23. Januar 2020 / 10:29 Uhr

ManUnited-Krise immer dramatischer: Fans fordern Konsequenzen – Druck auf Solskjaer nimmt zu

ManUnited-Krise immer dramatischer: Fans fordern Konsequenzen – Druck auf Solskjaer nimmt zu

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Die Krise von Manchester United nimmt erschreckende Ausmaße an. Trainer Ole Gunnar Solskjaer (l.) könnte sie zum Verhängnis werden.
Die Krise von Manchester United nimmt erschreckende Ausmaße an. Trainer Ole Gunnar Solskjaer (l.) könnte sie zum Verhängnis werden. © imago images/PA Images
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Die Heim-Niederlage gegen Burnley brachte das Faß zum Überlaufen: Manchester United zeigte sich zum wiederholten Male in desolater Verfassung. Trainer Ole Gunnar Solskjaer steht schwer unter Beschuss. Den Fans ginge die Entlassung des Norwegers nicht weit genug - sie wollen, dass die Besitzer den Klub abgeben.

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Fast geschlossen standen die Fans von Manchester United auf - wütend und verzweifelt. Während sich die Spieler des englischen Rekordmeisters auf dem Platz von Kellerkind Burnley mit 0:2 demütigen ließen und in der Premier League die nächste derbe Pleite kassierten, sangen die Anhänger der einst stolzen Red Devils in der Schlussphase der Partie gegen den Glazer-Clan an, der den Klub besitzt und nach ihrer Meinung gerade zu Grunde richtet. "We want United back" schallte es durch das Old Trafford, gefolgt von "Stand up if you hate Glazers". Die Abneigung gegen die Chefs des Vereins, sie ist allumfassend und übersteigt sogar den Unmut über Trainer Ole Gunnar Solskjaer, für den der Klub augenscheinlich eine Nummer zu groß ist.

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"Die Jungs geben alles", haderte der 46-Jährige nach der neuerlichen Niederlage seiner sehr jungen Mannschaft, die allerdings über genügend Qualität verfügt, um Burnley im Old Trafford zu besiegen. "Sie erleben zum ersten Mal in ihrem Leben eine so schwere Phase, zumindest einige - und das ist wirklich schwierig. Die Erwartungshaltung in diesem Verein ist hoch und manche von ihnen haben gerade einmal 10,12 oder 15 Spiele absolviert. Ich werde hier sein und ihnen helfen, damit (mit der Kritik, d. Red.) umzugehen. Denn wenn du bei ManUnited bist, wird es immer Kritik geben und wir nehmen diese an."

Dritte ManUtd-Pleite im vierten Spiel

Seine Spieler hatten gegen Burnley bereits die dritte Niederlage im vierten Spiel der Premier League kassiert. Während United keinen seiner 24 Schüsse ins Tor der Gäste bringen konnte, traf Burnley durch Chris Wood (39.) und Jay Rodriguez (56.) mit seinen einzigen Versuchen und feierte so den ersten Sieg im roten Teil Manchesters seit 1962 - bezeichnend auch, dass Manchester zwar anrannte, wirklich zwingende Chancen, den Vorsprung zu verkürzen, selbst im gefürchteten Old Trafford Mangelwaren blieben. Zwar stehen die Red Devils auf dem fünften Platz, der Abstand nach vorn ist allerdings erschütternd: 30 Punkte beträgt der Rückstand auf den ewigen Rivalen FC Liverpool (der noch zwei Spiele weniger absolviert hat), immerhin noch 17 auf Manchester City und sechs auf den FC Chelsea, der sich als Vierter nach aktuellem Stand für die Champions League qualifizieren würde. Für United würde es nur zur Europa League reichen - angesichts der gewaltigen Investitionen in den Kader (allein in dieser Saison 160 Millionen Euro) ist das viel zu wenig.

Dem Exekutiv-Chef Ed Woodward, der den Verein im Namen der Glazer-Familie führt, wird seit Jahren Misswirtschaft attestiert. In der Tat hat United seit dem Abschied von Trainer-Legende Sir Alex Ferguson gewaltige sportliche Probleme: Die letzte Meisterschaft datiert aus dem Jahr 2013, in späteren Jahren kämpfte man nie um den nationalen Titel, verschliss obendrein nach 25 Ferguson-Jahren vier Trainer in sechs Jahren. Dass Woodward trotz dieser Horror-Bilanz weitermachen darf, liegt an brillianten wirtschaftlichen Zahlen: Laut Forbes ist United hinter Real Madrid und dem FC Barcelona auch 2020 einer der wertvollsten und mit knapp 800 Millionen Euro Jahresumsatz auch profitabelsten Vereine der Welt - weit vor Bayern, Liverpool & Co.

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Die größten und bekanntesten Fußballer der Welt nannten das Old Trafford von Manchester United schon ihr Zuhause. Doch was machen Ruud van Nistelrooy, Roy Keane, Wayne Rooney & Co. heute, nach ihrer Zeit bei United? Der SPORTBUZZER blickt auf die Karriere von 50 ManUtd-Legenden. ©

Genau das ist allerdings der Vorwurf, den die Fans den Glazers machen - nämlich, dass der sportliche Erfolg dem wirtschaftlichen untergeordnet wird. Dem Spielerkader fehlen nicht nur echte Stars, sondern auch eine klare Struktur. Das machte schon José Mourinho Probleme - und fliegt nach dessen Entlassung im Dezember 2018 jetzt seinem Nachfolger Ole Gunnar Solskjaer um die Ohren. Der Norweger, einst als Spieler eine Legende der Red Devils, konnte einen kurzzeitigen Aufschwung einleiten, ist längst aber im Zentrum der Krise angekommen.

Die Statistiken sprechen klar gegen Ole Gunnar Solskjaer

Solskjaer hat seinen Ruf als Publikumsliebling längst verspielt. Seit er im vergangenen März dauerhaft Trainer der Red Devils wurde, verzeichnet der Klub 57 verlorene Punkte, es gab mehr Niederlagen (12) als Siege (11). Zum Vergleich: Liverpool verlor im gleichen Zeitraum lediglich zwei Zähler - durch ein Remis. Solskjaer, der in seiner Interimszeit noch starke 2,32 Punkte pro Spiel einsammelte, kommt seither auf eine bestenfalls durchschnittliche Quote von 1,51 Zählern. Eine spielerische Linie und eine Entwicklung bei einzelnen Spielern sucht man vergeblich. Die Rufe nach einem Trainerwechsel werden immer lauter.

Eine Entlassung von Solskjaer scheint dennoch nach aktuellem Stand eher unwahrscheinlich. Woodward gilt als großer Unterstützer von Solskjaer, der vor seiner Zeit bei United lediglich beim norwegischen Klub Molde FK (2011-2013 und 2015-2018) arbeitete und ein erfolgloses Intermezzo bei Cardiff City hatte. Mit den Walisern stieg er 2014 aus der Premier League ab. Englischen Medienberichten zufolge werde man mit dem 46-Jährigen sogar weiterarbeiten, falls United die Champions League verpasst. Und das scheint derzeit das wahrscheinlichste Szenario.

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Solskjaer hat die Hoffnung auf die Qualifikation zur Champions League allerdings noch nicht aufgegeben. "Wir sind noch immer Fünfter und müssen einfach weitermachen. Es stehen noch eine Menge Spiele an und wir werden alles tun, um so viele Punkte wie möglich zu sammeln." Was Solskjaer nicht sagt: Die anderen haben das gleiche Ziel...

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