12. November 2020 / 14:45 Uhr

Manager spielen, Skype-Treffen: So hält Kapitän Krull seinen MTV Gifhorn auf Kurs

Manager spielen, Skype-Treffen: So hält Kapitän Krull seinen MTV Gifhorn auf Kurs

Yannik Haustein
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gifhorns Kapitän: Tobias Krull trägt seit 2016 die Binde beim MTV Gifhorn, auf dem Platz überzeugt er mit Leistung, wenn der Sport in Corona-Zeiten ruhen muss, achtet er darauf, dass die Stimmung im Oberliga-Team gut bleibt.
Gifhorns Kapitän: Tobias Krull trägt seit 2016 die Binde beim MTV Gifhorn, auf dem Platz überzeugt er mit Leistung, wenn der Sport in Corona-Zeiten ruhen muss, achtet er darauf, dass die Stimmung im Oberliga-Team gut bleibt. © Sebastian Preuß
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Er ist der Kopf der Mannschaft, sein Wort hat auf dem Platz und in der Kabine Gewicht: Der Fußball-Kapitän. In der Corona-Krise ist vieles anders, er aber nicht weniger gefordert. Wie funktioniert Zusammenhalt trotz Lockdown? Wie geht Gemeinsamkeit trotz Einsamkeit? Wie geht Fitness ohne Teamtraining? Der SPORTBUZZER fragt nach: Wie ist die Lage, Kapitän?

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Seit 2013 ist er bei Oberligist MTV Gifhorn, seit Anfang 2016 trägt er die Kapitänsbinde: Tobias Krull, die Führungs-Persönlichkeit des MTV, dirigiert das Spielgeschehen stets aus dem Strafraum. Jetzt geht es auch für ihn darum, das Team trotz aller Kontakt-Beschränkungen zusammenzuhalten.

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Das klappt bei den MTV-Akteuren gut. „Wir haben ja Whatsapp-Gruppen, eine interne für die Mannschaft, eine vom Trainer für die Trainingspläne“, erklärt Krull. „Da geht es aber eher darum, dass wir unsere Laufnachweise dort reinstellen. Ansonsten spielen wir zusammen ein Bundesliga-Manager-Spiel oder eine American-Football-Liga“, so der 29-Jährige. „Im ersten Lockdown haben wir uns samstags auch mal per Skype getroffen, um ein Bier zu trinken und dummes Zeug zu erzählen.“

Als Tino Gewinner und Stefan Schulz den MTV Anfang 2016 in Richtung SV Gifhorn verließen, musste ein neuer Kapitän her – die Wahl fiel auf Krull. „Weil ich schon eine Weile beim MTV war und Erfahrung und eine gute Ausbildung hatte.“ Das Amt hat er seitdem nicht mehr abgegeben. „Es wird bei uns nicht gewählt. Solange der Trainer mit dem Kapitän zufrieden ist, lässt er ihn auch im Amt.“

Krull sorgt sich nicht um die Stimmung im Team

Aktuell achtet Krull auch darauf, dass die Stimmung im Team gut bleibt. „Da mache ich mir aber keine Sorgen, dass sie sich verschlechtert“, so der Torwart. „Mehr kann man aktuell ja sowieso nicht tun, für die meisten besteht der Alltag ja nur aus Arbeit und Zuhause. Wenn es mit dem Fußball wieder losgeht, muss man natürlich auch wieder ein bisschen Spannung aufbauen.“

Dass das 2020 noch passieren könnte, glaubt Krull derweil nicht. Zwar ist es in der Oberliga nicht ausgeschlossen, dass die Teams im Dezember wieder spielen, „aber es würde keinen Sinn machen“, so Krull. Zu kurzfristig sei der Re-Start dann, „und im Dezember fallen ja normalerweise auch Spiele wegen des Wetters aus“.

Voraussichtlich bleibt also mehr Freizeit. In der widmet sich Krull ohne Lockdown ganz dem Fußball, zusätzlich ist er auch noch Schiedsrichter. „Da muss ich immer schauen, dass es sich nicht mit den MTV-Spielen überschneidet. In der Vorbereitung habe ich aber recht viel gepfiffen oder war an der Seitenlinie“, so Krull. Neben der Arbeit als Verkaufsberater eines Autohauses in Gifhorn bleibt da nicht viel Zeit für anderes. „Ich gehe abends gern mal essen oder etwas trinken oder fahre am Wochenende weg, um mir Städte anzusehen.“

An der Playstation erhalten andere Sportarten den Vorzug

Da das aktuell nicht möglich ist, „schaue ich abends gern mal eine Serie oder mache die Playstation an“, sagt Krull. Nicht aber, um etwa FIFA zu spielen – stattdessen erhalten zwei andere Sportarten den Vorzug: „Es sind eher Madden, also American Football, oder NHL, also Eishockey. Da kann ich bei zwei, drei Spielchen ganz gut abschalten.“

Zu Hause ist Gifhorns Torhüter weiter in seiner Heimat Reislingen. „Das ist nur eine halbe Stunde Fahrt bis Gifhorn, das geht also“, so Krull. Viele Verbindungen zu seinem Heimatverein SV Reislingen/Neuhaus gibt es derweil nicht mehr, „den einen oder anderen kenne ich noch vom Sehen oder aus gemeinsamer Zeit beim VfL Wolfsburg, aber viele sind es nicht“, erklärt Krull. „Einmal im Jahr gehe ich aber trotzdem mal zu einem Spiel.“

Vor allem freut sich Krull aber auf den Re-Start der Oberliga – wann immer er passieren mag. „Wir waren zuletzt ja gut drauf, haben sogar noch ein paar Punkte liegen gelassen“, so der Keeper, der zu den Routiniers im Team zählt. Viele junge Neuzugänge im Sommer haben den Altersschnitt gesenkt. „Aber es haben sich alle sehr gut eingefügt“, lobt Krull. So gut, dass der MTV nun mit Platz vier über dem Strich steht, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde in die Regionalliga berechtigt. Sollte die Saison abgebrochen und nur die Hinrunde gewertet werden, wäre das Gold wert.

Beim MTV ist das Sammelfieber ausgebrochen

Und solange der Ball ruht, können sich die Gifhorner ihrem MTV-Album widmen, das Sammelfieber ist ausgebrochen: Seit dem 30. Oktober ist ein Stickerheft samt entsprechender Klebebilder im Umlauf. Ganze 328 Sticker von MTV-Akteuren des Herren-Teams sowie der Jugendmannschaften braucht es für eine komplette Sammlung. Damit das Tauschen auch in Corona-Zeiten möglich ist, gibt es auf Facebook eine entsprechende Börse. Wenn man sich schon zurzeit nicht zusammen treffen kann, kann man sich wenigstens zusammenkleben.

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Die etwas anderen Kapitäns-Tipps in der Corona-Krise

Film: "Ich fand "Zodiac - Die Spur des Killers" auf Netflix gut. Die Serie basiert auf einer wahren Geschichte und ist sehr spannend."

Serie: "How To Get Away With Murder. Normalerweise braucht eine Serie ein, zwei Folgen, bis man richtig drin ist, in dieser war es aber ab der ersten Folge total spannend."

Videospiel: "Madden oder NHL 21 - einfach, weil es mal was anderes ist und sie echt Spaß machen."