16. Juni 2019 / 19:35 Uhr

Marco Vorbeck im Interview: "Diese Zeit hat mich brutal geerdet"

Marco Vorbeck im Interview: "Diese Zeit hat mich brutal geerdet"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Nulldrei-Präsident Archibald Horlitz begrüßt Ex-Profi Marco Vorbeck, der ab der kommenden Saison beim SV Babelsberg 03 in der Verantwortung steht.
Nulldrei-Präsident Archibald Horlitz begrüßt Ex-Profi Marco Vorbeck als neuen Trainer und Sportlichen Leiter beim SV Babelsberg 03. © Verein
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Regionalliga Nordost: Der 37-Jährige startet mit dem SV Babelsberg 03 am Montag in die Vorbereitung und spricht im Interview über seine Gefühlswelt, den knappen Etat und seine Zeit am Bankschalter.

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Humor scheint er auf jeden Fall zu haben, der neue Trainer und Sportliche Leiter des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. So meldet sich Marco Vorbeck (37) beim Telefoninterview nach dem ersten Klingeln direkt mit „Hoeneß“. In seinen ersten Tagen als neuer Mann auf der Kommandobrücke des Kiezvereins, auf der er in die großen Fußstapfen von Almedin Civa tritt, dürfte er fast ähnlich viel zu tun haben wie der aktuelle Bayern-Präsident Uli Hoeneß zu seinen Hochzeiten als Manager des deutschen Rekordmeisters. Im Interview spricht der Ex-Profi und ausgebildete Fußball-Lehrer Vorbeck über seinen ersten Trainerjob im Männerbereich, einen knappen Etat und seine Art Fußball spielen zu lassen.

Herr Vorbeck, am Montag starten Sie mit dem SV Babelsberg 03 in Ihre erste Vorbereitung als Trainer einer Männermannschaft. Wie sieht Ihre Gefühlswelt aktuell aus?
Marco Vorbeck: Gemischt, um ehrlich zu sein. Ich freue mich auf die neue Herausforderung. In den vergangenen Tagen hatte ich aber natürlich vor allem damit zu tun, mich einzuarbeiten und die Kaderplanung voranzutreiben – da muss man aber auch mal den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen. Das ist schwierig. Ich hatte den Eindruck, dass die Mannschaft im vergangenen Jahr richtig gut zusammengepasst hat und hätte sie natürlich gerne so gut es geht zusammengehalten. Das wird nicht komplett klappen, aber so ist der Fußball. Die Jungs wollen versuchen, so hochklassig wie möglich zu spielen – das muss man akzeptieren.

Gerade, wenn der Etat für die kommende Spielzeit mit 300 000 Euro knapp bemessen und unter dem des Vorjahres ist.
Genau. Viel Spielraum bleibt da nicht. Wenn man sieht, dass bei manchen Regionalligisten über Summen um zwei Millionen Euro gesprochen wird, ist es natürlich auch schwierig, den Kader zusammenzuhalten oder neue Spieler von sich zu überzeugen. Zudem zahlen wir hier keine Berater-Provision, weil das vom Etat für die Mannschaft abgehen würde. Aber die Verantwortlichen haben mir hier von Anfang an reinen Wein eingeschenkt und ich wusste, worauf ich mich einlasse.

In Bildern: Die Karriere von Marco Vorbeck.

Die Karriere von Marco Vorbeck in Bildern. Zur Galerie
Die Karriere von Marco Vorbeck in Bildern. ©
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Warum haben Sie sich trotzdem auf die Nachfolge von Almedin Civa beworben?
Weil sich die Chance bietet, etwas Neues aufzubauen und den weiteren Weg mit zu beeinflussen. Ich war das erste Mal im vergangenen März beim 0:0 gegen Wacker Nordhausen im Karl-Liebknecht-Stadion und war total überrascht, was hier für eine Stimmung herrschte. Die Fans haben ihre Mannschaft 90 Minuten lang unterstützt. Zudem war Nulldrei da klar besser und hätte gewinnen müssen – obwohl man auch damals schon einen deutlich geringeren Etat hatte. Wir werden in der neuen Saison nicht um den Aufstieg mitspielen können, brauchen uns aber auch in Zukunft vor keinem Gegner zu verstecken.

Hatten Sie in den vergangenen Tagen Kontakt mit Ihrem Vorgänger?
Nicht wirklich. Natürlich habe ich das ein oder andere Mal daran gedacht, ihn anzurufen und nach seiner Meinung zu fragen. Aber ich will ihm auch nicht auf die Nerven gehen.

Wie kam der Kontakt zwischen Ihnen und dem SVB zustande?
Relativ unspektakulär. Mein Berater hat mitbekommen, dass Almedin Civa den Verein verlässt. Dann habe ich mich beworben. Wir haben uns getroffen und unsere Ansichten ausgetauscht – das hat gepasst.

Sie übernehmen eine sehr junge Mannschaft. Ist es für sie daher ein Vorteil, dass sie bei 1860 Rosenheim, dem FC Hansa Rostock sowie als Stützpunkttrainer mehrere Jahre im Nachwuchs gearbeitet haben?
Das ist sicherlich kein Nachteil und kann hilfreich sein. Insgesamt versuche ich aber in der Ansprache und im Umgang mit den Spielern keine Unterschiede zu machen – ob jung oder alt.

Wo sehen Sie aktuell die größten Baustellen im Kader, in dem noch einige Planstellen offen sind?
In der Innenverteidigung und auf der linken Defensivseite haben wir sicherlich den größten Bedarf.

Welches Anforderungsprofil stellen Sie an potenzielle Neuzugänge?
Ich schaue fast nur nach Spielern, die unter 25 Jahre alt sind. Spieler von außen zu holen, die ihre Laufbahn hier ausklingen lassen wollen, macht wenig Sinn. So werden zum Beispiel noch einige Akteure zum Probetraining kommen, die in der vergangenen Spielzeit noch in der A-Jugend gespielt haben.

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

Mit welchen Argumenten wollen Sie diese von einem Wechsel an den Babelsberger Park überzeugen?
Sie haben hier die Chance, auf gutem Niveau und vor einer in dieser Liga nicht alltäglichen Kulisse zu spielen und Erfahrungen zu sammeln. Zudem bieten wir die Chance, neben dem Fußball ein Studium zu absolvieren – so wie es viele Spieler hier machen. Zusätzlich ist die Nähe zu Berlin sicherlich kein Nachteil.

Sie sagen selbst, dass Sie in Ihrer Zeit als Profifußballer nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen hätten. Was geben Sie Ihren Schützlingen aus dieser Zeit mit auf den Weg?
Dass man mehr machen muss als die anderen, wenn man im Fußball wirklich etwas erreichen will – sonst wird es eng.

So haben Sie Ihre Töppen bereits mit Anfang 30 an den Nagel gehangen, nachdem sie zuvor zwei Spielzeiten schon nur noch unterklassig bei 1860 Rosenheim gespielt haben.
Ich hatte nach meiner Zeit in Augsburg, als das mit dem damaligen Trainer (Anm. d. Red. Holger Fach) und Manager (Anm. d. Red. Andreas Rettig) nicht optimal lief, einfach keinen Bock mehr auf Profifußball. Vielleicht hätte ich auch da nicht so schnell aufgeben sollen und den Weg weiter gehen sollen. Vor solchen Fehlern will ich meine Jungs natürlich bewahren. Es gibt im Fußball immer wieder Rückschläge, aber damit muss man lernen umzugehen.

Was für einen Fußball wollen Sie als ehemaliger Offensivspieler zukünftig spielen lassen?
Ich nenne es mal Fußball mit Hirn. Ich mag Ballbesitz und will flach spielen lassen. Der lange Ball soll nur im Spezialfall zum Einsatz kommen.

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Hatten Sie denn schon als aktiver Spieler im Hinterkopf, Trainer zu werden?
Überhaupt nicht. Das hat sich erst in Rosenheim entwickelt, als bei der U17 ein Co-Trainer gesucht wurde. Ich habe mich dann immer besser reingefuchst und gesehen, dass man an der Seitenlinie richtig was entwickeln kann – das fand ich einfach cool.

Von welchem Ihrer Trainer haben Sie am meisten mitgenommen?
Das kann man so konkret nicht sagen. Von jedem nimmt man etwas mit – ob positiv oder negativ. Peter Pacult und Norbert Meier etwa haben sehr viel mit den Spielern geredet. Ich hatte aber auch Trainer, die mir am Abend zuvor gesagt haben, dass ich in der Startelf stehe. Am Spieltag selbst wurde ich nicht mal eingewechselt und es wurde kein Wort darüber mit mir gesprochen. Ich versuche, viel mit meinen Spielern zu reden und bin auch keiner, der nach einem schwachen Auftritt draufhaut.

Neben dem Sportlichen müssen Sie als Sportlicher Leiter immer auch die wirtschaftliche Komponente im Blick haben. Wie viel nützt Ihnen da Ihre abgeschlossene Lehre als Bankkaufmann?
Vor allem hat mich diese Zeit brutal geerdet. Wenn du da am Bankschalter stehst und mit Menschen aus allen sozialen Schichten zu tun hast, weißt du erstmal, wie das richtige Leben – von dem das eines Profifußballers heute ja noch viel weiter entfernt ist als zu meiner Zeit – läuft. Man bekommt einen ganz anderen Bezug zu Geld, den viele junge Spieler gar nicht haben. Trotzdem hat es mich wieder zurück zum Fußball gezogen, weil es einfach meine Leidenschaft ist.

Was macht Marco Vorbeck gerne, wenn er nicht gerade mit einem potenziellen Neuzugang verhandelt oder über der richtigen Taktik für das anstehende Spiel tüftelt?
Ich spiele unheimlich gerne Basketball und muss mir hier in Potsdam auf jeden Fall noch einen Korb suchen. Ansonsten versuche ich dann so viel wie möglich Zeit mit meinem kleinen Sohn zu verbringen.

Gab es auch schon die Gelegenheit, sich Potsdam als Stadt etwas näher anzuschauen?
Für Sightseeing hatte ich bislang noch keine Zeit, aber das wird sich sicher noch ergeben.

Je 38 Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga

Marco Vorbeck ist 37 Jahre alt und in Kühlungsborn (Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern) geboren. In seiner aktiven Laufbahn kam der Offensivspieler für Hansa Rostock, Dynamo Dresden und den FC Augsburg sowohl in der 1. als auch in der 2. Bundesliga je auf 38 Einsätze. Nach seiner letzten aktiven Station, in der Saison 2010/11 beim Bayernligisten TSV Rosenheim, beendete der Stürmer endgültig seine Karriere. Bei den Bayern wurde Vorbeck für die kommende Saison als Nachwuchskoordinator verpflichtet und war bis 2012 für die U19 und anschließend bis 2014 für die Rosenheimer U17-Mannschaft verantwortlich.

Nach seinen zwei Jahren als Funktionär in Bayern ging es für Vorbeck zurück an die Ostseeküste, wo er das Traineramt der U17 von Hansa Rostock übernahm. Im März 2019 schloss der damalige Nachwuchscoach der Hanseaten die Ausbildung zum Fußball-Lehrer ab. Mit ihm erlangten unter anderem Cristian Fiel, Daniel Bierofka und Patrick Helmes die höchste Lizenzstufe des Trainerdaseins in Deutschland.

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