16. Oktober 2020 / 07:33 Uhr

Krach um Schmiedebach: Darum platzte der Transfer zum nächsten 96-Gegner Paderborn

Krach um Schmiedebach: Darum platzte der Transfer zum nächsten 96-Gegner Paderborn

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ex-96-Profi Manuel Schmiedebach, zuletzt für Union Berlin am Ball, wäre beinahe beim SC Paderborn gelandet. 
Ex-96-Profi Manuel Schmiedebach, zuletzt für Union Berlin am Ball, wäre beinahe beim SC Paderborn gelandet.  © imago images/Contrast
Anzeige

Manuel Schmiedebach, einst Kapitän von Hannover, ist aktuell vereinslos und hält sich bei der 96-Reserve fit. Beinahe wäre der defensive Mittelfeldspieler beim SC Paderborn gelandet, der Deal stand kurz vor dem Abschluss. Doch in letzter Sekunde wurde der Transfer geblockt. Das stieß SCP-Coach Steffen Baumgart sauer auf. 

Anzeige

Klassenerhalt ist nicht das Ding des Trainers Steffen Baumgart in Paderborn. Seit er Cheftrainer beim nächsten 96-Gegner ist, ging es rauf, oder es ging runter. Nach seinen ersten Amtswochen im Frühling 2017 wäre Baumgart mit Paderborn sportlich abgestiegen – der SC blieb nur in Liga drei, weil 1860 München zwangsabsteigen musste. Es folgte der rasante Durchmarsch in die 1. Liga – mit schnellem, mit mutigem Fußball, mit dem Baumgart aber sofort wieder abstieg.

Mutig ist Baumgart zweifellos, authentisch dazu, er trägt sein Herz auf der Zunge, wie man sagt. Das hätte prima gepasst mit dem aktuell vereinslosen Manuel Schmiedebach. Baumgart und der 31-Jährige fanden zusammen, die Verträge waren ausverhandelt, der Transfer war klar. Aber in letzter Sekunde platzte er.

Die besten Bilder von Manuel Schmiedebach aus seiner Zeit bei Hannover 96

Manuel Schmiedebach verlässt Hannover 96 - wir blicken auf seine Zeit bei den Roten zurück. Zur Galerie
Manuel Schmiedebach verlässt Hannover 96 - wir blicken auf seine Zeit bei den Roten zurück. ©

Baumgart ärgert sich maßlos

Um ein Haar wäre 96 am Sonntag in Paderborn auf seinen ehemaligen Profi getroffen, auf den Aufstiegskapitän und Europa-League-Sechser. Stattdessen trainiert Schmiedebach bis auf Weiteres bei der Reserve von 96 mit, um sich fit zu halten.

Schmiedebach würde nicht jedes Angebot sofort annehmen, aber Paderborn? Mit Baumgart? Das hätte er gern gemacht.

Nur wurde leider nichts daraus. Baumgart ärgert die Transferposse maßlos. Und schon herrscht Stress im sonst so harmonisch couragierten Umfeld der vergangenen Jahre. Der recht neue Manager Fabian Wohlgemuth spielt dabei eine undurchsichtige Rolle.

Transfer wohl aus wirtschaftlichen Gründen geblockt

Paderborn hatte sich auf den letzten Transfertürdrücker mit Prince Osei Owusu (Bielefeld) und Marco Terrazzino (vereinslos, zuletzt Freiburg) verstärkt. 17 Neue hat Baumgart nach dem Abstieg in die 2. Liga bekommen, keiner kostete Ablöse. 16 Spieler hat Paderborn verloren, für Lucas Kilian gab es zwei Millionen Euro.

Ein Plus, aber in der Corona-Zeit schlägt das Einnahmeminus auch nach dem Abstieg in den Büchern durch. Die Verpflichtung von Schmiedebach soll nicht finanzierbar gewesen sein.

Angeblich soll der Wirtschaftsratsvorsitzende Elmar Volkmann den Transfer geblockt haben. Volkmann bekam Rückendeckung von Manager Wohlgemuth. „Transferentscheidungen liegen immer in meinem Ressort“, sagte der frühere Kiel-Manager, der auch bei 96 mal als Sportdirektor im Gespräch war. Offenbar entschied sich Wohlgemuth demnach gegen den Schmiedebach-Transfer.

Mehr zu Hannover 96

"Ich hätte ihn gern gehabt, die sportliche Leitung auch. Aber er ist abgelehnt worden."

Dem widersprach nun Trainer Baumgart nach einem 1:5 im Test gegen Schalke. Mit Schmiedebach, sagte Baumgart in einer Medienrunde, „waren wir uns einig. Ich hätte ihn gern gehabt, die sportliche Leitung auch. Aber er ist abgelehnt worden.“

Wohlgemuth versuchte noch, die Widersprüche einzufangen. Jeder wisse doch, „dass unser Trainer sehr emotional ist. Solche Aussagen nach einem 1:5 darf man nicht überbewerten.“ Schmiedebach geriet damit ohne eigenes Zutun zwischen die Stühle, bevor der Transfer zustande kam. Ein Spielball zu sein im Machtkampf, der sich offenbar gerade in Paderborn abspielt, das hat der frühere 96-Kapitän sicher nicht verdient.