10. November 2020 / 06:00 Uhr

DFB-Kapitän Manuel Neuer über Belastung in Corona-Zeiten: "So eine Saison hat es noch nie gegeben"

DFB-Kapitän Manuel Neuer über Belastung in Corona-Zeiten: "So eine Saison hat es noch nie gegeben"

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer nutzt für die Regeneration in der Corona-Krise mit vielen Spielen in kurzer Zeit moderne Trainingsgeräte wie den Fitnessspiegel.
Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer nutzt für die Regeneration in der Corona-Krise mit vielen Spielen in kurzer Zeit moderne Trainingsgeräte wie den Fitnessspiegel. © imago images/Jan Huebner/privat (Montage)
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Vor dem Test-Länderspiel an diesem Mittwoch gegen Tschechien hat Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer auf die außergewöhnliche Belastung der Spieler in Corona-Zeiten hingewiesen. "So eine Saison hat es noch nie gegeben und wird es hoffentlich auch nie wieder geben", sagte Neuer dem SPORTBUZZER.

Nicht mal der Taxifahrer wusste Bescheid. „Und ich bin Leipziger“, sagte der junge Mann, als er die Reporter vor dem Mannschaftshotel der Nationalmannschaft absetzte und sich wunderte, dass der DFB in dieser Woche gleich zweimal in seiner Stadt antritt – an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, RTL) zum Test gegen Tschechien, drei Tage später in der Nations League gegen die Ukraine (20.45 Uhr, ZDF). Und die wenigen Fans, die sich vor dem Hotel „Westin“ tummelten, erkannten zudem nur einige Gesichter. Mit Felix Udoukhai (FC Augsburg), Philipp Max (PSV Eindhoven) und Ridle Baku (VfL Wolfsburg) kamen drei Neulinge an, viele Stars stoßen erst im Laufe der Woche zum Team – wie Manuel Neuer, der am Donnerstag erwartet wird.

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Belastungssteuerung ist das Stichwort in diesen Corona-Zeiten. Schließlich haben Neuer und seine Kollegen vom FC Bayern bereits 13 Pflichtspiele mit dem Klub absolviert, dazu drei mit der Nationalelf. Bis Jahresende kämen weitere zwölf hinzu! „So eine Saison hat es noch nie gegeben und wird es hoffentlich auch nie wieder geben“, sagt der DFB-Kapitän im Gespräch mit dem SPORTBUZZER.

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Mitgezählt hat Neuer nicht. „Damit habe ich gar nicht erst angefangen“, so der Keeper. „Alle Beteiligten wissen, dass es sehr viel ist im Moment. Daher ist die Kommunikation untereinander umso wichtiger – mit den Trainern, den Ärzten und Physios und den Spielern.“ Löw gönnt seinen Dauerbrennern nach Absprache mit den Vereinstrainern die eine oder andere Auszeit. Wie schon beim letzten Länderspiel-Dreierpack im Oktober nominierte er einen XXL-Kader mit 29 Akteuren, einige werden nach dem Test am Mittwoch wieder abreisen.

Zuletzt häuften sich die Ausfälle, am Wochenende erwischte es Joshua Kimmich, der nach seinem Meniskuseinriss erfolgreich operiert wurde. Eine Folge der Belastung? Neuer glaubt nicht: „Solche Verletzungen können immer passieren. Die hat es auch vor Corona gegeben und wird es auch geben, wenn weniger Spiele auf dem Plan stehen. Der Ausfall von Jo tut uns natürlich weh – beim FC Bayern und beim DFB – aber wir kennen ihn und wissen, wie motiviert, gewissenhaft und ehrgeizig er ist. Von daher bin ich absolut sicher, dass er in alter Stärke zurückkommen wird.“ Im Januar, so lautet der Plan.

Für die Regeneration: Manuel Neuer mit Sonderschichten

Um Verletzungen vorzubeugen, legt Neuer zu Hause viele Sonderschichten ein, hat sich ein Originaltor in den Garten gestellt und macht Übungen, Yoga und Pilates mit dem sogenannten Fitnessspiegel. Er erklärt den Vorteil dieses modernen Trainingsgeräts: „Durch den Spiegel kannst du dich direkt kontrollieren und bekommst Feedback. Außerdem kannst du dir verschiedene Programme und Übungen aussuchen, in der Gruppe oder alleine trainieren, deine Ziele selbst setzen und erreichen – das macht wirklich großen Spaß und ist extrem motivierend.“ Gerade in Zeiten, in denen an normale Mannschaftseinheiten kaum noch zu denken ist, wie Neuer berichtet: „Gewisse Trainingsinhalte sind momentan gar nicht mehr möglich. Es gibt Regeneration nach dem Spiel, dann ein bisschen Taktik, Abschlusstraining, und dann steht schon die nächste Partie an. Kleine Turniere oder Spielformen oder Zweikampftraining – das findet gar nicht mehr statt.“

Dennoch ist der vierfache Welttorhüter „dankbar“: „Wir als Spieler sollten uns nicht beschweren, auch wenn wir an der Belastungsgrenze angekommen sind. Wir dürfen – im Gegenteil zu vielen anderen – spielen und sind sehr froh darüber, man muss sich ja nur die Amateurfußballer angucken oder einen Blick in andere Sportarten wagen.“ DFB-Direktor Oliver Bierhoff sieht das ähnlich und hielt zudem einen flammenden Appell, in dem er mehr Nachsicht mit den jungen Spielern forderte: „Es tut mir sehr weh, wie teilweise mit ihnen umgegangen wird. Sie haben unser Vertrauen verdient – und sie werden es zurückzahlen.“