09. Oktober 2021 / 14:03 Uhr

96-Manager Mann über den Umbruch: "Saisonstart hat uns bestärkt, mehr zu tun als vorgesehen"

96-Manager Mann über den Umbruch: "Saisonstart hat uns bestärkt, mehr zu tun als vorgesehen"

Andreas Willeke,  Dirk Tietenberg  und Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Manager Marcus Mann hat seit seiner Verpflichtung einen großen Umbruch mit Hannover 96 durchlaufen.
96-Manager Marcus Mann hat seit seiner Verpflichtung einen großen Umbruch mit Hannover 96 durchlaufen. © Florian Petrow
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Seit Juni 2021 ist Marcus Mann neuer Manager von Hannover 96. Seine Verpflichtung ist einer von vielen Personalwechseln der Roten in diesem Jahr gewesen. Im ersten Teil des SPORTBUZZER-Interviews spricht der 37-Jährige über den XXL-Umbruch im Sommer und den Saisonstart.

Marcus Mann, 96 steht nur auf Platz 13, dennoch macht sich eine gewisse Zufriedenheit breit. Sind Sie auch ganz entspannt?

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Wir haben das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die drei Punkte aus dem Sandhausen-Spiel fehlen uns leider. Man muss die ersten Spiele anders bewerten als die letzten vier. Seitdem haben wir uns stabilisiert in Leistung und Ergebnissen. Tabellarisch haben wir aber den Anspruch, noch ein bisschen zu klettern.

Wie sehr hat Sie der verpatzte Saisonstart erschreckt?

Mir macht – wie allen bei uns – gewinnen mehr Spaß, als zu verlieren. Die Heimniederlage am zweiten Spieltag gegen Rostock haben wir nicht erwartet, komplett beunruhigt waren wir aber nicht. Uns war bewusst, wo wir herkommen, welche Probleme entstehen können. Wir wussten, woran es lag, und haben versucht, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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Wäre der Umbruch auch so groß ausgefallen, wenn die Partien gegen Rostock, Dresden und Darmstadt anders gelaufen wären?

Zum einen ist er größer ausgefallen als geplant, weil wir mehr Abgänge als geplant hatten. Bei Ducksch, Falette, Basdas und Stehle war Ende Juni nicht klar, dass sie einen neuen Verein finden. Der Saisonstart hat uns dann bestärkt, mehr zu tun als vorgesehen und das, was wir bereits als Gefühl im Hinterkopf hatten, umzusetzen.


War es notwendig, die Mentalität des Teams umzukrempeln?

Es hat in der ersten Phase an der einen oder anderen Stelle offensichtlich gehakt und wir haben das auch angesprochen. Das würde jetzt keiner mehr machen, weil wir überzeugt sind und jeden Tag sehen, dass der Zusammenhalt und die Einstellung passen. Das frische Blut hat der Mannschaft gutgetan. Man kann insofern schon sagen, dass sich die Mentalität der Mannschaft in den vergangenen Wochen verbessert hat.

Ein anderes Problem ist die fehlende Konstanz.

Wenn wir am 1. September einen Schnitt machen, dann haben wir aus vier Spielen sieben Punkte geholt. Leistungsmäßig haben wir nach dem Ende der Transferphase Stabilität reinbekommen. Uns fehlt derzeit noch, aus unseren guten Phasen im Spiel mehr mitzunehmen.

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Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Da sind wir bei dem Problem, mit dem sich 96 auch schon in der vergangenen Saison herumgeschlagen hat: Es fallen zu wenig Tore.

Das Toreschießen muss auf verschiedene Schultern verteilt werden. Wir haben definitiv in den letzten beiden Spielen zu wenig Tore erzielt. Die neue Sturmreihe spielt aber erst seit vier Partien zusammen. Fünf Tore sind gefallen, da ist die Quote im Rahmen, auch wenn es kein Wert von Bayern München ist. (lacht)

Fassen wir das doch alles so zusammen – die Saison ist für 96 erst am 1. September losgegangen?

Sagen wir so: seitdem die neue Mannschaft zusammenspielt, vor allem, was die Offensive angeht. Sie versuchen, die neuen Dinge umzusetzen. Das Miteinander, die Stimmung ist sehr gut.

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Waren Sie baff, als Sie gehört haben, was das wirtschaftlich angeschlagene Werder für Ducksch zahlen wollte, es sollen erst mal 3,2 Millionen Euro Ablöse sein?

Es steht mir nicht zu, über Werder zu sprechen. Für uns ist es eine Summe, die nicht alltäglich ist. Da hat man als Hannover 96 die Pflicht, wirtschaftlich zu denken. Wohl wissend, dass wir Ersatz brauchen und Marvin eine Quote hatte, die er in Bremen wohl auch wieder erreichen dürfte. Marvin wollte bei uns nicht verlängern, und einen Stürmer für zehn Monate zu halten, der gehen möchte, wäre wirtschaftlich unvernünftig gewesen.

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Lukas Hinterseer haben Sie erst kurzfristig kontaktiert?

Wir hatten schon länger Kontakt, wussten aber, dass es schwer wird, ihn von seinem Verein in Südkorea wegzubekommen. Es gab auch andere Zweitligisten, die mit dem Gedanken gespielt haben, Lukas zu verpflichten – die aber auch die Ansage kannten, dass es vermutlich nicht klappt. Dann hat es vom Timing gepasst, wir haben zum richtigen Zeitpunkt noch mal nachgefragt. Dann ging es ruckzuck.

Erwarten Sie von Hinterseer die Ducksch-Quote von etwa 15 Toren?

Nein. Lukas ist ein anderer Typ, der auch andere Spieler einsetzen kann oder versucht, andere Spieler besser aussehen zu lassen. Lukas hat eine andere Wertigkeit für die Mannschaft, für das Miteinander, für die Art und Weise, wie wir spielen wollen. Dennoch wünschen wir ihm und auch uns, dass sein erstes Tor bald fällt. Der Knoten wird irgendwann platzen. Man braucht aber keinen Stürmer, der 20 Tore schießt, um erfolgreich zu sein.