26. April 2022 / 19:04 Uhr

In der Form seines Lebens: Wie Unterschiedsspieler De Bruyne ManCity zum ersten CL-Titel führen kann

In der Form seines Lebens: Wie Unterschiedsspieler De Bruyne ManCity zum ersten CL-Titel führen kann

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielt zurzeit groß auf: City-Superstar Kevin De Bruyne.
Spielt zurzeit groß auf: City-Superstar Kevin De Bruyne. © IMAGO/News Images
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Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne befindet sich aktuell in überragender Form und hat inzwischen sogar das Toreschießen für sich entdeckt. Mit seinem Klub Manchester City will der Belgier in dieser Saison endlich den ersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte holen, muss dafür aber zunächst die Hürde Real Madrid im Halbfinale meistern.

Kevin De Bruyne brillierte im Kleingedruckten. Die Schlagzeilen der "back pages", der Sportseiten am hinteren Ende der englischen Zeitungen, gehörten nach Manchester Citys 5:1-Erfolg am Wochenende ge­gen den FC Watford Teamkollege Gabriel Jesus. Der Angreifer hatte es mit vier Toren fast allein zu verantworten, dass Englands Fußballmeister und Tabellenführer den Vorsprung von einem Punkt auf den FC Liverpool wahrte und eine gelungene Generalprobe für das Halbfinalhinspiel der Champions League an diesem Dienstag (21 Uhr, Amazon Prime Video) gegen Real Madrid feierte.

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Über De Bruyne wurden keine Titelzeilen gedichtet, dabei hatte auch er seinen Beitrag zu dem klaren Erfolg geleistet. Er bereitete zwei Jesus-Treffer vor, den ersten davon per zielgenauer Flanke von der rechten Seite, den zweiten nach einem gelungenen Doppelpass. Nach einer knappen Stunde wurde er ausgewechselt. "Auch wenn man es ihm nicht ansieht, er spielt mit einigen störenden Wehwehchen im Knöchel, wegen der Tritte, die er abbekommt", sagte Trainer Pep Guardiola. De Bruyne, 30 Jahre jung, wird noch gebraucht bei Manchester City in der Schlussphase der Saison, in der die Mannschaft die Meisterschaft gegen Liverpool verteidigen muss und den lang ersehnten ersten Erfolg der Vereinsgeschichte in der Champions League anstrebt.

Der ehemalige Bremer und Wolfsburger befindet sich in überragender Form und ist ein Schlüsselspieler in der vor allem in der Offensive luxuriös ausgestatteten Guardiola-Auswahl. In der Premier League steht De Bruyne seit Jahreswechsel bei sechs Toren, unter anderem traf er doppelt gegen den abgestürzten Stadtrivalen Manchester United und schoss ein Tor beim wilden 2:2 im Topspiel ge­gen Liverpool vor zweieinhalb Wochen. In der Champions League bedeutete sein Treffer den Unterschied in der umkämpften Angelegenheit gegen Atlético Madrid im Viertelfinale. Er erzielte den 1:0-Siegtreffer im Hinspiel, das Rückspiel endete torlos.

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Kevin De Bruyne macht Mohamed Salah plötzlich Konkurrenz

Es ist neu, dass de Bruyne auch an Toren gemessen wird, denn eigentlich gilt er als König der Vorbereiter. In der Saison 2019/2020 stellte er Thierry Henrys Rekord für die meisten Vorlagen in einer Spielzeit (20) in der Premier League ein. Allerdings hat Manchester City keinen klassischen Torjäger. Das erklärt das Interesse an Erling Haaland. Im himmelblauen Ensemble müssen alle Offensivspieler auch im Abschluss stark sein. Auf Anraten seines Trainers hat De Bruyne in dieser Disziplin an sich gearbeitet: "Es gefällt mir, dass er ein Spieler ist, der nicht nur viele Vorlagen gibt, sondern auch oft trifft. Ich habe ihm gesagt, dass er mehr Tore schießen muss, um ein anderes Level zu erreichen", berichtete Guardiola.

Im Mittelpunkt sorgenvoller Debatten steht immer wieder De Bruynes Gesundheitszustand. Bei der 0:1-Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea im vergangenen Jahr krachte er mit Antonio Rüdiger zusammen und erlitt einen Nasenbein- und Augenhöhlenbruch. Unter Tränen musste er in der 48. Minute ausgewechselt werden und konnte sich an die Partie hinterher nicht erinnern. Bei der EM verletzte er sich in Belgiens Achtelfinale gegen Portugal am Knöchel und ließ sich für das Viertelfinale gegen Italien fit spritzen – ein Fehler, wie De Bruyne später gestand. Der Start in die neue Saison lief dementsprechend schwierig. Im November infizierte er sich auch noch mit dem Coronavirus.

Es gab schon Befürchtungen, De Bruyne, der 2015 für die damalige Bundesliga-Rekordsumme von 75 Millionen Euro aus Wolfsburg gekommen war, habe seine beste Zeit in Manchester hinter sich. Doch seit Anfang des Jahres ist er in herausragender Verfassung. "Er ist ein besonderer Spieler und Mensch. Wenn er fit und mental glücklich ist und sein Potenzial ausschöpfen kann, ist er auf dieser Position nicht zu stoppen", sagt Trainer Guardiola. Bei der Wahl zum Fußballer des Jahres in England macht De Bruyne plötzlich wieder Mohamed Salah vom FC Liverpool Konkurrenz, der lange als klarer Favorit auf die Ehrung galt. Wichtiger als persönliche Trophäen sind De Bruyne aber Titel mit Manchester City. Seinen Beitrag dazu will er nicht nur im Kleingedruckten leisten.