16. November 2019 / 06:00 Uhr

DFB-Kapitän Manuel Neuer über das Duell mit ter Stegen, ein mögliches Karriereende und die EM-Chancen

DFB-Kapitän Manuel Neuer über das Duell mit ter Stegen, ein mögliches Karriereende und die EM-Chancen

Tim Lüddecke und Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Kapitän Manuel Neuer hat sich im SPORTBUZZER-Interview über das Torwart-Duell mit Marc-André ter Stegen geäußert - und auch über ein mögliches Karriereende gesprochen.
DFB-Kapitän Manuel Neuer hat sich im SPORTBUZZER-Interview über das Torwart-Duell mit Marc-André ter Stegen geäußert - und auch über ein mögliches Karriereende gesprochen. © imago images / Sven Simon
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Manuel Neuer ist eine Institution in der deutschen Nationalmannschaft. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Kapitän über das Torwartduell mit Marc-André ter Stegen, sein Karriereende und die rassistischen Aussagen von Schalke-Boss Clemens Tönnies.

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SPORTBUZZER: Herr Neuer, wissen Sie eigentlich, wie viele Länderspiele Sie absolviert haben?

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Manuel Neuer: Mehr als Oliver Kahn. (lacht) Aber wo ich genau stehe, weiß ich nicht aus dem Kopf. Vielleicht bei 90?

Es sind 91.

Keine Frage, das macht einen schon stolz – aber es geht ja noch weiter ...


Der 100er-Klub, bestehend aus elf Spielern, ist nicht mehr weit.

Das wäre etwas Besonderes. Gerade weil meines Wissens noch kein Torwart dabei ist. Es ist mein klares Ziel, diese magische Zahl zu erreichen.

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Manuel Neuer selbstbewusst: "Ich möchte Europameister werden, ohne Frage"

Klingt so, als wollten Sie Rekordnationalspieler Lothar Matthäus noch angreifen, der 150 Länderspiele absolviert hat?!

Nein, so weit schaffe ich es garantiert nicht mehr.

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Wenn alles glatt läuft, knacken Sie die Marke bei der EM. Sie sprachen zuletzt davon, dass Deutschland dann wieder um den Titel mitspielen will, während Toni Kroos meinte, dies käme wohl noch zu früh. Wie ist ihre Zielsetzung?

Ich möchte Europameister werden, ohne Frage. Auch wenn das kein einfacher Weg wird. Aber wenn man nichts definiert, wird es auch schwierig, etwas zu erreichen.

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Wie stehen die deutschen Chancen 2020?

Ich sehe uns nicht in der Favoritenrolle. Man kann Parallelen zur WM 2010 ziehen, wo wir ebenfalls eine junge Mannschaft hatten, die sich entwickeln und einspielen musste. Uns hatte damals nicht jeder zugetraut, dass wir bis ins Halbfinale kommen.

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Manuel Neuer über WM-Aus 2018: "Nach diesem Tiefpunkt müssen wir unser Image erst wieder aufbauen"

Wie sehr hat der Stellenwert des DFB unter dem WM-Aus 2018 gelitten?

Nach diesem Tiefpunkt müssen wir unser Image erst wieder aufbauen und das volle Vertrauen der Fans zurückgewinnen. Wir sind da selbst unsere größten Kritiker und noch mitten im Prozess des Umbruchs. Aber wir arbeiten daran, wieder an die Weltspitze zu kommen. Wenn man aktuell Bilder von der Nationalmannschaft sieht, merkt man, dass die Stimmung bei uns im gesamten Team total positiv ist. Wir wollen die Menschen wieder mit unserem Fußball anstecken, aber auch mit unserem Auftreten.

Sie sind seit zehn Jahren die Nummer eins beim DFB. Hatten Sie schon mal so einen starken Konkurrenten wie Marc-André ter Stegen?

Natürlich ist Marc ein klasse Torhüter. Aber wenn ich sagen würde, er ist mein einziger echter Konkurrent, wäre das nicht fair den anderen Torhütern gegenüber. Deswegen finde ich es schwierig und teilweise auch etwas respektlos, dass immer nur über einen angeblichen Zweikampf gesprochen wird.

Tim Lüddecke und Heiko Ostendorp im Gespräch mit DFB-Nationalkeeper Manuel Neuer.
Tim Lüddecke und Heiko Ostendorp im Gespräch mit DFB-Nationalkeeper Manuel Neuer. © SPORTBUZZER

"Ich will nicht spielen, weil ich Kapitän bin – sondern aufgrund meiner Leistung"

Spielt die Kapitänsbinde im Konkurrenzkampf eine Rolle?

Für mich überhaupt nicht. Ich will ja nicht spielen, weil ich Kapitän bin – sondern aufgrund meiner Leistung, und das ist auch der Fall.

Sie sind 33, ist man da schon „fußballalt“?

Na ja, manche von den Jungs könnten ja fast meine Kinder sein. (lacht) Spaß beiseite: Ich weiß, dass ich im letzten Viertel meiner Karriere bin. Aber ich möchte so lange spielen, wie ich fit bin, gebraucht werde und es mir Spaß macht. Das ist alles noch der Fall.

Nach dem WM-Titel haben viele Ihrer ehemaligen Mitspieler ihre DFB-Karriere beendet. Wäre das mit dem Gewinn des EM-Titels auch für Sie denkbar?

Ich habe mir keine Deadline gesetzt. So etwas muss von innen heraus kommen. Ich habe ja nur die eine Karriere und kann nicht plötzlich mit 45 sagen: Ich will jetzt noch mal für Deutschland spielen. Es gäbe dann für mich auch keinen Schritt zurück mehr. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

"Eigentlich darf es nicht passieren, dass man in der Bundesliga auf einen Schiri losgeht"

Was fällt Ihnen heute schwerer als mit 23?

Das Aufstehen geht noch ganz gut. Es kam zwar ganz, ganz selten vor: Aber wenn ich mit 23 mal eine kleine Partynacht hatte, hätte ich am nächsten Tag theoretisch ganz normal trainieren können. Mit 33 könnte ich mir das jetzt nicht mehr leisten. (grinst)

Ganz anderes Thema: Ihr Bruder Marcel war selbst Schiedsrichter und bildet diese auf Schalke aus – haben Sie dadurch mehr Verständnis für diesen Job?

Ja, schon. Als Kapitän bin ich ohnehin stets im Austausch mit den Unparteiischen – sie sprechen mich oft auf ihn an und sagen, ich solle ihm Grüße bestellen.

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Gerade im Amateurbereich werden Schiris immer wieder attackiert, auch körperlich.

Mein Bruder hat ebenfalls in den unteren Ligen im Ruhrgebiet angefangen. Da gab es auch Beleidigungen, einmal wurde einer seiner Linienrichter mit einem Becher beworfen. Die aktuellen Ausmaße gehen natürlich gar nicht. Gewalt hat sowohl auf als auch neben dem Fußballplatz nichts zu suchen.

Was können Profis in dieser Hinsicht tun?

Sich besser verhalten, weil das bis nach unten abfärbt. Eigentlich darf es nicht passieren, dass man in der Bundesliga auf einen Schiri losgeht. Aber ich finde, dass der Umgang zwischen Profis und Schiedsrichtern auf einer professionellen Ebene stattfindet und wir das – bei allen Emotionen – schon an ganz vielen Stellen vorbildlich machen. Aber klar, es geht immer noch besser.

Neuer über Schalke-Boss Tönnies: "Man muss sich genau überlegen, wie man sich verhält und äußert"

Inwiefern gilt diese Vorbildfunktion auch für Social Media, wenn man beispielsweise an die letzten Likes von Ilkay Gündogan und Emre Can denkt?

Man wird heute auf Schritt und Tritt beobachtet, gleichzeitig posten sehr viele Spieler etwas, weil es inzwischen ein Stück weit zum Job, zur Fanarbeit gehört. Deshalb müssen wir genau darauf achten, wie wir uns gerade auch neben dem Platz verhalten. Jeder macht mal Fehler, aber wir haben auch bei der angesprochenen Geschichte ganz klar Stellung bezogen – intern wie extern. Wir haben unter anderem unmittelbar nach dem Estland-Spiel ein Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung gesetzt.

DFB-Kapitän Neuer über die Reaktionen von Can und Gündogan bei Salut-Jubel

Bei Schalkes Boss Clemens Tönnies, den Sie sehr gut kennen, gab es eine Debatte nach seinen rassistischen Äußerungen. Wie haben Sie die Diskussionen wahrgenommen?

Ich bin da ehrlicherweise nicht voll im Thema gewesen. Aber klar ist, dass man sich genau überlegen muss, wie man sich verhält und sich äußert – erst recht, wenn man in der Öffentlichkeit steht oder ein spezielles Amt ausübt.