25. Januar 2023 / 08:47 Uhr

Wegen Altersgrenze: Prozess von Ex-Schiedsrichter Gräfe gegen DFB geht weiter - Rafati sieht "Vorwand"

Wegen Altersgrenze: Prozess von Ex-Schiedsrichter Gräfe gegen DFB geht weiter - Rafati sieht "Vorwand"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manuel Gräfe streitet sich vor Gericht mit dem DFB, sein Ex-Kollege Babak Rafati (rechts) bezieht Stellung zum Prozess.
Manuel Gräfe streitet sich vor Gericht mit dem DFB, sein Ex-Kollege Babak Rafati (rechts) bezieht Stellung zum Prozess. © IMAGO/Poolfoto (Montage)
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Der Gerichtsprozess des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters Manuel Gräfe gegen DFB geht am Mittwoch weiter. Es geht um die Altersgrenze – aber darüber hinaus um viel mehr. Gräfes Ex-Kollege Babak Rafati erklärt im SPORTBUZZER die Hintergründe.

Augenscheinlich geht es beim Prozess vor dem Landgericht in Frankfurt am Main an diesem Mittwoch um die Frage: Erhält Manuel Gräfe, ehemaliger Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga, einen Schadensersatz vom Deutschen Fußball-Bund (DFB)? Der mittlerweile 49 Jahre alte Berliner war im Sommer 2021 nicht mehr als Unparteiischer berücksichtigt worden. In der Öffentlichkeit hält sich der Grund, dies habe an der Altersgrenze von 47 Jahren gelegen. Sie ist nicht vorgeschrieben, doch seit Jahrzehnten praktiziert der DFB diese Regelung. Vor Gericht zugeben will der Verband das nicht. Genau das möchte Gräfe jedoch erreichen. Es geht also um mehr.

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Aus Sicht von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati ist der Schadensersatz nicht Gräfes Antrieb. "So wie ich Manuel kenne, ist er ein Gerechtigkeitsfanatiker und will die DFB-Strukturen brechen und dem Verband das Machtmittel nehmen", sagt er dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Die Altersgrenze sei nur "ein Vorwand gewesen, ihn loszuwerden", meint Rafati. Unter den Spielern war Gräfe beliebt, gehörte bis zum Ende der Saison 2020/2021 zu den Topreferees der Liga. Doch intern wie extern sprach der Sportwissenschaftler immer wieder Missstände an, was den Verantwortlichen beim DFB missfallen haben dürfte.

Altersgrenze für Gräfe-Aus nur vorgeschoben?

Nun gibt es ein Problem, das Rafati wie folgt beschreibt: "Der DFB sagt selbst, die Leistung soll bei der Nominierung der Schiedsrichter zählen. Aber der Verband gab in der Vergangenheit auch an, die Altersgrenze einzusetzen, um eine gewisse Fluktuation gewährleisten zu wollen." Auf der einen Seite sei der DFB demnach nicht gewillt, im Prozess das Alter als Begründung für die Ausbootung Gräfes zu nennen, doch auf der anderen Seite solle auch nicht der Eindruck entstehen, er sei wegen seines Auftretens nicht mehr berücksichtigt worden. "Er selbst wird ohnehin nicht mehr profitieren", stellt Rafati klar – doch womöglich schon bald Felix Brych.

Am Dienstag, einen Tag vor dem Prozess, hat Brych seinen Wunsch geäußert, in der kommenden Saison weiter pfeifen zu wollen. "Ich habe im Rahmen des Wintertrainingslagers in Lagos gegenüber der sportlichen Leitung meine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert", sagte der Münchner, der am 3. August seinen 48. Geburtstag feiert, der Deutschen Presse-Agentur. Die DFB Schiri GmbH, die sich um die Belange der Unparteiischen kümmert, schreibt in einer offiziellen Stellungnahme, dass "grundsätzlich die Schiedsrichter berücksichtigt werden, die die nötigen Voraussetzungen dann erfüllen".

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Brych "könnte für den DFB zum Problem werden"

Rafati wundert sich darüber und sagt: "Es wirkt so, als wolle man beim DFB dem Prozess den Wind aus den Segeln nehmen und zeigen, dass man die Altersgrenze eben nicht vorgibt." Lutz Michael Fröhlich, ehemaliger Referee und aktuell Chef der Schiri GmbH, hatte im Herbst gesagt, dass Brych selbst entscheiden könne, ob er weitermachen wolle. Der Verband lege ihm keine Steine in den Weg. Rafati sieht in dem Vorgehen einen Grund: "Brych wäre nach Gräfe das zweite Alphatier, das ausscheidet und im Nachgang für den DFB öffentlich zum Problem werden könnte."

Der Ex-Bundesliga-Referee hält es zudem für denkbar, dass das Vorgehen bei Brych vom Prozessausgang abhängt. "Hinter den Kulissen wird er als neuer Schiri-Boss beim DFB gehandelt. Sollte das Gericht nicht explizit eine Aufhebung der Altersgrenze fordern, vermute ich, werden sie Brych nicht weiter pfeifen lassen und stattdessen künftig in dieser Position beschäftigen", meint Rafati. Zum Fall Gräfe wollte man sich beim DFB auf Nachfrage mit Verweis auf den laufenden Prozess nicht äußern. Am Mittwoch steht die Entscheidung bevor – unklar ist, ob es eine gibt. Die Vermutung liegt nahe, dass es in der nächsthöheren Instanz weitergehen könnte.

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