02. August 2019 / 12:49 Uhr

Marco Höger über "Publikumsmagnet" Modeste, seine Liebe zum 1. FC Köln und die Probleme von Schalke 04

Marco Höger über "Publikumsmagnet" Modeste, seine Liebe zum 1. FC Köln und die Probleme von Schalke 04

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marco Höger im SPORTBUZZER-Interview über Anthony Modeste, den 1. FC Köln und seinen Ex-Klub Schalke 04.
Marco Höger im SPORTBUZZER-Interview über Anthony Modeste, den 1. FC Köln und seinen Ex-Klub Schalke 04. © imago images / Herbert Bucco
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Marco Höger spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Bedeutung von Anthony Modeste für den 1. FC Köln, Vereinstreue, das internationale Ansehen der Bundesliga und die Probleme seines Ex-Klubs Schalke 04.

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SPORTBUZZER: Herr Höger, wer trinkt Schnaps vorm Dopingtest?

Marco Höger (29): Anthony Modeste (lacht). Ich kenne das Lied natürlich.

Ihre Beziehung zum 31-jährigen Franzosen ist sehr freundschaftlich…

Als ich nach Köln gekommen bin, war er schon da. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Auch als er in China war, hatten wir ständig Kontakt. Wenn er mal zu Besuch in Köln war, haben wir uns regelmäßig gesehen. Es ist eine Freundschaft entstanden. Wir machen auch außerhalb des Platzes viel zusammen.

Welche Bedeutung hat Modeste für den 1. FC Köln?

Zum einen ist er Publikumsmagnet. Es ist nicht selbstverständlich, dass Fans einen Spieler so wieder aufnehmen. Tony hat einen großen Stellenwert beim Effzeh.

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Und sportlich gesehen?

Natürlich hat er eine Riesenqualität. Aufgrund des ganzen Theaters rund um den Transfer konnte er aber lange Zeit nur trainieren. Das war ihm bei den Spielen in der Rückrunde teilweise noch anzusehen. Es wird ihm gut tun, die ganze Vorbereitung zu absolvieren. Danach wird er sicher an seine früheren Leistungen anknüpfen.

Sie spielen seit 2016 für den 1. FC Köln und haben dem Verein trotz Ausstiegsklausel nach dem Abstieg 2018 nicht verlassen. Das galt auch für Spieler wie Jonas Hector und Timo Horn. Waren diese Entscheidungen ein Beispiel dafür, dass Vereinstreue noch existiert?

Timo und ich sind Kölner Jungs und in der Stadt verwurzelt – auch Jonas lebt mittlerweile seit vielen Jahren hier. Für uns war es daher im Vergleich zu anderen Spielern etwas einfacher, diesen Schritt zu machen. Es war klar unsere Absicht, damit ein Zeichen zu setzen. Wir sind sehr froh, dass wir mit der Rückkehr in die Bundesliga das erreicht haben, was wir uns zusammen vorgenommen haben.

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Ihr Opa Herbert spielte einst für den Effzeh, Ihr Papa Michael für Fortuna Köln. Ist Ihr Karriere-Ende in Köln vorprogrammiert?

Das ist natürlich mein Ziel. Ich werde dieses Jahr 30 und habe noch zwei Jahre Vertrag hier. Mein Wunsch ist es, dass der Verein und ich zu gegebener Zeit zusammenkommen und das fixieren.

Und wie sehen bei Ihnen die Planungen nach der Karriere aus?

Ich mache seit eineinhalb Jahren ein Fernstudium im Bereich Spielanalyse und Scouting – das interessiert mich sehr. Mein Wunsch wäre es, nach der Karriere in diesem Bereich für den Effzeh zu arbeiten.

Was würden Sie aktuell einem jungen, talentierten Spieler raten?

Die Bundesliga wird im internationalen Vergleich immer häufiger in Frage gestellt, gehört für mich aber nach wie vor zu den drei besten Ligen in Europa. Als junger Spieler hat man in Deutschland alle Möglichkeiten. Man hat optimale Rahmenbedingungen und kann sich hier gut entwickeln. Deshalb würde ich jedem jungen Spieler dazu raten, in die Bundesliga zu gehen.

Können Sie nachvollziehen, dass Spieler trotz guter Perspektiven in Deutschland in andere Top-Ligen wechseln?

Man muss sehen, dass wir Spieler nur eine einzige Karriere haben. Es ist auf jeden Fall wichtig, seinen Weg so zu gestalten, dass man auch nach Karriereende noch vom dem leben kann, was man im Laufe seiner aktiven Zeit verdient hat. Es gibt ja keine Garantie dafür, dass man direkt einen Anschlussjob findet. Wenn ein Spieler wie Haller für 40 Millionen Euro zu West Ham wechselt, kann man sich vorstellen, dass sich sein Gehalt im Vergleich zu Frankfurt dementsprechend entwickelt.

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Noch ein kurzer Blick zurück auf Ihre bisherige Karriere: Vor ihrem Wechsel nach Köln haben Sie fünf Jahre für Schalke 04 gespielt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Auf Schalke ist es schon sehr unruhig. Das Stimmungsbarometer kippt dort etwas schneller als bei anderen Vereinen.

Auf Legenden wie Ralf Fährmann oder auch Benedikt Höwedes wurde nicht mehr gesetzt. Wie sehen Sie die Entwicklung auf Schalke?

Von außen ist das schwer zu bewerten. Wenn Schalker Jungs den Klub verlassen, ist das auf den ersten Blick nicht immer nachzuvollziehen. Und für Fans ist es nie schön, wenn Eigengewächse gehen.

Wie sehen Sie ihren Ex-Klub für die kommende Bundesliga-Saison aufgestellt?

Der Verein ist schon länger auf der Suche nach einer klaren Spiel-Philosophie. Unter Tedesco dachte man, fündig geworden zu sein. Man hofft als Ex-Schalker natürlich, dass der Verein eine Linie findet, konstant mit einem Trainer zusammenarbeitet und etwas aufbaut. Schalke hat so viel Potenzial und gehört eigentlich zu den Top drei, vier Teams in Deutschland.

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