03. Mai 2019 / 13:59 Uhr

Marian Unger drückt dem MSV Neuruppin aus der Ferne die Daumen

Marian Unger drückt dem MSV Neuruppin aus der Ferne die Daumen

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Marian Unger brachte so manchen Gegner zur Weißglut – wie hier 2009 im Babelsberg-Tor gegen Leverkusens Toni Kroos.
Marian Unger brachte so manchen Gegner zur Weißglut – wie hier 2009 im Babelsberg-Tor gegen Leverkusens Toni Kroos. © Feineis, dpa
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Der Ex-Torwart des aktuellen Brandenburgliga-Spitzenreiters steckt mit dem Halleschen FC ebenfalls im Aufstiegskampf.

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Ich erreiche Marian Unger am Dienstag zwischen der lockeren Vormittagseinheit und dem gemeinsamen Mittagessen mit der Mannschaft. Er wirkt entspannt, gelassen und voller Tatendrang. Am Abend steht im sachsen-anhaltinischen Landespokal-Halbfinale die Pflichtaufgabe gegen NOFV-Oberligist Askania Bernburg auf dem Programm.

Seiner Favoritenrolle wird der Hallesche Fußballclub beim 5:1-Erfolg ohne größere Probleme gerecht. Sowohl im Cup als auch im Drittliga-Alltag ist der HFC auf Kurs, kämpft drei Runden vor Saisonschluss sogar noch um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Mittendrin statt nur dabei: Der 35-jährige Unger, der seit vergangenem Sommer bei den Hallensern als Torwarttrainer aktiv ist. Sein großer Stern zwischen den Pfosten ging allerdings in der Fontanestadt beim MSV Neuruppin auf.

In Bildern: Das erste und einzige DFB-Pokal-Spiel des MSV Neuruppin gegen den FC Bayern München im Berliner Olympiastadion 2005.

Da kam Willy Sagnol wohl zu spät! Die Flanke von Ugurtan Cepni (r.) konnte er nicht mehr erreichen. Zur Galerie
Da kam Willy Sagnol wohl zu spät! Die Flanke von Ugurtan Cepni (r.) konnte er nicht mehr erreichen. © Dirk Becker
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"Ich muss ehrlich gestehen, dass der MSV für mich ganz weit weg ist. Nur zur Familie Schöps aus Lindow gibt es ab und zu Kontakt. Ich habe vor allem noch einen guten Draht zum FSV Zwickau, meinem letzten Verein. Die Stationen davor habe ich eher weniger im Blick, obwohl man hin und wieder im Mannschaftsbus nach Ergebnissen schaut", erklärt der gebürtige Markranstädter, der das Fußball- beziehungsweise Torwart-Abc beim SV Empor Berlin erlernte und im Jugendbereich für den BFC Dynamo und Carl-Zeiss Jena auflief.

Bei eben jenen Thüringern sammelte Unger auch erste Erfahrungen im Männerbereich, wechselte 2004 aufgrund der persönlich besseren Perspektive jedoch zum Märkischen Sportverein. "Ich erinnere mich gerne an die zwei Jahre, die für mich und meine Karriere sehr wertvoll waren", erläutert der 1,88-Meter-Hüne weiter: "Es war nach Jena meine erste Station im Männerbereich. Ich habe mich als Nummer eins etablieren können und mit dem MSV eine erfolgreiche Zeit gehabt. Wir wurden zweimal hintereinander Vizemeister in der Oberliga, waren auf Augenhöhe mit Union Berlin und Babelsberg 03. In der Saison 2005/2006 waren wir sogar mit fünf Punkten Vorsprung Herbstmeister."

Die zwei Spielzeiten in der Fontanestadt haben Marian Unger geprägt - und ins nationale Rampenlicht gebracht. Grund dafür war der 21. August 2005, ein heißer Sommertag in Berlin. Im altehrwürdigen Olympiastadion traf der MSV Neuruppin in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den großen FC Bayern München, nachdem sich die Schützlinge von Trainer Christian Schreier in der Saison zuvor den Landespokal gesichert hatten. 33189 Fans, darunter viele aus Ostprignitz-Ruppin, pilgerten an diesem späten Sonntagnachmittag in das Stadion, in welchem keine zehn Monate später das WM-Finale zwischen Italien und Frankreich stattfand.

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"Das war schon Wahnsinn. Ich kann mich erinnern, dass es eine unglaubliche Hitze in dieser Schüssel war. Tatsächlich habe ich danach nie mehr vor so vielen Menschen Fußball gespielt, während der Partie hat man die Kulisse aber nicht wirklich wahrgenommen, man ist ja voll fokussiert und will sportlich erfolgreich sein. Wir konnten stolz auf unsere Leistung sein, die Bayern haben ja nicht mit einer Rumpelelf gespielt und sogar in der Bundesliga einige Mannschaften höher geschlagen", lacht Unger. Mit 0:4 (0:1) zog sich der MSV achtbar aus der Affäre, der große Gewinner war aber dieser junge Schlussmann, der unter anderem Claudio Pizarro, Roque Santa Cruz und Bastian Schweinsteiger mit zahlreichen Glanzparaden zur Weißglut brachte.

Folgerichtig beobachteten die Scouts des Rekordmeisters Marian Unger gleich dreimal, einmal war sogar "Tiger" Hermann Gerland höchstpersönlich im Neuruppiner Volksparkstadion, um sich den talentierten Youngster anzuschauen. "Nach einem Freitagabendspiel gegen Babelsberg habe ich anschließend mit Bayern-Vertretern beim Italiener in Neuruppin zusammengesessen und wurde zum dreitägigen Probetraining eingeladen. Die ersten beiden Tage machte ich bei den Amateuren mit, am dritten Tag dann bei den Profis", kann sich Unger noch heute ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Das ist natürlich etwas ganz Besonderes, wenn du auf dem Trainingsplatz bist und Oliver Kahn, Roy Makaay, Mehmet Scholl oder Bixente Lizarazu neben dir zu stehen hast." Für eine Zukunft an der Säbener Straße in München oder einer anderen großen Adresse in Fußball-Deutschland hat es dann doch nicht gereicht, bis auf ein Intermezzo beim VfL Osnabrück blieb der heimatverbundene Unger auch durchgängig im Osten der Republik.

In Bildern: Das Finale im Landespokal 2005 gewinnt der MSV Neuruppin gegen Babelsberg 03.

Das Finale im Landespokal 2005 gewinnt der MSV Neuruppin gegen Babelsberg 03 mit 2:1 nach Verlängerung. Babelsberger Fans setzen Rauchzeichen, nutzte aber nichts. Zur Galerie
Das Finale im Landespokal 2005 gewinnt der MSV Neuruppin gegen Babelsberg 03 mit 2:1 nach Verlängerung. Babelsberger Fans setzen Rauchzeichen, nutzte aber nichts. © Dirk Becker

Von 2008 bis 2012 war der Torhüter am Babelsberger Park aktiv, gewann zweimal den Landespokal und stieg als Kapitän 2010 in die 3. Liga auf. "Das war ebenfalls eine wertvolle Erfahrung, die ich niemals missen möchte. Aber auch an die fünf Jahre danach beim FSV Zwickau erinnere ich mich gerne. Noch heute habe ich viele Freunde und Bekannte dort, zumal wir ja mit dem Halleschen FC in der gleichen Liga aktiv sind", sagt Unger, der mit Ehefrau Annett in Leipzig lebt und mit seiner Rolle als Torwarttrainer an der Saale glücklich ist.

"Unseren aktuellen Trainer Torsten Ziegner kenne ich aus gemeinsamen Zeiten in Zwickau. Ich habe mich schon beim Nachwuchs des FSV um die Torwart-Ausbildung gekümmert, so kam es dann letztlich zum Engagement in Halle", verrät Unger, der die Trainer-B-Lizenz besitzt, zeitnah den Torwarttrainer-Leistungskurs absolvieren will und in der kommenden Spielzeit womöglich Teil eines Zweitliga-Trainerstabs ist: "Obwohl wir Vierter sind, glauben wir an unsere Chance. Wenn man zu diesem Zeitpunkt der Saison oben dabei ist, dann will man es natürlich auch packen. Vom Papier her sind der Karlsruher SC und Wehen Wiesbaden im Vorteil, doch wir werden in den letzten Spielen alles raushauen." Um dann vielleicht sogar in zwei Relegations-Partien auf den 1. FC Magdeburg - ein Ex-Club Ungers und Erzrivale des HFC - zu treffen. "Das wäre der Hammer, wir wollen jetzt aber nicht unsere Gedanken und Kräfte daran verschwenden", stellt Unger klar.

Weil er weiß, dass auch der MSV Neuruppin in der Brandenburgliga gegenwärtig vielversprechend auf Platz eins liegt und sich durchaus Chancen auf die Rückkehr in die Oberliga machen darf, kommt Marian Unger doch noch mit einigen Ratschlägen um die Ecke. "Der MSV braucht in dieser Situation natürlich ein stabiles Nervenkostüm. Die Jungs dürfen sich nicht zuviel Druck machen und sollten keine Angst vor Fehlern haben. Zudem ist es wichtig, dass eine große Euphorie im Team vorhanden ist. Dann kann es klappen", glaubt Unger, dem aus dem aktuellen MSV-Kader nur Daniel Fraufarth etwas sagt, an ein neues erfolgreiches Kapitel in der 100-jährigen Vereinsgeschichte und drückt für die letzten sechs "Endspiele" aus der Ferne die Daumen.

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