19. Januar 2020 / 21:08 Uhr

Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe kritisiert Videobeweis und fordert "Trainer-Challenges"

Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe kritisiert Videobeweis und fordert "Trainer-Challenges"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat sich offen für Verbesserungen beim Videobeweis ausgesprochen.
Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat sich offen für Verbesserungen beim Videobeweis ausgesprochen. © imago images/Matthias Koch
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Der Videobeweis erhitzt europaweit die Gemüter. In der Bundesliga wird das technische Hilfsmittel seit 2017 eingesetzt. Im Interview mit dem "Kicker" fordert Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe nun mehr Transparenz beim VAR und schlägt die Einführung von "Trainer-Challenges" vor.

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Der Videobeweis sorgt weiter für Wirbel. Nach der immer wiederkehrenden Kritik von Fans und Vereins-Offiziellen hat mit Manuel Gräfe nun ein aktiver Bundesliga-Schiedsrichter die Umsetzung des technischen Hilfsmittels bemängelt. Im Gespräch mit dem Kicker sprach sich der 46-Jährige für mehr Transparenz bei der Nutzung des Video Assistant Referee (VAR) und eine generelle Weiterentwicklung aus. "So, wie es jetzt läuft, gefällt es den Leuten nicht. Wir Schiedsrichter stehen zu oft im Mittelpunkt der Berichterstattung, das gefällt uns selbst auch nicht", sagte der seit 2004 in der höchsten deutschen Spielklasse pfeifende Referee.

Abschaffen will Gräfe den Videobeweis zwar nicht, er fordert jedoch Innovation: "Die Technik wird sicher bleiben, aber man muss im dritten Jahr nach der Einführung des VAR Anpassungen vornehmen. Man kann die Schiedsrichter immer weiter schulen, aber ihre Perfektionierung stößt irgendwann an Grenzen", mahnte der gebürtige Berliner.

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Gräfe wünscht sich bei den für die Fans oftmals unübersichtlichen Situationen vor allem mehr Transparenz für die Stadionbesucher. Er fordert - ähnlich wie in der amerikanischen Profi-Football-Liga NFL - eine direkte Kommunikation zum Publikum: "Man muss die Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen mitnehmen. Wenn ich rausgehe, mir die Szene am Spielfeldrand anschaue und meine Entscheidung über Headset meinen Kollegen mitteile, muss ich sie auch den Fans im Stadion mitteilen können", kritisierte der Schiedsrichter. "So schaffst du Klarheit für Zuschauer und Medien. Wenn man als Zuschauer nach Hause geht und unaufgeklärt bleibt, senkt das die Attraktivität des Stadionerlebnisses."

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Was Gräfe an der aktuellen Videobeweis-Umsetzung ebenfalls stört: Das "*tendenziell zu häufige" Eingreifen des Video-Assistenten, der ihn per Funk-Verbindung während des Spiels auf mögliche Regelwidrigkeiten hinweist*. So spricht sich Gräfe dafür aus "die Verantwortung wieder mehr beim Schiedsrichter auf dem Feld zu belassen". Möglich werden soll dies seiner Meinung nach mit der Einführung von "zwei Challenges pro Trainer pro Spiel". So sollen die Coaches, wieder ähnlich wie in der NFL, entscheiden, ob sich der Schiedsrichter eine Situation per Videobeweis anschaut.

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Trotz aller möglicher Verbesserungen will Gräfe trotzdem keine hunderprozentige Richtigkeit der Entscheidungen garantieren: "Es gibt Grenzen für den VAR. Dessen Einführung hat bei vielen Beteiligten auch wegen des Ausdrucks 'Video-Beweis' unrealistische Erwartungen geweckt. Fußball wird nie ohne Fehler sein, auch nicht vom Schiedsrichter", so der 264-malige Bundesliga-Referee.

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