05. August 2022 / 10:56 Uhr

Michael Rummenigge: Wie mich Mario Götze auf eine Art Zeitreise mitnimmt

Michael Rummenigge: Wie mich Mario Götze auf eine Art Zeitreise mitnimmt

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In seiner Kolumne spricht Michael Rummenigge unter anderem über Mario Götze und dessen Bundesliga-Rückkehr.
In seiner Kolumne spricht Michael Rummenigge unter anderem über Mario Götze und dessen Bundesliga-Rückkehr. © IMAGO/foto2press (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge blickt vor dem Bundesliga-Eröffnungsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern auf den großen SGE-Hoffnungsträger Mario Götze. Der Ex-Nationalspieler schreibt über dessen Entwicklung und beleuchtet, was in der Karriere des 30-Jährigen hätte besser laufen können.

Der vergangene Montag war für mich fast eine Art Zeitreise. Mario Götze sprintete, trickste und passte wie einst bei Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp. Damals war er noch ein Teenager und galt als größtes Versprechen des deutschen Fußballs. Wirklich eingelöst wurde dieses in den Folgejahren nie. Klar, Götze schoss Deutschland 2014 zum WM-Titel, aber in seinen Vereinen lief es meist nicht wie geplant.

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Inzwischen ist er 30 Jahre alt und scheint nun das Beste aus zwei Lebensphasen zu vereinen: Die Unbekümmertheit aus den ersten Jahren seiner Karriere und die Reife eines gestandenen Mannes. Ich hoffe sehr, dass dieser Eindruck den kommenden Tagen standhält. Denn: Die Herausforderungen beim Pokal-Auftritt beim Drittligisten 1 FC Magdeburg sind nicht mit dem vergleichbar, was nun auf Götze und seinen neuen Klub Eintracht Frankfurt wartet.

Am Freitagabend steht der Bundesliga-Auftakt gegen seinen Ex-Verein FC Bayern an. Vier Tage später geht es im europäischen Supercup gegen Real Madrid. Sollte Götze auch in diesen Spielen zeigen, dass er es noch draufhat, wäre er wieder da, wo er eigentlich immer hingehörte – im Kreis der besten deutschen Kicker. Dann wären all die Lobeshymnen, die man schon jetzt hört, wirklich gerechtfertigt. Ich würde es ihm von Herzen gönnen, denn ich mag Mario sehr. Obwohl ich ihn zu meinen Lieblingsspielern zähle, habe auch ich ihn in der Vergangenheit hart kritisiert. Umso glücklicher bin ich, dass er auf der Zielgeraden seiner Laufbahn noch einmal versucht, in der Bundesliga anzugreifen. Das ist ein mutiger Schritt, der Respekt verdient.

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Mit seinen Entscheidungen richtig lag er nicht immer richtig – was auch das Ergebnis einer falschen Karriereplanung seines Beraters Volker Struth war. Der Wechsel 2013 vom BVB nach München kam einfach zwei Jahre zu früh. Ich habe in den vergangenen Tagen noch mit meinem Bruder Karl-Heinz darüber gesprochen. Der damalige Bayern-Trainer Pep Guardiola wollte unbedingt Neymar in seiner Mannschaft haben.

Die geforderte Ablöse für den Brasilianer lag bei rund 50 Millionen Euro und wäre zu stemmen gewesen. Aber das Gesamtpakt des Transfers hätte das Machbare gesprengt. Also setzte sich Uli Hoeneß dafür ein, stattdessen Götze zu holen. Abgesehen von der ersten Saison in München hat es dann aber nie richtig gepasst. Es ist halt schwierig, wenn der Trainer nicht voll und ganz überzeugt ist.

Für Götze war es der Anfang harter Jahre. Erst in den vergangenen beiden Spielzeiten bei der PSV Eindhoven schien er wieder zu sich zu finden. Die Zeit außerhalb des immensen öffentlichen Interesses hat ihm gutgetan. In Frankfurt wirkt er nun noch einmal bereit für die große Bühne. Seine Fans erfahren in den sozialen Netzwerken weniger, was auf den Teller kommt oder was im Kleiderschrank hängt. Stattdessen steht das im Fokus, was wirklich wichtig ist: Der Fußball. Ich drücke Mario beide Daumen, dass er bei der Eintracht und in der Bundesliga echte Akzente setzen kann.