30. September 2020 / 17:10 Uhr

"Lasst mich mal machen": Trainer Manuel Baum wehrt sich beim Krisen-Klub Schalke 04 gegen Skeptiker

"Lasst mich mal machen": Trainer Manuel Baum wehrt sich beim Krisen-Klub Schalke 04 gegen Skeptiker

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manuel Baum setzt sich als neuer Trainer des FC Schalke 04 gegen Skeptiker zur Wehr.
Manuel Baum setzt sich als neuer Trainer des FC Schalke 04 gegen Skeptiker zur Wehr. © imago images/Jan Huebner/Montage
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Manuel Baum hat sich bei seiner Vorstellung als neuer Trainer beim FC Schalke 04 bemüht, Optimismus zu versprühen. "Lasst mich mal machen", sagte Baum in Richtung von Skeptikern. Auch die Rolle seines Assistenten Naldo war Thema der Videorunde.

Mit Optimismus geht Manuel Baum seine Aufgabe als neuer Trainer des FC Schalke 04 an. "Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen: Ist der Baum nicht ein bisschen zu klein für das alles", sagte Baum bei einer Videorunde mit Journalisten am Mittwoch: "Aber ich kann nur sagen: Lasst mich mal machen, ich weiß ganz gut, was ich tue." Kurz zuvor hatten die Königsblauen den früheren Coach des FC Augsburg als Nachfolger des am Sonntag nach der 1:3-Niederlage gegen Werder Bremen am zweiten Spieltag entlassenen David Wagner präsentiert. Sein Debüt auf der Schalker Bank wird Baum an diesem Samstag (18.30 Uhr) im schweren Auswärtsspiel bei RB Leipzig geben.

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S04-Coach Baum mit schwierigem Auftaktprogramm

Das schwierige Programm, das der Mannschaft im Auftaktspiel eine 0:8-Klatsche beim FC Bayern München einbrachte und sie neben Leipzig in Kürze auch zum Erzrivalen Borussia Dortmund führen wird (24. Oktober) schreckt Baum jedoch nicht ab. "Ich würde gar nicht großartig auf die Qualität des Gegners schauen", sagte Baum auf SPORTBUZZER-Nachfrage: "Meine Herangehensweise ist, egal wer der Gegner ist, mir die Abläufe anzusehen und zu überlegen, welche Stilmittel, die zu unserer Mannschaft passen, können wir am besten einsetzen?" Es sei egal, gegen welche Mannschaft man spiele und in welchem Zustand man ist: "Man kann jeden schlagen".

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Ein Grund, trotz der sportlichen und wirtschaftlichen Schieflage mit 18 Bundesligapartien in Folge ohne Sieg und - wie der Verein erst am Mittwoch in seiner Halbjahresbilanz nochmals öffentlich machte - mehr als 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten die Herausforderung auf Schalke anzunehmen, war offenbar auch die Emotionalität des Klubs und seiner Fans. "Als ich am Dienstag meinen Koffer gepackt habe, kam irgendwann mein Sohn auf mich zu und fragte: Papa, trainierst du jetzt nicht mehr Deutschland?", berichtete der bisherige U18-Nationaltrainer. "Dann nahm ich ihn an die Hand, ging mit ihm ins Büro und zeigte ihm ein Youtube-Video gezeigt, wo ein Fan aus der Schalker Kurve kurz vor dem Spiel das volle Stadion gefilmt hat. Die Hymne wurde gesungen, ich hatte Gänsehaut, und auch mein Sohn hatte relativ schnell verstanden, was Schalke bedeutet", erzählte Baum. Der Fünfjährige rang seinem Vater daraufhin das Versprechen ab, nicht ohne ein S04-Trikot heimzukommen.


Trainer Baum betont die Emotionalität auf Schalke

Baum gab an, sich über die Schalker Kultur informiert zu haben. "Klar weiß ich, dass das Umfeld sehr emotional ist", betonte der neue Trainer, der von Ex-Profi Naldo, der von 2016 bis Anfang 2019 bei S04 unter Vertrag stand und sich bei den Fans als Schütze des 4:4-Ausgleichstreffers in einem der kuriosesten Revierderbys der Geschichte gegen den BVB im November 2017 Kultstatus erworben hat. "Für mich war Naldo immer einer, der aufgrund seiner Rolle und seiner Position im Verein extrem mitgedacht hat. Es ist ein Riesenvorteil, wenn man jemanden in Trainerteam hat, der sich im Verein auskennt und die Leute kennt", sagte Baum. Naldo ergänzte: "Ich bin der Überzeugung, dass ich der Mannschaft mit meiner Erfahrung weiterhelfen kann. Im Moment fehlt es an Selbstvertrauen." Wie Sportvorstand Jochen Schneider erläuterte, muss der Brasilianer mit deutschem Pass jedoch noch die notwendigen Trainerlizenzen erwerben - weshalb der Klub ihn als "Mitglied des Trainerstabs" und nicht als "Co-Trainer" bezeichnet.

Schneider lobte Baum als "bundesweit anerkannten Fußballfachmann, der Expertise hat und Mannschaften eine klare Ordnung und Struktur gibt." Als Baum noch Coach des FC Augsburg war (2016 bis 2019), sei es immer überaus unangenehm gewesen, gegen Baums Team zu spielen. "Und da", fügte Schneider an, "wollen auch mir möglichst schnell wieder hinkommen". Von seinem grundsätzlichen Ansatz, bei den Königsblauen offensiven und konstruktiven Fußball sehen zu wollen, rückte der Sportvorstand trotz der aktuellen Krise nicht ab, Schließlich hätten "weite Züge" der aktuellen Kaders in der ersten Hälfte der vergangenen Saison bewiesen, dass sie erfolgreich sein könnten. "Aber wichtig wird sein, dass Manuel der Mannschaft in der schwierigen Phase Halt, Sicherheit und Organisation gibt, damit wir mit vielen kleinen Schritten aus dieser Situation wieder heraus kommen", so Schneider.