13. März 2019 / 17:33 Uhr

Berater streitet Bestechungsversuch ab – „Er versucht mit allen Mitteln seine Haut zu retten“

Berater streitet Bestechungsversuch ab – „Er versucht mit allen Mitteln seine Haut zu retten“

Christian Lüsch
Ostsee-Zeitung
Die TSG Neustrelitz gewann das Lokalduell gegen den Malchower SV am Freitagabend in der NOFV-Oberliga Nord mit 4:1.
Die TSG Neustrelitz gewann das Lokalduell gegen den Malchower SV am Freitagabend in der NOFV-Oberliga Nord mit 4:1. © Ulf Lange
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Ex-Agent des Malchower Spielers behauptet, missverstanden worden zu sein. Die Ermittlungen des Nordostdeutschen Fußballverbandes gehen dennoch weiter. 

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Versuchte Manipulation oder alles nur ein (schlechter) Scherz? Die Vorgänge rund um das Spiel in der Fußball-Oberliga zwischen dem Malchower SV und der TSG Neustrelitz sorgen auch fünf Tage nach dem Duell weiter für kontroverse Diskussionen.

Am Dienstag meldete sich der der versuchten Spielmanipulation verdächtige Spielerberater Jan Hornik zu Wort: „Ich würde so etwas niemals tun. Der Spieler hat das nicht verstanden, aber ich scherze immer so“, wurde Hornik im „Nordkurier“ zitiert.

Der Tscheche, der als Berater für die Agentur FOCI – Football Consultancy & Investments aktiv ist, hatte einem Malchower Spieler vor dem Ligaduell mit Neustrelitz per WhatsApp-Nachricht 1000 Euro angeboten. Dafür sollte der Malchower den Neustrelitzern in der ersten Halbzeit zwei Treffer ermöglichen. Machte der besonnene Mann aber nicht. Stattdessen meldete er den Bestechungsversuch noch vor Anpfiff seinem Verein.

Die Chronologie des Manipulatiosnverdachts

Berater Hornik beteuert nun seine Unschuld: „Ich weiß, dass ich nichts falsch gemacht habe“, erklärt der Mann. Den einen seiner insgesamt drei Mandanten im Team der Malchower ist er bereits losgeworden, wie Trainer Sven lange gegenüber der OZ bestätigte.

Dem Agenten droht weiterer Ärger: Der für den Spielbetrieb in der Oberliga zuständige Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat Strafanzeige gestellt. Auch der Mecklenburger Verein hat juristische Schritte eingeleitet, in dem er Anzeige erstattete. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg muss prüfen, ob sie den Fall vor Gericht bringt.

Trainer Sven Lange hat für die plötzliche Offenheit des Beraters eine Erklärung: „Ganz klar: Der versucht mit allen Mitteln seine Haut zu retten. Aber wir können alle lesen“, spielt der 51-Jährige auf die Nachricht an, die der Spieler erhalten und dem Trainer und der Vereinsführung gezeigt hatte.

Holger Fuchs, Geschäftsführer beim NOFV, lässt keinen Zweifel daran, dass der Fall – trotz der jüngsten Aussagen – weiter aufgerollt werden soll. „Wir sind an einer vollständigen Aufklärung interessiert“, versichert er. Dazu sollen die beteiligten Parteien in den nächsten Tagen ihre Stellungnahme einreichen, dann wird das Sportgericht des Verbandes, dessen ehrenamtliche Mitarbeiter durch einen weiteren Manipulationsverdacht mit Halberstadts sportlichem Leiter Andreas Petersen derzeit alle Hände voll zu tun haben, entscheiden. „Hier gilt: Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagt Fuchs, der sich zu laufenden Ermittlungen nicht näher äußerte.

Bilder zum Spiel der NOFV-Oberliga Nord: Malchower SV - TSG Neustrelitz

Robert Quaschning köpft den Ball vor dem lauernden Neustrelitzer Djibril N'Diaye (l.) weg. Zur Galerie
Robert Quaschning köpft den Ball vor dem lauernden Neustrelitzer Djibril N'Diaye (l.) weg. ©
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Die Malchower haben ihre Stellungnahme bereits an den Verband geliefert. „Wir tun alles, um das schnell abzuschließen“, meinte Lange. Er ist stolz und dankbar, dass sein Spieler verantwortungs­bewusst reagiert hat, in dem er den Bestechungsversuch meldete. „Ich möchte mir nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn er das nicht gemacht hätte“, meint der Coach, der sich wünscht, dass schnell wieder Normalität in den Klub-Alltag einzieht.

Obwohl der Landesfußballverband MV im aktuellen Fall nicht zuständig ist, wird die Entwicklung genau verfolgt. „Der Fall macht deutlich, dass die unerlässliche Ernsthaftigkeit für dieses Thema offenbar an einigen Stellen fehlt oder zumindest nicht ausreichend ausgeprägt ist. Dem Fußball steht jeglicher Manipulationsverdacht, sei es nun Vorsatz oder ein schlechter Scherz, unabhängig von der Spiel- oder Altersklasse nicht gut zu Gesicht“, schreibt der Landesverband auf OZ-Nachfrage.

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