10. Januar 2021 / 17:33 Uhr

Marc Fischer ist "Ballverliebt" - so begeistert der Trainer des Ratzeburger SV andere für Taktik & Co.

Marc Fischer ist "Ballverliebt" - so begeistert der Trainer des Ratzeburger SV andere für Taktik & Co.

Daniel Politowski
Lübecker Nachrichten
Marc Fischer vom Ratzeburger SV hat eine ganz besondere Beziehung zu allem rund um Fußball-Taktik.
Marc Fischer vom Ratzeburger SV hat eine ganz besondere Beziehung zu allem rund um Fußball-Taktik. © Agentur 54°
Anzeige

In der Kreisliga läuft es für sein Team bisher wie am Schnürchen. Fünf Siege aus fünf Spielen. Dem LN-Sportbuzzer erzählt Marc Fischer von einem Herzensprojekt.

Anzeige

Marc Fischer, der Trainer des Ratzeburger SV betreibt neben seiner Position als Cheftrainer des Kreisligisten die Plattform "Ballverliebt", wo er Trainern und Spielern im Einzeltraining Tipps mit auf den Weg gibt, um sich weiterentwickeln zu können. Nicht nur deswegen könnte man ihn als absoluten Taktik-Fanatiker à la Pep Guardiola oder Thomas Tuchel bezeichnen. Dem Sportbuzzer steht Fischer Rede und Antwort und verrät, was "Ballverliebt" ist und was ihm als Trainer am wichtigsten ist.

Anzeige

Marc Fischer stellt vor: Das ist "Ballverliebt"

LN-Sportbuzzer: Was genau “ist” Ballverliebt?

Fischer: Ganz einfach gesagt ist es eine Fußballschule, die sowohl Fördertraining für Spieler/-innen jeglicher Altersklassen, als auch Trainerfortbildungen für ambitionierte Trainer anbietet. Im Großen und Ganzen geht es aber viel mehr darum, dass ich die Faszination für dieses Spiel weitergeben möchte, die ich dafür empfinde. Ich möchte, dass die Spieler und Trainer sich genau so in dieses Spiel verlieben, wie ich es heute noch bin. Gerade in der jetzigen Zeit habe ich gemerkt, welche Vorfreude, welches Herzklopfen auch nach 26 Jahren noch immer vor einem „Ballkontakt“ entsteht. Welche gute Ehe kann das schon von sich behaupten?

LN-Sportbuzzer: Wie kam es zur Gründung von Ballverliebt?

Fischer: Ich liebe es, zu trainieren und Spielern etwas beizubringen, die Lernerfolge zu beobachten. Und ich konnte mich schon immer stundenlang mit anderen Begeisterten über Fußball unterhalten, vergesse dabei völlig die Zeit. Schon seit einigen Jahren strebe ich danach, dies noch mehr leben zu können. Der Gedanke an so eine Tätigkeit reift also schon länger. Spätestens als ich dann als Referent bei der C-Lizenz-Ausbildung einsteigen durfte, wurden diese Gedanken immer konkreter. Ich habe nicht nur gemerkt, dass ich für diese Tätigkeit brenne, sondern konnte auch entsprechendes Feedback aufschnappen, was andere Trainer interessiert und in welchen Bereichen sie sich weiterbilden möchten. Bereiche, die vielleicht in den normalen Lehrgängen der DFB-Lizenzen, eher beiläufig behandelt werden, in der Praxis aber oft den entscheidenden Unterschied machen. Am Ende geht es ja darum, dass die Spieler sich wertgeschätzt fühlen und den größtmöglichen Spaß während der Betreuung empfinden.

LN-Sportbuzzer: Wie ist die bisherige Resonanz von Spielerseite bzw. anderer Trainer?

Fischer: Bisher erfahre ich nur Zuspruch für diese Sache. Das ist etwas, was in unserer Region so noch nicht bedient wurde. Wonach aber implizit und explizit verlangt wird. So zumindest meine Interpretation des Feedbacks in den vergangen Jahren.

Fischer lernt von Tobias Escher und Gladbachs Co-Trainer

LN-Sportbuzzer: Wie bildest du dich weiter? (Privat sowie professionell)

Fischer: Der Hauptbildungsweg sollte immer die Ausbildungspyramide des DFB sein. Man sollte immer im Blick haben, wo man gerne hin möchte und welche Entwicklungsschritte man auf dem Weg machen möchte. Deswegen gucke ich natürlich, ab welchem Zeitpunkt die nächste Lizenzstufe angegangen wird oder wurde. Zusätzlich gibt es aber verschiedene Wege, sich noch zu speziellen Themen weiterzubilden. An Fortbildungen zur Athletik oder Ernährung für Fußballer habe ich vom SHFV sehr gerne teilgenommen. Aber auch online gibt es mittlerweile tolle Möglichkeiten, wie zum Beispiel bei Advance. Football. Das sind jedoch eher punktuelle Highlights. Das „Tagesgeschäft“ sind unzählige Blogbeiträge, Magazine, YouTube-Videos oder Social-Media-Posts, aus denen ich täglich neue Ideen und Inspirationen ziehe. Eigentlich vergeht kein Tag, an dem ich nichts Neues entdecke.

LN-Sportbuzzer: Auf deiner Facebookseite von "Ballverliebt" kann man sehen, dass du viel aus Büchern ziehst und Tobias Escher es dir anscheinend (zurecht) angetan hat. Hast du ein Lieblingsbuch im Taktik-/Trainerbereich?

Fischer: Da kann ich mich gar nicht festlegen. Je nachdem, für welches Thema man sich gerade übergeordnet interessiert und in dem man sich weiterbilden möchte, gibt es tolle Bücher. Trainern würde ich immer „Fußball durch Fußball“ (von Marco Henseling und René Marić, heute Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach, Anm. d. Red.) nahelegen. Da lernt man viel über moderne Trainingsmethoden oder taktische Feinheiten, verständlich in einem Buch zusammengefasst. „Vom Libero zur Doppelsechs“, vom angesprochenen Tobias Escher, eignet sich hervorragend, um die geschichtliche Entwicklung des Fußballs und damit auch die spielerische Entwicklung zu verstehen. Aber auch Biographien, wie „Herr Guardiola“ oder „Der König und sein Spiel“ (Cruyff) haben mir viele tolle Einblicke gegeben. Wenngleich ich aber natürlich auch noch einige Bücher auf meiner Liste habe, die ich unbedingt noch lesen möchte. Gut möglich, dass da noch einige Empfehlungen dazu kommen.

Welcher Kollege beeindruckt den Ratzeburg Coach, welches System bevorzugt er?

LN-Sportbuzzer: Gibt es einen Kollegen im Amateur-Bereich/Weltfußball, dessen Herangehensweise dich beeindruckt/beeinflusst?

Fischer: Ich glaube, dass man von vielen Persönlichkeiten beeinflusst wird. Niemand ist vollkommen, aber viele haben irgendwas an sich, was man für sich selber rausziehen kann und was einen begeistert. Klopp, Cruyff, Mourinho, Bielsa, Nagelsmann - alle haben mich beeinflusst oder tun es immernoch. Wenn ich aber einen herausstellen muss, wäre das sicherlich Guardiola. Dieser unbändige Antrieb und die Lösungen, die er auf Probleme findet, beeindrucken mich. Das geht ja sogar bis zur Frisur. Aber auch im direkten Umfeld gibt es tolle Persönlichkeiten, von denen ich mir gerne etwas abschaue. Besonders im Umgang mit den verschiedenen Spielerpersönlichkeiten, haben einige tolle Herangehensweisen. Das sehe ich als genau so wichtigen Faktor, wie die eigene Spiel- und Trainingsidee.

LN-Sportbuzzer: Im Fußball wird häufig die Systemfrage gestellt. Gibt es deiner Meinung nach ein System, das - unabhängig vom Gegner - Vorteile gegenüber den anderen gängigen Varianten hat und wenn ja, warum?


Fischer: Das ist schwierig, denn sicherlich habe ich ein, zwei favorisierte Grundordnungen, jedoch muss das System immer zu den Spielern passen. Deswegen sollten die Fähigkeiten meiner Spieler immer das System bestimmen und nicht anders herum. Es geht darum, die Qualitäten meiner Spieler mit dem Spielsystem zu unterstützen und noch stärker zu machen. Oder natürlich Schwächen zu kaschieren. Das System ist quasi der Dienstleister der Spieler. Je nach Spielstil und Spielerqualität hat mal das eine und mal das andere System seine Vorteile. Wenn man dann noch die Grundordnung und Stärken des Gegners betrachtet, wird da schnell eine ganz komplexe Nummer draus. Sich da festzulegen ist eigentlich unmöglich und sollte immer variabel sein. Zumal das System ja sowieso noch davon abhängig ist, wie die Spieler sich innerhalb dieses Systems bewegen und welche Dynamiken sich dann ergeben.

Darauf kommt es Fischer im Training an

LN-Sportbuzer: Worauf legst du selbst deinen Fokus im Trainingsbetrieb? Was ist dir bei der optimalen Vorbereitung auf ein Spiel wichtig, welche vielleicht oft weniger beachteten Faktoren spielen eine Rolle?

Fischer: Das Training sollte immer einen spürbaren und logischen Effekt haben. Dabei sollte es auch möglichst so viel Spaß machen, dass die Spieler glücklich und mit einem Mehrwert nach Hause gehen, dass sie etwas gelernt haben und besser geworden sind. Ich finde, dass das Training immer einer langfristigen Spielidee folgen sollte, von der ich überzeugt bin, dass man damit langfristig auch Erfolg hat. Der grundlegende Spielstil hat für mich also immer Vorrang. Innerhalb dieser Spielidee kann man aber natürlich passend zum kommenden Gegner gewisse Elemente in den Vordergrund stellen, die womöglich besonders gefragt sein werden. Der langfristige Plan sollte aber immer erkennbar sein.

Wohin führt der Weg von Marc Fischer?

LN-Sportbuzzer: Du besitzt die DFB-Elite-Jugend-Lizenz und fungierst aktuell neben deiner Tätigkeit beim RSV als Stützpunkt-Trainer. Was sind deine weiteren Ziele als Trainer? Möchtest du nochmal höherklassig trainieren?

Fischer: Natürlich! Wenn ich als Trainer nicht jeden Tag vorleben würde, nach mehr zu streben und mich weiterentwickeln zu wollen, könnte ich es auch nicht von meinen Spielern verlangen. Das ist die Grundlage für jeden Erfolg. Ich bin kein Träumer und im Fußball sind immer mehrere Faktoren ausschlaggebend. Aber irgendwann in die Nähe des professionellen Fußballs zu kommen und von seiner Leidenschaft leben zu können, wäre unbezahlbar. Mittlerweile sind die Möglichkeiten da ja breit gefächert und ich will auf diesem Weg einfach hart arbeiten. Irgendwann wird das belohnt.