klubs bekommen hatte. Drei bis vier Spiele an einem Tag wären denkbar, eine komprimierte Vorbereitung wäre gar nicht schlecht und für unseren TV-Partner wäre es auch gut. Alles hängt aber letztlich wieder an der einen Frage – wann wird Liga-Start sein.

Wagen Sie da eine Prognose?

Nein. Fakt ist, dass die Fußball-Bundesliga den Saisonstart für den 11. September plant. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Bundesliga-Klubs mit einer Saison ohne Zuschauer überleben können. Dort dürften auch Konzepte mit gewissen Zuschauerkapazitäten erarbeitet werden. Daraus könnte das Eishockey dann vielleicht auch gewisse Parameter ableiten.