08. Oktober 2021 / 17:15 Uhr

Umstrittener Investoren-Deal: So will Newcastle United zur neuen Macht im Welt-Fußball werden

Umstrittener Investoren-Deal: So will Newcastle United zur neuen Macht im Welt-Fußball werden

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Newcastle United liegt ab sofort in der Hand saudischer Investoren.
Newcastle United liegt ab sofort in der Hand saudischer Investoren. © IMAGO/Shutterstock (Montage)
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Seit Donnerstag ist fix: Newcastle United befindet sich im Besitz saudischer Investoren. Der Premier-League-Klub strebt mit den plötzlich vorhandenen finanziellen Möglichkeiten nach schnellem Erfolg. Doch der Deal ist umstritten. Der SPORTBUZZER blickt auf die Hintergründe.

Die Fans von Newcastle United hatten wenig Grund zur Freude in der jüngeren Vergangenheit, deshalb wurde am Donnerstagabend um so wilder gefeiert, als feststand, dass der Verein die Besitzer gewechselt hat. Tausende Fans versammelten sich vor dem St. James’ Park im Zentrum der Stadt, schwenkten Fahnen in den Vereinsfarben Schwarz und Weiß, brannten Pyrotechnik ab und tranken, wie in England bei solchen Anlässen üblich, viel Alkohol. Der Boden vor dem Stadion war irgendwann fast komplett bedeckt von zertretenen Bierdosen. So war es auf Bildern in Sozialen Medien zu sehen.

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Begossen wurde der Umstand, dass der Klub aus den Klauen des bisherigen Eigentümers Mike Ashley befreit wurde, so jedenfalls sehen das die Newcastle-Fans. Die 14 Jahre, in denen der englische Sportartikel-Magnet das Sagen hatte, waren geprägt von sportlicher Ziellosigkeit und einer emotionalen Entkopplung des eigentlich so leidenschaftlichen Publikums von ihrem Verein. Die "Magpies" (Elstern) stiegen unter Ashley zwei Mal aus der Premier League ab und kämpfen auch aktuell wieder gegen den Sturz in die Zweitklassigkeit.

Ashley wollte den Klub schon länger verkaufen, verschiedene Übernahme-Versuche scheiterten allerdings – auch ein angedachter Deal im vergangenen Jahr mit einem Konsortium, hinter dem zu 80 Prozent der Staatsfonds von Saudi-Arabien steckt. Am Donnerstagabend ging der Verkauf an genau jenes Konsortium dann doch über die Bühne, für 300 Millionen Pfund (umgerechnet mehr als 350 Millionen Euro). Zwar beteuern alle Seiten, dass der Staatsfonds unabhängig vom Staat Saudi-Arabien selbst zu betrachten sei, doch wie glaubhaft das ist, muss schwer angezweifelt werden: Vorsitzender des Staatsfonds ist Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman. Nach Paris Saint-Germain (Katar) und Manchester City (Abu Dhabi) ist Newcastle United der nächste Klub im europäischen Profifußball, der praktisch in den Besitz eines reichen Golfstaats übergeht.

Genau diese Tatsache macht die Übernahme problematisch. Die Newcastle-Fans hoffen, dass die "Magpies" mit den Investitionen der neuen Eigentümer um Titel mitspielen, die Fantasie des Publikums für glamouröse Transfers ist beflügelt. Menschenrechtsaktivisten allerdings verurteilen das Geschäft als Versuch Saudi-Arabiens, durch Engagement im Sport den eigenen Ruf aufzupolieren. Der Fachbegriff dafür: Sportswashing. Dem Land wird eine verheerende Menschenrechts-Bilanz vorgeworfen, Oppositionelle werden angeblich verfolgt, Frauen-Rechte und die Rechte Homosexueller sollen extrem limitiert sein.

Menschenrechte kein Hindernis

Die CIA macht Kronprinz bin Salman persönlich für die Ermordung des kritischen Journalisten Jamal Khashoggi vor drei Jahren verantwortlich. Unter anderem Khashoggis Verlobte appellierte öffentlich an die Premier League, die Übernahme Newcastles durch den Staatsfonds zu verhindern. Vergebens. Schon beim Verkauf von Manchester City im Jahr 2008 an Scheich Mansour aus Abu Dhabi waren Menschenrechte kein Hindernis.

Es dauerte danach übrigens vier Jahre, bis Manchester City zum ersten Mal Meister in der Premier League wurde. Newcastle United will die Krone des englischen Fußballs in "fünf bis zehn Jahren" erobern – so bestätigt es die britische Geschäftsfrau Amanda Staveley, die den Verkauf des Klubs arrangierte und öffentlich des Gesicht des Deals ist. Newcastles Fans haben angesichts dieser Versprechungen nur wenig moralische Bedenken beim Besitzer-Wechsel. Bei der Feier am Donnerstagabend wurden auch Menschen in Scheich-Verkleidung gesichtet.