06. Juni 2020 / 08:00 Uhr

Marco Bode über Abstiegskampf und Vertrauen in Werder-Coach Kohfeldt: "Daran hat sich nichts geändert"

Marco Bode über Abstiegskampf und Vertrauen in Werder-Coach Kohfeldt: "Daran hat sich nichts geändert"

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marco Bode ist seit dem 25. Oktober 2014 Aufsichtsratsvorsitzender von Werder Bremen.
Marco Bode ist seit dem 25. Oktober 2014 Aufsichtsratsvorsitzender von Werder Bremen. © imago images/Revierfoto (Montage)
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Aufsichtsratschef Marco Bode spricht im SPORTBUZZER-Interview über das Vertrauen von Werder Bremen in Trainer Florian Kohfeldt und seine Zweifel an einem Umdenken des Profifußballs nach Corona.

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Platz 17, zuletzt die 0:3-Pleite gegen Eintracht Frankfurt: Werder Bremen steckt vor dem Spiel am Sonntag (13.30 Uhr, DAZN) gegen den VfL Wolfsburg in höchster Abstiegsgefahr. Aufsichtsratschef und Klub-Legende Marco Bode erklärt im Interview, warum man dennoch am beständigen Bremer Weg festhält.

SPORTBUZZER: Herr Bode, ist die Mannschaft schon wieder so stabil, dass sie eine Enttäuschung wie das 0:3 gegen Frankfurt wegzustecken vermag?

Marco Bode (50): Ich glaube, das kann hier und heute niemand abschließend beantworten. Jede Niederlage schmerzt erst einmal sehr und bringt negative Gedanken mit sich. Aber so ist nun mal der Alltag eines Profisportlers. Dann gilt es wieder aufzustehen. Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass wir als Team zusammenstehen und neben der Qualität auch die Mentalität mitbringen, um es zu schaffen.

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Ist die Überzeugung noch da, dass Florian Kohfeldt der richtige Trainer ist?

Ja. Daran hat sich nichts geändert. Wir sind nach wie vor entschlossen, diese Herausforderung auch weiterhin in dieser Konstellation anzugehen.

Die meisten Profiklubs hätten schon den Trainer gewechselt. Wie erklärt sich Werders Haltung?

Das hängt zusammen mit den handelnden Personen und hat seinen Ursprung in der Historie. Wenn es nicht läuft, ist es im Fußball häufig ein Reflex einen Schuldigen zu suchen, und diese Suche führt nicht selten zum Trainer. Wir haben aber schon in der Analyse im Winter viele Ursachen für unser Abschneiden gefunden, die nichts mit der Arbeit von Florian Kohfeldt zu tun hatten, etwa die Verletztenmisere. Für uns ist der richtige Trainer der, der die Philosophie des Klubs vertritt, der es versteht, unsere Spielphilosophie auf den Platz zu bringen und der in der Außendarstellung überzeugt. Und dass hohe Fachkompetenz die Basis ist, versteht sich von selbst. All das bringt Florian mit.

"Wir denken nur im Hier und Jetzt"

Würde Werder auch im Falle eines Abstiegs an Kohfeldt festhalten?

Damit beschäftigen wir uns jetzt nicht, wir denken nur im Hier und Jetzt. Wir sind weit davon entfernt, irgendetwas geschafft zu haben, sind aber zuversichtlich, dass wir unser Ziel gemeinsam erreichen. Sollte es dennoch nicht klappen mit dem Klassenerhalt, werden wir uns nach der Saison sehr selbstkritisch alles anschauen, vom Aufsichtsrat über alle Führungspositionen bis hin zum Trainer. Aber auch dann wird es keinen Automatismus in irgendeine Richtung geben.

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Fünf Spiele bleiben Team und Trainer. Haben Sie eine Rechnung angestellt, wie viele Punkte man benötigt, um den Relegationsplatz zu erreichen?

Natürlich kalkuliert man das für sich selbst mal durch, letztlich aber würde es nichts bringen jetzt eine Zahl zu nennen. Fakt ist, dass wir zwei Punkte hinter Düsseldorf liegen und drei hinter Mainz. Ohnehin gehe ich davon aus, dass die Entscheidung über den Klassenerhalt wahrscheinlich erst am letzten, allenfalls am vorletzten Spieltag fällt. Dann treffen wir auf Mainz, sodass wir diese drei Punkte aus eigener Kraft aufholen können. Wobei: Wenn man ehrlich ist, sind es angesichts unseres schlechten Torverhältnisses wohl eher vier statt drei Punkte. Und jedem muss klar sein, dass ein solches Duell immer ein sehr kompliziertes Spiel ist, in dem erneut die Nerven eine große Rolle spielen werden.

"Corona bedeutet eine sehr große Herausforderung"

Kompliziert ist auch Werders finanzielle Situation. Wie weit hat Corona den Verein zurückgeworfen?

Lassen Sie mich so antworten: Die Gewinne der vergangenen vier Jahre haben uns gutgetan. Corona bedeutet eine sehr große Herausforderung, nicht nur für Werder Bremen, sondern für die gesamte Branche. Zwar konnte das niemand voraussehen. Dennoch sollten wir alle überlegen, ob es in Zukunft nicht den einen oder anderen Hebel gibt, um auf eine solche Situation zumindest ein wenig besser vorbereitet zu sein – selbst wenn Corona hoffentlich ein singuläres Ereignis bleiben wird.

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Viele betonen, dass sich etwas ändern muss im Profifußball. Wenn Sie zwei, drei Saisons vorausschauen: Glauben Sie, dass sich dann tatsächlich etwas geändert haben könnte?

Wenn Corona ganz überwunden sein wird, befürchte ich, dass es eine Tendenz geben könnte, doch alles genauso weiterlaufen zu lassen, wie bisher. An eine selbstverantwortliche, freiwillige Bereitschaft der Akteure im Profifußball, auf bestimmte Dinge zu verzichten, mag ich jedenfalls nicht so sehr glauben. Soll sich etwas ändern, wird es notwendig sein, sich Regeln und Rahmenbedingungen, etwa in Sachen Lizenzierung oder Financial Fairplay, genau anzuschauen und zu überlegen, ob es möglich ist, hier etwas zu ändern. Diesbezüglich dürfte es hilfreich sein, dass auch Christian Seifert das so formuliert hat. Nur darauf zu warten, dass Vereine, Spieler und Berater freiwillig diesen Weg einschlagen, das wäre naiv.