28. Juni 2022 / 20:19 Uhr

"Will mir selbst etwas beweisen": So geht Mario Götze seine Bundesliga-Rückkehr bei Eintracht Frankfurt an

"Will mir selbst etwas beweisen": So geht Mario Götze seine Bundesliga-Rückkehr bei Eintracht Frankfurt an

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mario Götze ist zurück in der Bundesliga.
Mario Götze ist zurück in der Bundesliga. © IMAGO/Hartenfelser (Montage)
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Mario Götze formuliert die Herangehensweise an seine neue Aufgabe bei Eintracht Frankfurt klar und selbstbewusst. Der inzwischen 30-Jährige wirkt vor seinem Bundesliga-Comeback gereift und spricht auch über Druck und eine etwaige Rückkehr in die Nationalmannschaft.

Da war sie wieder. Die ganz besondere Aufmerksamkeit, in die sich Mario Götze mit seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt nun zurückmanövriert hat. Bei der offiziellen Vorstellung des einstigen Wunderknaben am Dienstag blitzten die Blitzlichter, bohrten die Fragen und waberten die Erwartungen durch den Raum. "Ich bin im Sommer 30 geworden, habe ein bisschen was erlebt und eine andere Sichtweise auf die ganze Thematik bekommen. Für mich ist es einfach wichtig, das Spiel zu genießen", sagte Götze, der zuvor vor rund 1000 Fans die erste Trainingseinheit mit seinen neuen Kollegen absolviert hatte, zu Fragen nach dem auf ihm lastenden Druck.

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Mit festem Blick führte er weiter aus: "Ich will mir nur selbst etwas beweisen. Das ist das Wichtigste für mich. Alles andere liegt nicht in meinen Händen. Ich freue mich auf das, was kommt und darauf, dass ich nochmal alles rausholen kann, was ich möchte." Die Erwartungen seien auch ein Zeichen der "Wertschätzung", betonte Götze: "Das ist eine positive Sache. Mein Fokus liegt auf dem Verein und auf dem, was jetzt kommt. Ich will nach vorne schauen." Vieles von dem, was in der Vergangenheit war, steht für den Neu-Frankfurter, der einen Vertrag bis 2025 unterschrieb, offenbar unter dem Motto abhaken, ausblenden, vergessen.

Das Schicksal der Hochbegabten begleitete den 63-maligen Nationalspieler seit seiner ersten kompletten Bundesliga-Saison. Sechs Tore und 15 Vorlagen standen an deren Ende zu Buche. Zwölf Jahre ist dies her. Götze war ein unbekümmerter Teenager bei Borussia Dortmund, dem die Welt zu Füßen lag. Die Hoffnung des deutschen Fußballs, ein künftiger Weltstar. Mit jeder gelungenen Aktion nahm alles um ihn herum an Tempo auf, doch so wie er seinen Gegenspielern auf dem Feld entwischte, schien er auch immer einen Schritt schneller als der atemlose Druck, der ihn umgab. Im Sommer 2013 wurde der schmale Grat zwischen Verheißung und Verhängnis, welcher derartiges Talent so häufig mit sich bringt, dann aber erstmals sichtbar.

Götze entschied sich, den BVB und seinen Ziehvater Jürgen Klopp zu verlassen. Der FC Bayern und Pep Guardiola lockten. Bestätigt wurde der Transfer unmittelbar vor dem Champions-League-Halbfinale der Borussen gegen Real Madrid. Bei manchem Dortmunder schlug Liebe binnen weniger Minuten in Hass um. Sein Wechsel und die unglücklichen Begleitumstände spalteten die Fußball-Nation.

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Auch in München waren Götzes Leistungen keinesfalls schlecht. Doch die an ihn gestellten Ansprüche machten das Bessere zum Feind des Guten. Eine Entwicklung, die sich am 13. Juli 2014 noch einmal steigern sollte. Joker Götze machte Deutschland mit seinem Siegtor gegen Argentinien zum Weltmeister und ließ die Erwartungen weiter steigen. Götze schien all dem nicht mehr standhalten zu können. Weder bei den Bayern noch nach seiner Rückkehr zum BVB im Sommer 2016. Gesundheitliche Probleme kamen hinzu. Der einstige Goldjunge verschwand zunehmend in der Masse der nicht überall auf Hochglanz polierten Bundesliga. Vier Jahre später verzichteten die Dortmunder darauf, den auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Götze ging für viele überraschend nach Eindhoven - und fand außerhalb des Brennglases zu altem Feuer zurück. Dieses Lodern bewog die Eintracht dazu, ihn nun - im reiferen Fußballer-Alter - in die Bundesliga zurückzuholen. "Seine Erfahrung war auch ein wichtiger Teil, den wir für die Offensive gesucht haben", hatte SGE-Trainer Oliver Glasner bereits am Montag gesagt. In der Tat wirkte Götze am Dienstag gereift und in sich ruhend. Eine Rückkehr in die Nationalmannschaft scheint er viereinhalb Jahre nach seinem bislang letzten Länderspiel nicht für sein Seelenheil zu brauchen: "Aktuell ist das kein Thema für mich, mein Fokus liegt auf dem Training, den Spielen, da will ich das Beste rausholen. Alles andere ist nicht in meinem Kopf, dafür ist es zu weit weg." Seine Bundesliga-Wurzeln sind hingegen nun wieder ganz nah. "Ich freue mich zurückzukommen", sagte Götze.

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